Aktenzeichen Xy... Ungelöst:
RAF-Überfall in Stuhr fürs Fernsehen nachgestellt

Nach dem Überfall auf einen Geldtransporter in Stuhr führt die Spur zu RAF-Terroristen. Ein spektakulärer Fall. Und mitten drin – mal wieder – der ZDF-Klassiker „Aktenzeichen XY... ungelöst“.

Stuhr Es dürfte einer der spektakulärsten Kriminalfälle der vergangenen Jahre sein: Nach Überfällen auf Geldtransporter in Niedersachsen führt die Spur zu seit Jahren untergetauchten Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF). Genetische Fingerabdrücke von Daniela Klette (57), Ernst-Volker Wilhelm Staub (61) und Burkhard Garweg (47) wurden gefunden. Und auch bei diesem Fall steht wieder eine Fernsehsendung im Fokus: Der ZDF-Klassiker „Aktenzeichen XY... ungelöst“. Denn die Ermittler scheinen immer wieder die Vorzüge der Fahndungssendung für sich in Anspruch nehmen zu wollen.

Ausstrahlung an diesem Mittwoch um 20.15 Uhr im ZDF

„Wir haben uns an den Wunsch der Staatsanwaltschaft gehalten, keine Details herauszugeben, denn man wollte aus ermittlungstaktischen Gründen den Zeitpunkt der Veröffentlichung in der Hand behalten“, teilte Moderator Rudi Cerne mit. „Der Überfall war im Juni 2015. Die Kripo mache ihre Arbeit, ermittle „und wenn sie dann Hilfe braucht, wendet sie sich an uns.“ Unter anderem sollen in der Sendung an diesem Mittwoch Phantombilder der mutmaßlichen Täter gezeigt werden - eigentlich erstmals. Die Staatsanwaltschaft Verden hat sie inzwischen aber bereits per Pressemitteilung veröffentlicht.

Fotostrecke Spuren nach Raubüberfall in Stuhr weisen zur RAF

Seit Jahrzehnten schon greifen Ermittler immer wieder auf die ZDF-Sendung zurück, um an neue Hinweise zu kommen. Auch in Zeiten, in denen Fahndungsaufrufe über Facebook und Co. veröffentlicht werden, hat sich daran nichts geändert.

„Die ZDF-Fernsehsendung unterstützt die Arbeit der Polizei ebenso wie andere Formate im deutschen Fernsehen“, sagt Oliver Malchow, Bundesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei. „Warum sollen wir also nicht ein Millionenpublikum nutzen, um vor allem schwere Straftaten letztlich aufklären zu können.“ Ähnlich sieht man das auch im Polizeipräsidium München. „XY hat jetzt keine Sonderstellung, aber das Zuschauerinteresse ist da besonders hoch, darum nutzen wir das gerne“, sagt ein Sprecher.

Mehr als fünf Millionen Menschen schauen die Sendung im Schnitt, der durchschnittliche Marktanteil lag 2015 bei 18,3 Prozent. Die Mordserie der rechtsextremen Terrorzelle NSU war schon Thema bei Rudi Cerne. Und auch einer der spektakulärsten Vermisstenfälle überhaupt: Bei dem viel beachteten Auftritt der Eltern der in Portugal verschwundenen Madeleine McCann konnte zwar auch die ZDF-Sendung nicht helfen. Aber es gab auch andere Fälle.

Immer wieder führt die Sendung auch zu dem, was „sachdienliche Hinweise“ genannt wird: So rief nach Sendungsangaben beispielsweise im Jahr 2011 ein Mann im Studio an, der angab, an der Beseitigung der Leiche der seit fast 30 Jahren verschwundenen Lolita Brieger beteiligt gewesen zu sein. Ihre sterblichen Überreste wurden daraufhin tatsächlich gefunden, ihr Ex-Freund wurde verhaftet. 2006 stellte ein Mörder sich an der tschechischen Grenze, nachdem sein Fall in der Sendung behandelt wurde - wegen des großen Fahndungsdrucks.

Die 500. Ausgabe der Sendung seit ihrer Erstausstrahlung am 20. Oktober 1967 wurde im Oktober 2015 ausgestrahlt. Zum Jubiläum von „XY“ im vergangenen Jahr wurde eine beeindruckende Bilanz vorgelegt: Fälle: 4436, geklärte Fälle: 1810, festgenommene Täter: 2254, Aufklärungsquote: 40,8 Prozent.

Keine vierte Generation von Terroristen

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius sieht nach den vermutlich von RAF-Terroristen verübten Überfällen auf Geldtransporter keine Anzeichen für eine vierte Generation der Linksterroristen. „Es gibt bis heute keine Erkenntnisse darüber, dass es sich um neue terroristische Aktivitäten handelt, sondern um - im weiteren Sinne - Beschaffungskriminalität der dritten Generation von Terroristen“, sagte der SPD-Politiker am Mittwoch im Landtag in Hannover.

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Aktenzeichen Xy... Ungelöst
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