Inklusion:
Koalition verschiebt die Schulreform

Förderschulen Sprache sollen

erst 2015/16 abgeschafft werden

Rot/Grün will nach Protesten eine längere Übergangsfrist. Kritik kam von Opposition und Sozialverbänden.

Hannover Überraschende Wende in der Bildungspolitik: Die rot-grüne Koalition hat beschlossen, dass die Reform des Schulgesetzes erst zum Schuljahr 2015/16 in Kraft treten soll. Das betrifft vor allem die Inklusion. Die Förderschulen Sprache sollen erst ab dem Schuljahr 2015/2016 schrittweise in das allgemeinbildende Schulsystem integriert werden. Ursprünglich hatte die Koalition das Schuljahr 2014/2015 angepeilt.

„In diesem Themenbereich, wie in vielen weiteren, sehen die Koalitionsfraktionen einen erheblichen Nachsteuerungsbedarf“, erklärte der SPD-Landtagsabgeordnete Claus-Peter Poppe am Freitag in Hannover. „Wir haben die Sorgen der Eltern, Lehrer und Schüler verstanden und geben deshalb ein Jahr mehr Zeit für den Beginn der Überführung. „Mit dem vereinbarten Zeitplan haben alle beteiligten Schulen Planungssicherheit“, meinte die Grünen-Schulpolitikerin Ina Korter (Nordenham).

Hintergrund für die Verschiebung sind offenbar die Proteste von Eltern und Lehrern gegen die geplante Abschaffung der Förderschulen mit den Schwerpunkten Lernen und Sprache. Eine Internet-Petition gegen die Auflösungen haben bereits 33 000 Menschen unterzeichnet. Im Landkreis Oldenburg protestierte auch die Grünen gegen die Auflösung der Sprachheilschule in Neerstedt und stellten sich damit gegen die eigene Landtagsfraktion, die die Inklusion vorantreibt.

Heftige Kritik kam von der Opposition. „Die rot-grüne Koalition hat sich heute festgelegt, den massiven Protesten von Eltern und Lehrern aus den Förderschulen nicht nachzugeben und die Förderschulen mit den Schwerpunkten Lernen sowie Sprache abzuschaffen“, kritisierte CDU-Generalsekretär Ulf Thiele (Uplengen). Rot/Grün mache damit einen schweren Fehler. „Damit verlängert Rot/Grün die Unsicherheit an den Schulen um ein weiteres Jahr und beweist wieder einmal, dass ihnen nicht klar ist, was an den Schulen im Land los ist“, erklärte der FDP-Schulpolitiker Björn Försterling.

Der SPD-Abgeordnete Jürgen Krogmann (Oldenburg) begrüßte die Verschiebung. Man habe nun mehr Zeit für den Dialog. „Bei den Sprachheilklassen hat sich gezeigt, dass es da viele Ängste gibt“, sagte Krogmann dieser Zeitung. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) in Niedersachsen erklärte, er habe kein Verständnis für die Entscheidung. SoVD-Landeschef Adolf Bauer (Westerstede) forderte eine zügige Umsetzung der Inklusion.

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Koalition verschiebt die Schulreform
Rot/Grün will nach Protesten eine längere Übergangsfrist. Kritik kam von Opposition und Sozialverbänden.
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09.11.2013
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