Schwer Verletzt Im Krankenhaus:
Polizist schießt Reporter in Bremerhaven an

Der Journalist der Nordsee-Zeitung will sich bei einem Pressetermin die neue Dienstpistole erklären lassen. Dann löst sich ein Schuss aus dem alten Modell. Die Kugel durchschlägt den Oberschenkel.

Bremerhaven Ein Bremerhavener Polizist hat am Dienstagmorgen einen Reporter der Nordsee-Zeitung bei einem Pressetermin in den Oberschenkel geschossen. Der Reporter war zu einem Gespräch in die Räume der Öffentlichkeitsabteilung der Bremerhavener Polizei gekommen. Dort wollte der 44-Jährige sich die neue Dienstpistole der Polizei, eine Walther P99, für eine Polizei-Serie erklären lassen. Bei dem Gespräch über den Umgang mit der neuen Schusswaffe muss jedoch auch die bisherige Schusswaffe der Bremerhavener Polizei, eine SIG Sauer P6, ins Spiel gekommen sein.

Denn nach NWZ -Informationen hatte sich der Schuss, der dem Reporter glatt durch den Oberschenkel ging, nicht aus der neuen Dienstwaffe gelöst, sondern aus dem derzeitigen Modell P6. Bei dem Beamten soll es sich um den 45-jährigen Schießausbilder der Polizei Bremerhaven gehandelt haben.

Der Reporter ist notärztlich versorgt und in ein Krankenhaus gebracht worden. Es gehe ihm den Umständen entsprechend gut, teilt die Nordsee-Zeitung auf Facebook mit.

„Zuerst konnten wir es gar nicht glauben, doch es war leider kein Scherz, als uns unser Kollege aus dem Rettungswagen per SMS über den Vorfall selbst informiert hatte“, sagte der Chefredakteur der „Nordsee-Zeitung“, Christian Klose. „Dass unser Reporter noch selbst in der Lage war, uns zu informieren, zeigt aber zum Glück, dass zu keiner Zeit Lebensgefahr bei ihm bestand.“

Die Nachricht habe alle Mitarbeiter der Zeitung geschockt. „Der Kollege hatte sicher großes Glück im Unglück. Er wird bis zum Abend im Krankenhaus noch einmal von den Ärzten behandelt und eventuell noch operiert“, sagte der Chefredakteur. „Wir sind aber sehr zuversichtlich, dass wir ihn bald wieder bei uns am Arbeitsplatz haben werden.“

Die Polizei hat nun die Ermittlungen aufgenommen. „Eigentlich darf das nicht passieren“, betonte der Leiter der Ortspolizeibehörde, Götze. Bei der Präsentation von Waffen verstehe es sich von selbst, dass sie ungeladen seien. Alle vorgeführten Waffen seien beschlagnahmt und untersucht worden. In keiner habe sich Munition befunden. Warum in der einen Schusswaffe ein Projektil steckte, werde nun untersucht. „Warum das passiert ist, entzieht sich meiner Kenntnis“, sagte Götze.

Der Polizeichef hat sich am Nachmittag zu dem Vorfall geäußert. Die Nordsee-Zeitung hat ein Video von der Pressekonferenz veröffentlicht.

Polizei-PK mit Polizei-Chef Harry Götze zum tragischen Unglücksfall beim Pressetermin mit einem Reporter der Nordsee-Zeitung. (ber)

Posted by Nordsee-Zeitung on Dienstag, 23. Februar 2016

Bei der Vorführung der Waffen waren ein Pressesprecher der Ortspolizei und ein Trainer für die Anwendung von Schusswaffen anwesend. Der 45-jährige Ausbilder habe den Schuss ausgelöst, sagte Götze. Beide Beamten hätten sich nach dem Unfall krankgemeldet. Der Leiter der Ortspolizeibehörde nannte den Unfall „bedauerlich und schlimm“. Neben den staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen würden auch dienstrechtliche Konsequenzen geprüft.

Leserkommentare

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  J?rgens-Tatje 24.02.2016, 10:51:22
Die Schalgzeilen der NWZ werden der Bildzeitung immer ähnlicher.

 NWZ online 24.02.2016, 12:11:11
Wir sind offen für Vorschläge @J?rgens-Tatje
  Oldenburger 23.02.2016, 18:21:50
Schießausbilder lässt in Räumen für Öffentlichkeitsarbeit die Waffen geladen? ich habe schon gedacht, das frühere Vorkommnisse wie "ein Schuss löste sich beim Waffenreinigen" schon die Krönung sind.
Man lernt immer wieder dazu...

Über den Autor

Tobias Schwerdtfeger

Redakteur
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