Seeleute an Bord – Sehleute an Land
Sail Mieses Wetter kann Besuchern die Laune nicht verderben
Stolze Seglerschönheit vor nüchterner Hafenkulisse: Die Sail in Bremerhaven hat auch in optischen Gegensätzen ihren besonderen Reiz. BILD: Heiner Otto 
Bremrhaven - Grauer Himmel, Nieselregen – vom Spätsommer keine Spur. „Echtes maritimes Ambiente“, sagt ein alter Seebär und beißt ins Matjes-Brötchen. Wettergott Petrus meint es nicht gut mit der „Sail“. Was soll‘s. Der Ansturm auf das Windjammerfestival steigt quasi im Minutentakt. Mit jedem Bus, der die Touristen vom P+R-Parkplatz im Fischereihafen ins „Sail“-Dorf karrt.
236 Schiffe liegen im Alten und Neuen Hafen, im Fischereihafen und umzu. „Das ist ein neuer Rekord“, sagen die Veranstalter. Die großen Windjammer sind die Publikumslieblinge. Schon am Vormittag herrscht Hochbetrieb an Bord der – despektierlich ausgedrückt – „Exoten“. Die „Kri Dewaruci“ aus Indonesien zählt dazu. Und die „Shabab Oman“ mit ihren arabischen Schriftzeichen, das Schulschiff der königlichen Marine des Sultanats und zugleich eines der schönsten und größten aus Holz gebauten Segelschiffe der Welt – 52,40 Meter lang, 8,50 Meter breit, 811 Quadratmeter Segelfläche.
Die Gangway der „Iskra“ ist derweil geschlossen. „Crew only“, heißt es. Trotzdem hat sich eine Besuchertraube vor der Barkentine mit Heimathafen Danzig gebildet, auf der Offziersanwärter der polnischen Marine geschult werden. Acht Matrosen hängen in den Wanten. Unten wird an den Segeln gezupft. Von oben hallen Kommandos herunter. „Das ist bestimmt ganz schön wacklig da oben“, sagt ein robuster Mittfünfziger in unverkennbar sächsischem Idiom.
Auf der „Gorch Fock“ wird just die Glocke geläutet. Mittagszeit? „Nö, irgend so ein Bordmanöver.“ Für das Segelschulschiff der Deutschen Marine ist die Bremerhavener „Sail“ die erste Station einer langen Ausbildungsreise. Die weiße Dreimastbark mit ihren 23 Segeln nimmt mit 229 Besatzungsmitgliedern Kurs auf Südamerika.
So viel Schiffe, so viele Geschichten. Einige „Sail“-Besucher verlieren jedoch nicht den Blick fürs Wesentliche. Die Damen-Kegeltruppe aus Ostholstein beispielsweise ist beim Anblick der jungen Männer in den schmucken Uniformen ganz hin und weg. „Schlank, knackig, und kein Bierbauch – das ist doch was.“ Und schon wird der portugiesische Viermaster „Santa Maria Manuela“ anvisiert.
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