NORDENHAM, 21. Juni 2011


Was Herrn Schmidt das Quietschen des Spargels verrät

Gemüsetester Kontrolleur untersucht Lebensmittel auf Nordenhamer Wochenmarkt – Kaum Klagen


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Druck-Test: Karl-Heinz Schmidt überprüft auf dem Wochenmarkt in Nordenham BILDer: Julia Lißewski  Bild vergrößern

Der 61-Jährige ist regelmäßig unterwegs. Sein vorrangiges Ziel ist es, die Verbraucher zu schützen.

von Julia Lißewski

Nordenham - Es quietscht und quietscht und quietscht – ein Geräusch wie das Kratzen von Fingernägeln auf einer Tafel. Aber in den Ohren von Karl-Heinz Schmidt klingt es wie Musik. Denn quietschen muss er, der Spargel, um den amtlichen Lebensmittelkontrolleur von seiner Frische zu überzeugen.

Der 61-Jährige ist wieder einmal auf dem Wochenmarkt in Nordenham unterwegs, um im Auftrag des Zweckverbandes Veterinäramt JadeWeser Lebensmittel auf ihre Vermarktbarkeit hin zu untersuchen. „Das passiert hauptsächlich zum Schutz der Verbraucher“, sagt der Nordenhamer.


Mit Daumen und Nase
Heute ist der Spargel dran, denn es ist ja Spargel-Saison. Mit seinem roten Klemmbrett, Blankoformularen, Stift und einer Plastiktüte bewaffnet (für den Fall, dass die Spargelstangen nicht seinen optischen und akustischen Test bestehen), tritt Schmidt nach einer kleinen Proberunde über den Markt an den ersten Stand heran. Inhaberin Waltraud Brüling kennt ihn schon. „Na, Herr Schmidt, mal wieder unterwegs?“ Sie lächelt ihn an, er lächelt zurück. Dann schreitet er zur Tat.

„Der Spargel muss viele verschiedene Kriterien erfüllen“, erklärt Schmidt. Er greift eine Stange aus einem der vielen nebeneinander aufgereihten Plastikbehälter des Marktstandes und drückt als erstes auf den Kopf. „Kein übermäßiger Flüssigkeitsausschuss. Das ist gut. Es bedeutet, der Spargel lag nicht über Nacht im Wasser“, so Schmidt. Der Spargel wird nämlich nach Kilopreis verkauft. Und welcher Kunde möchte schon das Wasser mitbezahlen?

Der zweite Blick geht an die Schnittstelle, „die muss immer glatt sein.“ Dort drückt er auch mit dem Daumen hinein. So kann Schmidt testen, ob der Spargel knackig genug ist. Danach kontrolliert der 61-Jährige noch, ob der Kopf geschlossen ist, der Spargel gespalten oder hohl ist und ob äußerliche Schäden wie Druckstellen, Schädlings- oder Schimmelbefall vorliegen. Abschließend zieht er die Stange unter seiner Nase durch, „der Geruch darf nicht säuerlich sein“.


Eingeteilt in Handelsklassen
Am Stand von Waltraud Brüling, wo mehrere Mitarbeiterinnen unablässig dabei sind, den Spargel abzuwiegen, in Tüten zu verpacken und an die Kundschaft zu verkaufen, ist alles in Ordnung. Ob der Spargel quietscht, muss Schmidt hier nicht testen – das ist nicht zu überhören. „Manchmal kann man das nicht mehr ertragen“, sagt die Marktfrau, die schon seit über 45 Jahren im Geschäft ist.

Die Beschriftung ihres Spargels, in Fachkreisen nennt man das die Vermarktungsnorm, ist auch in Ordnung. „Angegeben werden müssen der Preis, die Herkunft und die Farbe. Es gibt weißen, violetten, violett-grünen und grünen Spargel“, erklärt der Kontrolleur und rückt seine Brille zurecht. Dann müssen auch noch die Handelsklassen Extra, Eins und Zwei angegeben sein. Sie bezeichnen den Durchmesser und die Länge der Stangen.

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Heute keine Probe
Waltraud Brüling hat alles richtig gemacht. „Ich finde es gut, dass diese Kontrollen durchgeführt werden. Das schützt uns und den Verbraucher“, sagt die Marktfrau und wiegt eine Portion für den nächsten Kunden ab. Daran, dass der Spargel auch wie angegeben aus Dringenburg (Landkreis Ammerland) kommt, hat Lebensmittelkontrolleur Schmidt keinen Zweifel. „Ich kenne den Hof. Außerdem würde ich es dem Spargel äußerlich ansehen.“ Deshalb verzichtet er auch auf eine Probenmitnahme.

Dass die Herkunft absichtlich falsch beschriftet wird, komme heute fast gar nicht mehr vor, sagt Schmidt. „Die Standinhaber wissen mittlerweile, dass wir das rauskriegen.“ Natürlich habe es schon schwarze Schafe gegeben, die günstigen Spargel im Ausland eingekauft und als deutschen Spargel weiterverkauft haben. „Es heißt zwar nicht unbedingt, dass ausländischer Spargel schlechter ist als deutscher, aber der Verkäufer verschafft sich dadurch einen unrechtmäßigen wirtschaftlichen Vorteil“, so Schmidt. „Die Herstellung ist im Ausland aufgrund des Klimas und der Böden einfach günstiger.“


Untersuchung im Laves
Wer in Niedersachsen Spargel kauft, bekommt also niedersächsischen Spargel – das bestätigt Hiltrud Schrandt, Sprecherin des Niedersächsischen Landesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Oldenburg (Laves). Dorthin würde Schmidt seine Proben zur Untersuchung schicken, wenn es etwas zu meckern gäbe. Zur Überprüfung wird dann die Isotopenanalyse angewandt. „Damit kann man einen genetischen Fingerabdrucks des Spargels erstellen“, erklärt Schrandt. „Es ist festzustellen, bei welchen Klima- und Bodenverhältnissen der Spargel gewachsen ist.“

Sie sagt: „Im Jahr 2010 haben wir 72 Proben, unter anderem auch aus Restaurants und dem Einzelhandel, überprüft. Es gab keine Beanstandungen.“ Im Jahr 2009 gab es zwei Beanstandungen bei insgesamt 142 Proben. „Die kamen aber nicht aus Niedersachsen“, räumt die Sprecherin ein. „In Niedersachsen kann man sich also sicher sein, beim Spargel das zu bekommen, was draufsteht. Die Ergebnisse sind hervorragend.“

Dass das Herkunftsland falsch angegeben wurde, hat Lebensmittelkontrolleur Karl-Heinz Schmidt noch nicht selbst erlebt. Allgemein findet er sowieso eher selten beim Spargel etwas zu beanstanden. „Das ist ein unkompliziertes Lebensmittel. Nicht so wie Fleisch oder Fisch.“

Eine Sache hatte er aber trotzdem neulich beobachtet: „Die Standinhaber hatten jede Menge Spargel gelagert und waren mit Wassersprühflaschen am Gange. Die wollten dem trockenen Gemüse etwas Frische verleihen“, erzählt Schmidt. Auf Nachfrage hatten die Händler aber beteuert, dass der Spargel für die Tonne gedacht sei.


Spargel-Saison endet
Am nächsten Stand, dem Schmidt einen Besuch abstattet, arbeitet der Verkäufer Hubert Richter. Der trägt eine rote Schürze und scheint Anfangs etwas aufgeregt zu sein. „Ich weiß noch nicht, was auf mich zukommt“, sagt Richter. Der Lebensmittelkontrolleur ist hier noch nicht bekannt. Deshalb stellt sich Schmidt auch erst einmal vor und zückt seinen grünen Ausweis. Im Gespräch nimmt er die Daten des Verkaufsstandes auf. Das alles passiert in einem freundschaftlichen Ton. Hubert Richters anfängliche Aufgeregtheit legt sich dann auch schnell, als Schmidt mit seiner Routinekontrolle beginnt. Denn auch hier zeichnet sich ein gutes Ende ab. Mit dem Spargel stimmt alles, vom Aussehen bis hin zum Quietschen.

Schmidt lässt seinen Plastikbeutel für heute bei den Akten, die Blankoformulare hat er auch nicht gebraucht. „Es waren keine Auffälligkeiten festzustellen“, fasst er zusammen. Für diesen Tag ist der Rundgang abgeschlossen. Viel Spargel wird Schmidt in diesem Jahr aber auch nicht mehr kontrollieren müssen, da die Saison am 24. Juni endet. Und dann hat auch das Quietschen erstmal Pause.






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