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NWZonline {{SHARING.setTitle("Zahl ziviler Opfer im Irak steigt nach IS-Vormarsch")}}

Verbrannt, Verstümmelt, Verschleppt:
Zahl ziviler Opfer im Irak steigt nach IS-Vormarsch

Bagdad Seit dem Vormarsch der Terrormiliz Islamischer Staat vor zwei Jahren ist die Zahl ziviler Opfer im Irak stark gestiegen. Von Anfang 2014 bis Oktober 2015 wurden in dem zerrütteten Land 18 802 Zivilisten getötet und weitere 36 245 verletzt, wie die Vereinten Nationen am Dienstag in Bagdad berichteten. Die Zahlen und das Leiden der Bevölkerung seien erschütternd. Einige Gräueltaten des IS könnten auf Kriegsverbrechen oder Völkermord hinauslaufen, heißt es in dem UN-Bericht.

Der IS hatte Anfang 2014 die irakische Stadt Falludscha und in den folgenden Monaten die Städte Mossul, Tikrit und Ramadi eingenommen. Tikrit und Ramadi sind inzwischen wieder unter der Kontrolle von irakischen Truppen und Milizen. Nach amerikanischer Darstellung hat der IS zuletzt 40 Prozent seines einstigen Herrschaftsgebiet im Irak eingebüßt. Nach wie vor hat er aber ein großes Territorium im Irak wie auch in Syrien unter seiner Kontrolle und rief dort ein religiös-fundamentalistisches Kalifat aus.

Trotz der Rückschläge in der jüngeren Zeit töte, verstümmele und vertreibe der IS weiter Tausende irakische Zivilisten und verursache unsagbares Leid, erklärte der UN-Gesandte Jan Kubis. Allein in den sechs Monaten zwischen Mai und Oktober 2015 kamen nach UN-Daten mehr als 10 000 Menschen um. UN-Menschenrechtskommissar Seid Raad al-Hussein sagte, die Zahl der zivilen Opfer sei möglicherweise noch wesentlich höher. „Selbst diese obszönen Opferzahlen vermögen nicht exakt wiederzugeben, wie genau Zivilisten im Irak leiden“, sagte er.

Der UN-Bericht führt IS-Gewalttaten im Detail auf, darunter Erschießungen, Enthauptungen, das Niederwalzen mit Bulldozern und Verbrennungen bei lebendigen Leibe. Auch würden Menschen von Gebäuden geworfen. Der IS halte derzeit vermutlich an die 3500 Menschen als Geiseln oder Sklaven fest, in der Mehrzahl Frauen und Kinder der jesidischen Minderheit.

Aus der vom IS beherrschten zweitgrößten irakischen Stadt Mossul seien zudem 800 bis 900 Kinder verschleppt worden, um sie religiös zu indoktrinieren und militärisch auszubilden. Mehrere IS-Kindersoldaten seien umgebracht worden, als sie versucht hätten, aus der westirakischen Provinz Anbar zu fliehen.

Die Opferzahlen sind allerdings immer noch weit niedriger als während des irakischen Bürgerkriegs 2006, als nach UN-Daten 34 000 Zivilisten getötet wurden. Damals wurde - noch mit Hilfe der US-Armee - der hauptsächlich zwischen Sunniten und Schiiten ausgetragene Konflikt eingedämmt. Bis 2011, als die US-Kampftruppen abzogen, sank die Zahl der zivilen Todesopfer auf 2800.

Die nun wieder angestiegene Gewalt und die täglichen Grausamkeiten würden die Gesellschaft auf lange Zeit prägen, vermutete Menschenrechtsaktivistin Hana Adwar. „Die Kultur der Gewalt ist jetzt im Irak verwurzelt, es wird nicht einfach sein, das zu bekämpfen.“

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