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NWZonline.de Nachrichten Politik

Wie sich Menschen in Gaza fühlen

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„nur Wer Glück Hat, überlebt“:
Wie sich Menschen in Gaza fühlen

Gaza/Tel Aviv Der ohrenbetäubende Lärm der israelischen Luftangriffe vermischt sich mit dem Ruf des Muezzin zum Ramadan-Morgengebet. Die Menschen im Rimal-Viertel in der Stadt Gaza haben gerade ihr Frühstück hinter sich, als am Mittwoch eine Serie heftiger Explosionen die Nachbarschaft erschüttert. Ausgerechnet im heiligen Fastenmonat, eigentlich eine besonders festliche Zeit für Muslime, erlebt der Gazastreifen erneut ein tragisches Blutvergießen. Stündlich gibt es Berichte über neue Tote, darunter auch Kinder.

Tagsüber fasten Muslime im Monat Ramadan, erst mit Einbruch der Dunkelheit gibt es ein Festmahl. Mit leerem Magen und in der brennenden Julihitze ist es besonders schwer, während der Bombardements der israelischen Luftwaffe einen kühlen Kopf zu bewahren.

Aus Furcht vor einer Bodenoffensive stehen viele Menschen vor Bäckereien in Gaza Schlange, um sich mit Pita-Broten einzudecken. „Wir haben wirklich Angst vor einer weiteren Eskalation“, sagt der 38-jährige Amir Abu Hedschilan. „Deshalb habe ich vorsichtshalber ganz viel Brot gekauft“, sagt der Vater von vier Kindern.

Anders als in Israel gibt es im Gazastreifen kein Vorwarnsystem bei Raketenangriffen. Es gibt keine Warnsirenen und die meisten Menschen haben auch keine Schutzräume, in denen sie Zuflucht suchen könnten. Viele Einwohner des Gazastreifens harren deshalb zuhause aus, während um sie herum die Raketen einschlagen. Bei gezielten Angriffen auf Häuser von militanten Palästinensern warnt die israelische Armee die Bewohner allerdings meist telefonisch zuvor, damit diese die Gebäude noch schnell verlassen können.

„Wenn ich draußen unterwegs bin, habe ich Angst, dass eine israelische Rakete ein Motorrad oder ein Auto trifft und ich dabei mit getötet oder verletzt werde“, sagt ein Einwohner von Gaza. „Zwei Kinder sind tödlich verletzt worden, als sie auf einem Feld spielten. Nur wer Glück hat, überlebt.“

Viele der ranghohen Hamas-Führer sind schon vor Tagen in den Untergrund gegangen. Sie sollen in Betonschutzräumen unter der Erde Schutz vor den tödlichen Raketenangriffen der israelischen Luftwaffe gefunden haben. Zahlreiche bewaffnete Kämpfer der radikal-islamischen Organisation agieren allerdings aus dicht bewohnten Zentren heraus und nehmen dabei Todesopfer unter unbeteiligten Zivilisten bei einem Gegenschlag Israels in Kauf.

Der 40-jährige Chalil Kassab aus dem Norden des Gazastreifens ist aus Sorge um das Wohl seiner Familie mit seinen acht Kindern zu seinem Bruder weiter ins Zentrum des Küstenstreifens geflüchtet. „Es ist nirgendwo sicher im Gazastreifen, aber hier im Haus meines Bruder ein bisschen mehr.“ Seine Kinder seien durch die Dauerbombardements zu Tode erschrocken. „Jeder in Gaza hat das Gefühl, wie eine Zielscheibe zu sein, die jeden Moment getroffen werden könnte.“

Viele Muslime glauben allerdings, dass ein Märtyrertod im Fastenmonat Ramadan besonders verdienstvoll ist und im Jenseits spezielle Vergütungen auf sie warten. Nach muslimischer Tradition sind arabische Kämpfer während des Ramadan auch besonders siegreich. Es wird etwa daran erinnert, dass auch der Jom-Kippur-Krieg von 1973 im Ramadan begann. Israel musste damals empfindliche Verluste hinnehmen. Ägypten feiert den Krieg bis heute als großen Sieg über Israel.

Angesichts der verzweifelten wirtschaftlichen Lage in dem schmalen Küstenstreifen wenden sich immer mehr Menschen von der Hamas ab. Palästinensische Beobachter halten es deshalb für möglich, dass die international isolierte Organisation gerade im Ramadan einen neuen Krieg mit Israel eingehen will, weil sie sich in dieser Zeit mehr Unterstützung von der eigenen Bevölkerung erhofft.

In den Kassen der Hamas herrscht gähnende Leere. Seit neun Monaten kann die Organisation die Gehälter von rund 42 000 Angestellten nicht mehr voll auszahlen. Seit einer Verschlechterung der Beziehungen der Hamas mit Syrien ist auch der Geldstrom aus dem mit Syrien verbündeten Iran versiegt.

Früher konnten Hamas-Mitglieder noch Koffer mit Bargeld durch die Tunnel aus Ägypten in den Gazastreifen schmuggeln. Doch seit dem Machtwechsel im Nachbarland ist das vormals enge Bündnis mit Hamas aufgekündigt, ägyptische Sicherheitskräfte haben die Tunnel verschlossen. Damit ist die Blockade des Gebiets komplett.

Katar hat der Hamas Millionenhilfe versprochen, doch arabische Banken wollen das Geld aus Furcht vor wirtschaftlichen Sanktionen nicht überweisen, weil unter anderem USA und EU Hamas als Terrororganisation einstufen.

Mit der neuen Konfrontation mit Israel wolle die Hamas neue Sympathien in der arabischen Welt wecken und Ägypten zur Öffnung der Grenze zwingen, meinen örtliche Kommentatoren. Sie hofften auch auf eine neue Einheit der Palästinenser im Angesicht der Bedrohung von außen.

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