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Kämpferischer Butjadinger:
„Leukämie? Das stecke ich locker weg!“

Butjadingen/Oldenburg „Es geht mir gut“ – über diese Erkenntnis freut sich Michael Schmidt täglich neu, denn sie ist für ihn keine Selbstverständlichkeit. Im April wurde bei dem 49-Jährigen aus Mürrwarden in der Nordseebädergemeinde Butjadingen (Kreis Wesermarsch) Leukämie diagnostiziert. Den Kampf gegen die schwere Krankheit hat er angenommen und bislang erfolgreich bestritten. Und das nicht nur mit ärztlicher Hilfe, sondern auch mit Optimismus, Willenskraft und Fitness.

Die Nachricht, die das Leben des aus Bremen stammenden gelernten Kochs, der sich nach achtjähriger Bundeswehrzeit zum Gas- und Wasserinstallateur umschulen ließ, veränderte, maß Michael Schmidt unwissend keine große Bedeutung zu. „Chronische Myeloische Leukämie? – das wird ja wohl wie ein Schnupfen sein. Das stecke ich locker weg und in ein paar Tagen bin ich das wieder los“, beschreibt Michael Schmidt seine erste Reaktion. An Krebs habe er nicht gedacht.

Der Anlass, der zu einer Blutuntersuchung und dann zu der bitteren Diagnose führte, war eher harmlos. Wiederholtes und letztlich nicht enden wollendes Nasenbluten zwang Michael Schmidt, sich in der Nacht zum 10. April von seiner Freundin Manuela Seebach, die in Mürrwarden die Lama-Ranch Narvanas betreibt, ins Krankenhaus fahren zu lassen.

Das Nasenbluten konnte durch eine Notoperation im Klinikum Oldenburg zum Stillstand gebracht werden. Erst am dritten Tag seines Krankenhausaufenthaltes und nach der Verlegung auf die Onkologie- und Hämatologie-Station habe er mit Hilfe seiner Freundin die Situation realisiert. „Es war ein Gefühl der Hilflosigkeit und vieler unbeantworteter Fragen zur Zukunft“, erinnert sich Michael Schmidt.

Seine viel zu hohen Leukozytwerte konnten mit Medikamenten normalisiert werden, und der Patient Michael Schmidt wurde in einem guten Allgemeinzustand in hausärztliche Betreuung entlassen. Mit wöchentlichen Blutentnahmen wurden die Leukozytwere kontrolliert. Obwohl sie in Ordnung waren, wurde Michael Schmidt bei einem Besuch im Klinikum Oldenburg in die Realität zurückgeholt.

Keine Dauerlösung

Die Medikamente seien keine Dauerlösung. Da aus der Chronischen schnell eine Akute Myeloische Leukämie werden könne, wurde Michael Schmidt eine Blutstammzellentransplantation angeraten. Dank der großen Bereitschaft der Familie war der geeignete Spender schnell gefunden. Es ist der Bruder das Patienten.

Am 14. Juli begab sich Michael Schmidt in die Isolierstation des Klinikums. Am 24. Juli erhielt er die Stammzellen seines Bruders. „Ich muss gestehen, dass ich nervös war, wie mein Körper darauf reagiert“, so der 49-Jährige. Aber alles lief nach Plan und auch ohne schwere Nebenwirkungen. Gewöhnungsbedürftig war für Michael Schmidt jedoch die Glatze, die er sich von der Krankenschwester nach dem Ausfall der Haare schneiden ließ.

Dass er die 32 Tage in der Isolierstation des Klinikums Oldenburg mit der Chemotherapie und ihren Nebenwirkungen (Kopfschmerzen, Übelkeit, trockener Mund, Haarausfall) sowie der Stammzellentransplantation ohne größere Probleme überstanden hat, ist nach Überzeugung von Michael Schmidt auch ein Ergebnis seiner körperlichen Fitness. Dafür habe er vor und auch nach der Diagnose aber einiges getan.

Das Laufen als sein Hobby entdeckte DJ Michael Schmidt, der 25 Jahre lang Platten und CD’s sogar auf dem Schulschiff „Deutschland“ sowie bei Auftritten der Band „Take a Cake“ auflegte, aber erst Mitte 2013. Spontan hatte der Raucher seinen Arbeitskollegen bei der Firma Schütze GmbH in Bremen die Teilnahme an einem 24-Stunden-Lauf in Delmenhorst zugesagt.

Michael Schmidt überstand den Lauf trotz nur kurzer Vorbereitungszeit und fand auch Gefallen an diesem Sport. Er trainierte weiter und nahm im Winter 2013/14 an Läufen über 10 und 15 Kilometer in Bremen teil. Im Sommer wollte Michael Schmidt als Einzelläufer den 24-Stunden-Lauf in Delmenhorst absolvieren. Doch dann kam die Leukämie-Diagnose.

Auch während seines Aufenthaltes im Klinikum hielt sich Michael Schmidt auf dem Crosstrainer und mit Hanteln fit. Mit dem Einverständnis der Ärzte durfte er zwei Tage nach der Krankenhausentlassung wieder mit dem Sport beginnen. Für seinen ersten „Lauf“ über nur 2,78 Kilometer benötigte Michael Schmidt knapp 26 Minuten.

56 Trainingskilometer

Am 19. Oktober, nur 87 Tage und 56 Trainingskilometer nach seiner Stammzellenplantation, absolvierte der „Patient“ aber in Oldenburg seinen ersten Halbmarathon über 21 Kilometer. Bei 15 Lauftagen im November legte Michael Schmidt in Butjadingen insgesamt 127,7 Kilometer zurück. Er will sich an den Winterläufen über 10 und 15 Kilometer in Bremen beteiligen sowie im Juni 2015 als Einzelläufer 80 bis 120 Kilometer beim 24-Stunden-Lauf in Delmenhorst bewältigen.

„Auch wenn es mir derzeit gut geht, muss ich realistisch bleiben. Es können Tage kommen, die mich spüren lassen, dass ich noch nicht gesund bin und noch Krebs habe“, beschreibt Michael Schmidt seine Situationen. Nach Aussagen seiner Ärzte werde er erst Mitte kommenden Jahres eine endgültige Diagnose über seinen Gesundheitszustand bekommen können. „So, wie ich jetzt mein Leben umgestellt habe, sehe ich dem weiteren Kampf gegen den Krebs positiv entgegen und habe keine Angst mehr“, sagt der 49-Jährige.

Sein Dank gilt seiner Freundin, der Familie und dem Klinikum Oldenburg sowie auch seinem Arbeitgeber und den Kollegen für ihr Verständnis, dass er derzeit nicht arbeiten darf, sich aber durch das Laufen fit hält.

„Wer vor Selbstmitleid auf dem Sofa versinkt, hat den Kampf schon verloren. Steuert gegen die Krankheit und haltet euch fit“, lautet der Rat von Michael Schmidt. Er möchte mit seinen Erfahrungen und seinem Beispiel anderen Betroffenen Mut machen.


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