An Tagen wie diesen
Bis zum Halbfinale der Fußball-EM waren für mich zu Recht Stolz und Freude zu spüren über das Spiel und die Erfolge unserer Mannschaft! Beim gemeinsamen Fernsehen oder Public Viewing kamen sich Menschen näher und erlebten eine Verbundenheit und ein positives Gemeinschaftsgefühl.
Viele waren glücklich und stolz, ohne andere auszugrenzen. „An Tagen wie diesen wünscht man sich Unendlichkeit“, heißt es in einem Lied der Toten Hosen. Dann kam das jähe Aus gegen Italien! So war die Enttäuschung bei vielen groß.
Alles hat seine Zeit, lesen wir im Buch Kohelet in der Bibel. Jeder Moment ist einzigartig. Wir können nichts festhalten. Es bleibt nichts, wie es war.
Das macht mir wieder bewusst, wie kostbar freudige, unbeschwerte Momente sind, und wie schnell sich alles ändern kann. Wir können solche Momente dankbar genießen. Wir können sie aber leider nicht festhalten.
Eine tolle Erfahrung haben viele beim gemeinsamen Zittern und Feiern während der EM trotzdem gemacht.
Wir sind in etwas Größerem aufgehoben als nur in unserem kleinen Ich-Gefängnis. Das verbindet uns über alle Nationen und Kulturen hinaus.
So hat die EM viele Menschen und Kulturen einander nähergebracht.
Als Christen glauben wir, dass diese Erfahrung etwas mit Gott zu tun hat. Er will uns die Tür zu anderen Menschen und zu mehr Leben öffnen. Und bei freudigen Gemeinschaftserlebnissen bekommen wir einen Vorgeschmack davon.
An Tagen wie diesen spüren wir, dass unser Leben mehr ist als nur Arbeit, Sorgen und Terminhetze. An Tagen wie diesen spüren wir etwas von Unendlichkeit!
Leider ist es hier auf Erden nicht von Dauer.
Werner Bieberstein ist Pastoralreferent der kath. Kirchengemeinde St. Willehad Oldenburg
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