Nwz-Projekt:
Von Politikverdrossenheit keine Spur

8754 Schüler aus dem Oldenburger Land simulieren Bundestagswahl

An 56 Schulen in der Region wurde bereits über den neuen Bundestag abgestimmt. Am Montag boten die Ergebnisse und Analysen der NWZ-Aktion reichlich Gesprächsstoff.

Oldenburger Land Die kleinste Klasse im Oldenburger Land wählte zuletzt, die Stimmen waren aber auch am schnellsten ausgezählt: Sechs Schülerinnen und Schüler des Jahrgangs 9 und 10 an der Inselschule Wangerooge gaben im Rahmen der NWZ -Aktion „Schüler wählen“ ihre Stimme zur Bundestagswahl ab – und durften dabei schon mal das echte Wahllokal der Insulaner nutzen.

Die Gemeindeverwaltung hatte für die Schüler das Trauzimmer an der Strandpromenade, das auf Wangerooge traditionell als Wahllokal genutzt wird, hergerichtet – samt Urne und Wahlkabine. Der routinierte Wahlhelfer Rolf Wilhelmi zählte die Stimmen anschließend im Beisein der Schüler aus – mit klarem Ergebnis: Bei den sechs Insel-Schülern liegt die Linkspartei vorne.

Die Wangerooger Jugendlichen gehören zu den 8754 Schülerinnen und Schülern aus 56 Schulen im Oldenburger Land, die sich an dem NWZ -Projekt zur politischen Bildung beteiligt haben. Und wie in allen Schulen wurde auch auf Wangerooge das am Montag veröffentlichte Ergebnis der Schülerwahl intensiv im Unterricht und auf den Pausenhöfen diskutiert.

Wie schon bei der erfolgreichen Premiere der Aktion zur Landtagswahl im Januar hatte die NWZ  den Schulen wieder Stimmzettel und Wahlurnen zur Verfügung gestellt. Interessierte Schulen erhielten zudem pädagogisches Begleitmaterial der vom Kultusministerium geförderten „Juniorwahl“, mit der die NWZ  erstmals kooperierte. Die Ergebnisse der Schülerwahl fließen so auch in das bundesweite Juniorwahlergebnis ein, das am Sonntagabend veröffentlicht wird.

Mit im Boot ist zudem die Landessparkasse zu Oldenburg (LzO), die Schulklassen Projektabos finanzierte. So konnten sich die Schülerinnen und Schüler mit Hilfe der NWZ  über den Wahlkampf in ihrer Region informieren.

Fotostrecke Ergebnisse der NWZ -Schülerwahl 2013 liegen vor

6200 jugendliche Schüler hatten an der Schülerwahl zur Landtagswahl teilgenommen, jetzt waren es noch einmal rund 2500 mehr. Das Projekt stößt dabei nicht nur in den Schulen, sondern auch in der Medienbranche auf großes Interesse: Im Dezember erhält die NWZ  für die Aktion „Schüler wählen“ in Warschau den World Young Reader Prize des Weltverbands der Zeitungen und Nachrichtenmedien.

Allein in der Stadt Oldenburg gaben rund 1300 Schülerinnen und Schüler aus zahlreichen Schulen ihre Stimme ab. Lehrer und Schulleiter lobten die realistische Abbildung der tatsächlichen Bundestagswahl. „Dieses Angebot ist ein wichtiges Stück politischer Erziehung und muss unbedingt wiederholt werden“, sagte Günter Tillmann, Leiter des Herbartgymnasiums.

Auch bei den Schülern kam das Projekt gut an. „Das ist eine gute Vorbereitung auf die richtige Wahl“, sagte der Wildeshauser Lukas Kück (17) aus dem elften Jahrgang des Gymnasiums Wildeshausen. Und Mitschüler Tomke Hülsemeyer (16) aus Brettorf fügte hinzu: „Ich finde es super, richtige Wahlabläufe kennen zu lernen.“

Praxisbezug

Teilweise sehr unterschiedlich war das Wählerverhalten an den drei beteiligten Schulen in der Gemeinde Ganderkesee. Einzige Gemeinsamkeit: Bei den Erststimmen hängte SPD-Kandidatin Susanne Mittag ihre CDU-Kontrahentin, die frühere niedersächsische Landwirtschaftsministerin Astrid Grotelüschen, klar ab. Christoph Bauer, Politiklehrer am Gymnasium Ganderkesee, erkannte den Praxisbezug der Schülerwahl an: „Viele fanden es spannend, zum ersten Mal einen Wahlzettel zu sehen.“

Das gute Abschneiden der Piraten und der Grünen kam für die Schülerinnen und Schüler des Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasiums in Ahlhorn nicht überraschend. „Diese Parteien sprechen wohl eher die jungen Wähler an“, sagte Politiklehrer Niko Goll. 14,6 Prozent der Zweitstimmen gaben die Gymnasiasten für die Piraten ab. Ein Spitzenergebnis von 31,9 Prozent der Erststimmen fuhr Grünen-Bundestagskandidat Dragos Pancescu beim Wildeshauser Gymnasium ein. Die Partei kam dort auf 20,7 Prozent der Stimmen und landete hinter CDU (31,9 Prozent) und SPD (26,7 Prozent) auf Rang drei.

Intensiv die Zeitung mit den Schülerwahl-Ergebnissen studiert haben am Montag auch die Schüler der 10b Hauptschule in Zetel (Kreis Friesland). An der Haupt- und Realschule haben sich 218 Jugendliche an der Wahl beteiligt. „Wir haben einen guten Einblick bekommen, wie die Erwachsenen wählen. Das war ganz interessant“, sagte Hauke Boltes (16) aus Zetel.

„Wir haben mit 360 Schülerinnen und Schülern der Jahrgänge 8 bis 10 am Wahlprojekt teilgenommen. Für die 9. Klassen passt das Thema optimal. Für die Achtklässler war es ein harter Einstieg in die politische Wirklichkeit. Die Zehntklässler sind Wiederholungstäter. Sie waren schon bei der Landtagswahl dabei“, berichtete Werner Oeltjen, Politik-Lehrer am Jade-Gymnasium. Er hatte schon am frühen Morgen in der Zeitung die Ergebnisse der Schülerwahl studiert. „Die Ergebnisse im gesamten Oldenburger Land sind gar nicht so überraschend. Sie lassen sich durchaus übertragen – auch wenn die Piraten bei den Schülern ein wenig zu stark abschneiden“, sagt der Fachlehrer, der die Schülerwahl am Gymnasium Jade bereits zum 2. Mal koordiniert.

Aktion gefällt Schülern

Vier Schulen mit knapp 1000 Schülern beteiligten sich im Ammerland. „Die Aktion hat den Schülern sehr gut gefallen“, sagte Johannes Lucas, Lehrer am Gymnasium Bad Zwischenahn. An den Berufsbildenden Schulen in Rostrup koordinierte Stephanie Brockhoff die Wahl. Dort haben sich 32 Schüler beteiligt. „Die geringe Anzahl hat sich natürlich auf das prozentuale Ergebnis ausgewirkt“, sagte sie. In Rostrup lagen die Linken mit 21,9 Prozent an der Spitze, gefolgt von den Piraten mit 18,8 Prozent.

Politisches Interesse

In Nordenham und Rodenkirchen im Landkreis Wesermarsch beteiligten sich insgesamt vier Schulen mit 870 Schülern an dem Projekt. 113 gültige Erst- und 114 gültige Zweitstimmen wurden an der Haupt- und Realschule (HRS) Brake abgegeben. „Die Klasse ist politisch sehr interessiert“, sagte Politiklehrer Werner Steigerwald. „Für uns ist besonders die Bildungspolitik der einzelnen Parteien wichtig, aber auch das Thema Arbeit“, betonte Florian Peters (15). „Ich finde das Ergebnis interessant, besonders wie die Mitschüler gewählt und was für Interessen sie haben“, ergänzte Bekir Yapici (16).

In der Soeste-Schule in Barßel etwa gaben 66,7 Prozent der 27 Schüler, die an der Wahl teilgenommen hatten, Franz-Josef Holzenkamp (CDU) ihre Stimme. Lehrer Uwe Kunze lobte: „Die Schüler haben sich zum ersten Mal mit dem Thema beschäftigt.“

Rasmus Braun, Schulleiter der Heinrich-von-Oytha-Schule in Altenoythe, ist von den Ergebnissen an seiner Schule „nicht überrascht“. Das gute CDU-Abschneiden sei „typisch für Südoldenburg“. Ebenso war das Ergebnis an der Cloppenburger Oberschule Pingel Anton ausgefallen. Vier Klassen waren stimmberechtigt, auch hier hatte die CDU die Nase vorne.


Ein Spezial im Internet unter   www.nwzonline.de/schuelerwahl 

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17.09.2013
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