Neue Zielgruppe Anlocken:
Las Vegas goes China

Las Vegas wirbt verstärkt um reiche Touristen aus China. Zwei neue Asia-Casinos sollen Besucher aus dem Reich der Mitte in die Glücksspielstadt locken. Die Betreiber hoffen auf eine riesige neue Zielgruppe.

Las Vegas Besucher aus Fernost sollen sich hier so richtig wohl fühlen: Zwischen den Spieltischen und -automaten wird chinesisches Essen serviert, chinesischsprachige Mitarbeiter kümmern sich um die Gäste, und das beliebte Kartenspiel Baccara ist auch im Angebot. Zwei neue Casino-Hotels in Las Vegas richten sich künftig gezielt an chinesische und chinesisch-amerikanische Touristen: Wie die Betreiber hofft die ganze Stadt zusammen mit asiatischen Investoren auf einen lukrativen neuen Markt.

„Chinesen schätzen es sehr, wenn man ihnen ein chinesisches Erlebnis bietet“, sagt der Glückspielexperte Alex Bumazhny von der Ratingagentur Fitch. „Sie fühlen sich zu chinesischen Vergnügungen hingezogen.“

Zwar gehören Besucher aus China seit Jahrzehnten zum Straßenbild von „Sin City“. Doch spezielle Angebote für sie fristen bisher eher ein Nischendasein mit Asia-Abteilungen in Spielbanken des MGM Grand, des Wynn und des Venetian. Doch nun sind erstmals Nonstop-Flüge von Festlandchina nach Las Vegas vorgesehen, was bei Investoren Hoffnung auf einen neuen Reiseboom weckt.

Die beiden geplanten Hotels gehören zu den ersten Neueröffnungen sei dem Ende der Rezession. Das „Lucky Dragon“ („Glücksdrache“) soll im Herbst die ersten Gäste aufnehmen. Der Betreiber Resorts World Las Vegas will Ende des Jahres mit dem Bau eines zweiten Asia-Casinos beginnen. Für die Verhältnisse der Stadt wird das „Lucky Dragon“ etwas abseits des Casino-Boulevards Strip relativ bescheidene Ausmaße haben mit einer Größe von etwa 12 000 Quadratmetern. Es wird über 200 Hotelzimmer und eine Spielbank-Etage von 2500 Quadratmetern verfügen.

Zielgruppen sind hier nach Angaben der Geschäftsführer vor allem die wachsende chinesisch-amerikanische Bevölkerung sowie in den ethnischen Enklaven von US-Städten lebende Chinesen. Daneben setzt das „Lucky Dragon“ aber auch auf Stammtouristen der Glitzerstadt wie Wochenendausflügler aus Kalifornien oder Besucher aus dem Pazifischen Nordwesten und von der US-Ostküste.

Die großen Resorts seien ausschließlich auf die „Spitzen-Oberklasse“ unter den chinesischen Spielern aus, sagt „Lucky-Dragon“-CEO Dave Jacoby. Alle anderen blieben nur pseudo-asiatische Angebote, die für „weiße Amerikaner“ konzipiert seien. In diese Marktlücke wolle das neue Hotel vorstoßen.

Träger des Projekts ist das Privatunternehmen Las Vegas Economic Impact Regional Center, das Geld stammt von chinesischen Investoren. Da Las Vegas in China einen guten Ruf habe, sei es nicht schwierig gewesen, Geldgeber zu finden, erklärt Jacoby.

Die neue Resorts World am nördlichen Ende des Strip könnte bei ihrer für März 2019 geplanten Eröffnung von einem chinesischen Tourismusboom profitieren. Das vier Milliarden Dollar (3,6 Milliarden Euro) teure Casino ist bereits seit 2013 in Planung und sollte ursprünglich schon dieses Jahr öffnen. Auf einem mehr als 350 000 Quadratmeter großen Areal sind 3100 Zimmer, eine Glücksspielfläche von mehr als 9000 Quadratmetern sowie Restaurants und Geschäfte vorgesehen. Pläne für ein Kongresszentrum, ein Panda-Gehege und ein Theater mit 4000 Plätzen wurden für die erste Bauphase auf Eis gelegt.

Hinter dem Projekt steht die in Malaysia ansässige Genting Group, die Hotels und Spielcasinos auf der ganzen Welt besitzt. Das Unternehmen baut auf die Bekanntheit der Marke unter Chinesen, wie der Chefsyndikus des Casinos, Gerald Gardner, sagt. Man hoffe darauf, dass künftig noch mehr chinesische Touristen nach Las Vegas reisen.

Die anstehenden Veränderungen im Luftverkehr könnten dazu beitragen. Die chinesische Airline Hainan kündigte Anfang August an, sich um eine endgültige Genehmigung der USA für Nonstop-Flüge zwischen Las Vegas und Peking zu bemühen. Die Verbindung soll im Dezember aufgenommen werden und drei Flüge pro Woche umfassen. Die einzigen anderen Direktflüge mit Asien bietet Korean Air aus Seoul an.

Bisher kommen nach Angaben des Tourismusbüros nur 16 Prozent aller Las-Vegas-Besucher aus dem Ausland. Im vergangenen Jahr verzeichnete die Stadt eine Rekordzahl von 42 Millionen Touristen. Von den internationalen Gästen kommen die meisten aus Kanada, Mexiko und Großbritannien, doch auch Chinesen machen einen großen Teil aus.

Nach Ansicht des US-Geschäftsführers von Hainan, Joel Chusid, werden wegen der bislang fehlenden Direktflüge nicht alle Las-Vegas-Besucher aus China erfasst. Viele von ihnen kämen über andere Drehkreuze wie Los Angeles, Seattle oder Chicago in die USA und reisten dann von dort aus weiter nach Nevada. „Der Markt ist da“, sagt Chusid. „Er wurde nur noch nicht voll erschlossen.“

Die Tourismusbehörden hoffen ebenfalls darauf, dass die neuen Nonstop-Flüge viele Chinesen in die Region bringen werden - und damit auch zu anderen beliebten Sehenswürdigkeiten wie den Grand Canyon, Lake Tahoe und Death Valley. „Die Wachstumsmöglichkeiten sind einfach riesig“, sagt Bethany Drysdale, Sprecherin des Tourismusverbands von Nevada. „Sie sind riesig für Las Vegas, und da Las Vegas das Tor zum Rest des Staates ist, sind sie auch riesig für Nevada.“

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03.09.2016
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