Unterwegs In Myanmars Norden:
Abseits ausgetretener Pfade

Touristen, Handys und Geldautomaten sind derzeit in Myanmar auf dem Vormarsch. Der Wandel in dem Land geht rasend schnell. Im weniger bekannten Norden erwarten Urlauber atemberaubende Zugfahrten und spektakuläre Landschaften.

Lashio/Pyin Oo Lwin Mönche und Nonnen in weißen Kutten sowie Familien flanieren zwischen Seen, Fontänen und exotischen Blüten zum Musikpavillon. Die Band spielt „Chiquitita“ in der Birma-Version. „Ich weiß noch nicht lange, dass der wunderbare Song von der schwedischen Band Abba und im Original englisch ist“, sagt die Sängerin später.

Sie singt im Kandawgyi Garten am Rande von Pyin Oo Lwin, früher Garnisonsstadt und Sommerfrische der britischen Kolonialmacht. Der Ort liegt über 1000 Meter hoch und 70 Kilometer nordöstlich der Pagodenstadt Mandalay. Vor dem Eingang des großen Parks warten bunt bemalte Pferdekutschen auf Kunden. Die Einheimischen sind zurückhaltend und freundlich. Wer von ihnen ein bisschen Englisch kann, versucht vorsichtig, mit den ausländischen Besuchern ins Gespräch zu kommen.

Der Reformprozess in Myanmar, dem früheren Birma, brachte einen Touristenansturm, Hotelinvestitionen, Popmusik und Internetcafés ins Land. Das zeigt sich etwa in der Bagan-Ebene im Osten: Auch viele Mönche benutzen zwischen Gebet und Meditation ihr Smartphone. Und nahe der bekanntesten der vielen hundert Tempel und anderen Sakralbauten treten sich bei grandiosen Sonnenauf- und -untergängen Besucher aus aller Welt auf die Füße.

Nach dem klaren Wahlsieg von Friedensnobelpreisträgerin Aung San Suu Kyi und ihrer Partei im November 2015 glauben die meisten Einheimischen, dass sich der positive Wandel beschleunigt. Von den Touristen profitieren auch viele Ziele abseits vom Trampelpfad wie der Nordosten Myanmars. Neben Globetrottern treten heute auch organisierte Gruppen die Bummelfahrt auf Schienen an, die von Mandalay ins Shan-Hochland über Pyin Oo Lwin, Nawn Peng, Kyauk Me, Hispaw nach Lashio führt.

Für die aufregenden 290 Kilometer über Brücken und Schluchten, durch Tunnel und Gebirge braucht der Zug mehr als 15 Stunden. Höhepunkt ist die Überquerung des Gokteik-Viadukts aus dem Jahr 1900, dessen Stahlkonstruktion schon von weitem in der Sonne glitzert. Reisende lehnen sich aus den Fenstern, machen Fotos und Videos. Lok und Wagen rumpeln quietschend im Schritttempo über das etwa 800 Meter lange Bauwerk hoch über dem Tal.

Der Bahnhofschef von Nawn Peng ist zur Mittagszeit aufgeregt und glücklich. „Der Zug hat nur eine Stunde Verspätung. Er kommt gleich“, sagt der Mann und eilt zu Gleis und Wartenden. Auch er weiß nicht, wie sein Dorf genau auf Englisch heißt. Nawn Peng laut Fahrplan oder Naung Peng, wie an der Polizeistation steht, oder doch Noung Peng? Egal. Die blau-rote Diesellok mit sieben Waggons fährt ein.

Männer schleppen Kisten, Frauen verkaufen Früchte, Schulkinder winken. Das kleine Nawn Peng mit vielen Holzhäusern, ein paar Tempeln, Brunnen, Ochsen und Feldern ist wohl der unbedeutendste Halt an der Strecke. Wer auf einen Zug wartet, sollte nicht die Geduld verlieren und bei der freundlichen Familie im urigen Bahnhofs-Kramladen einkehren. Oder er kann umsteigen auf Pferdefuhrwerk, Motorrad-, Routen-Taxi oder Bus.

Früher undenkbar, heute kein Problem: stressfreies Trekking zum Beispiel bei Hsipaw zu abgelegenen Bergdörfern der Palaung und Shan. Mister Maung spricht ordentliches Englisch. „Die Gäste hier haben Interesse an unserer Natur und Kultur und bringen Jobs“, sagt der Führer. Die Wanderung führt vorbei an Feldern mit hölzernen Phallussymbolen, die eine gute Ernte bescheren sollen, an Bambus, über 200 Jahre alten Bäumen und traditionellen Stelzenhäusern.

Wo Hotels und Pensionen fehlen, quartieren sich Touristen bei Familien ein. In der Stadt Lashio mit bunten Märkten und zahlreichen chinesischen Bewohnern kündigt sich der große Nachbar an. Bald dürfte die Bus- oder Autofahrt für Ausländer über die Grenze nach China kein Abenteuer mehr sein.

Info-Kasten: Myanmar

Anreise: Die meisten Touristen fliegen über Bangkok nach Mandalay. Bei der Einreise ist ein Visum Pflicht. Es ist über die Botschaft erhältlich und im Internet für 50 US-Dollar. Für einige entlegene Regionen können noch staatliche Genehmigungen erforderlich sein.

Reisezeit: Als beste Reisezeit gelten die trockenen, weniger heißen Monate von November bis Februar. Die heiße Trockenzeit dauert von März bis Mai. In Mandalay steigen die Temperaturen dann auf bis zu 38 Grad. In den Bergen ist es kühler, in Lashio im Dezember bis zu 24 Grad. Die Regenzeit geht von Juni bis Oktober.

Währung: Für 1 Euro gibt es 1391 Kyat (Stand: Januar 2016). Viele Banken akzeptieren außer US-Dollar auch Euro. Kreditkarten werden in besseren Hotels und Restaurants akzeptiert, oft mit 3 bis 5 Prozent Aufschlag. Die Zentralbank will den US-Dollar als Touristenwährung ablösen - Geldautomaten gaben zum Jahreswechsel nur Kyat aus. Doch viele Veranstalter, Restaurants und Taxis nehmen weiter Dollar an.

Informationen: Fremdenverkehrsamt Myanmar c/o Indochina Services, Steinerstrasse 15A, 81369 München, (Tel.: 089/219 098 660, E-Mail: info@is-eu.com), Botschaft Myanmar, Thielallee 19, 14195 Berlin (Tel.: 030/206 15 70, E-Mail: info@botschaft-myanmar.de).

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27.01.2016
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