Reaktion Auf Nwz-Berichte:
Land verschärft Kampf gegen Antibiotika-Einsatz

Landwirtschaftsminister Christian Meyer stockt die zuständige Behörde in Oldenburg auf. 25 zusätzliche Prüfer sollen den gefährlichen Antibiotika-Einsatz in der Tiermast um 50 Prozent verringern. Auch der Wasserverband reagiert auf alarmierende Berichte.

Oldenburg 25 eigens eingestellte Prüfer des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sollen dafür sorgen, dass künftig weniger Antibiotika in der Tiermast eingesetzt werden. Das kündigte der niedersächsische Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) am Donnerstag im Gespräch mit der NWZ  an. Die Prüfer, überwiegend Tierärzte, sollen im Lauf des kommenden Jahres ihre Arbeit aufnehmen. Ziel sei es, den Antibiotika-Einsatz innerhalb von fünf Jahren um 50 Prozent zu reduzieren. Insgesamt werden bei der Oldenburger Behörde 45 neue Stellen geschaffen.

Meyer reagierte damit auf einen Bericht der NWZ , wonach die Zahl der Infektionen mit multiresistenten Erregern deutlich zugenommen hat. Vor allem im Nordwesten Niedersachsens, dem Zentrum der Ernährungsindustrie, gab es in den vergangenen drei Jahren Zuwächse von teilweise mehr als 200 Prozent.

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Die neuen Kontrolleure sollen die 10 000 Betriebe mit dem höchsten Antibiotika-Verbrauch unter die Lupe nehmen, so Meyer. Bei etwa 1000 Tiermästern pro Jahr seien Prüfungen auch vor Ort geplant. „Betrieben, die wiederholt auffällig werden, drohen Strafen bis zur vorübergehenden Schließung des Stalls.“

Landvolk-Präsident Werner Hilse warnte in der NWZ  vor einem „Pauschalverdacht gegen die Landwirte“. Man brauche eine „fachliche Diskussion“ über den Antibiotikaeinsatz in der Tiermast, keine „populistische“.

Der Oldenburgisch-Ostfriesische Wasserverband (OOWV) kündigte an, ab 2015 das Grundwasser flächendeckend in allen Wasserschutzgebieten auf Antibiotika zu testen. Hintergrund ist der Fund von Antibiotika-Rückständen im Landkreis Cloppenburg. Laboruntersuchungen hätten „eindeutig die Herkunft aus der Tiermedizin belegt“, sagte OOWV-Bereichschef Egon Harms der NWZ .

Leserkommentare

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  MichaelReins 21.11.2014, 15:16:28
Das man jetzt in erster Linie der Landwirtschaft den Schwarzen Peter zuschieben will, war mir irgendwie schon klar. Dabei muß man doch nur nachlesen, was unser Trinkwasser angeht und wie es aufbereitet wird. Und schon stößt man auf etwas, was einem schnell sauer aufstoßen wird, denn man kann das Wasser zwar Filtern, aber Rückstände von Medikamenten bleiben im Wasser; ob man will oder nicht. Da liegt die Quelle des Übels, denn dem Menschen hat man über Jahrzehnte bei jedem Zipperlein gerne mal schnell Antibiotika verschrieben und gut war das. Dadurch haben natürlich nach und nach auch immer mehr Medikamentenrückstände im Trinkwasser, das man eben nicht entfernen kann oder vielmehr noch nichts entwicklet hat, um diese Stoffe aus dem Wasser heraus zu bekommen.
Also haben wir auch über JahrzehnteTag für Tag Antibiotika (und Hormone) zu uns genommen, wenn auch nur in niedrigen Dosen, und haben dem Körpper damit ganz sicher nichts gutes getan. Eine Resistenz mußte doch irgendwann die Folge sein; aber es wird auch ganz vergessen, das sich in den Krankenhäusern die Situation ganz anders anbietet; dort nämlich kann man gar nicht das gesamte Krankenhaus steril halten, ein Ding der Unmöglichkeit.
Oder müssen Besucher sich vor dem Besuch von ihrer Kleidung trennen, in eine Schleuse um dekontaminiert zu werden um dann sterile KH-Kleidung zu bekommen?
Und genau da liegt der Denkfehler in den KH, denn jeder Besucher schleppt förmlich ganze Kolonien mit ins Krankenhaus und verteilt sie. Das man jetzt natürlich die Landwirtschaft als Verursacher ausmachen will, ist m.E. schon recht dreist.
Unsere Lebensmittel - wie eben auch das Trinkwasser - sind zwangsläufig mit diesen Medikamenten durchsetzt und das mußte natürlich dazu führen, das der Mensch als Ende der Nahrungskette die Quittung dafür bekommen würde.
Mehr Kontrolleure bringen auch nichtdie Lösung, denn bei so vielen betreiben kann sich jeder selbst ausrechnen, wie oft man wohl kontrolliert werden wird - alle 6 Jahre vielleicht mal und das war es dann. Und in der Zwischenzeit?
Es müssen hier aber nicht nur die Betriebe geprüft werden die die Tiere züchten, sondern man muß regelmäßig die Schlachthöfe prüfen und alles sofort vernichten, wenn auch nur ein Tier Medikamente im Blut hat. Da werden dann die Schlachthöfe selbst aufpassen, das sie nicht noch einmal einen solchen Verlust bekommen werden.

Vorübergehende Schließung als Sanktion ist im übrigens lächerlich und nutzlos. Richtig oder gar nicht.

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Lars Laue

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