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BVB vs. S04: Aus Freunden werden Rivalen

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BVB vs. S04: Aus Freunden werden Rivalen

DORTMUND Die Geschichte der „Mutter aller Fußballspiele“ im Revier beginnt mit einem 4:2. Der FC Schalke besiegt Borussia Dortmund im Mai 1925 – und niemand wundert sich. Der BVB krebst zu dieser Zeit in der „Kreisklasse Dortmund-Herne“ herum, Schalke ist der dominierende Westverein und wird neun Jahre später erstmals deutscher Meister. Auf dem Rückweg von Berlin stoppt die Bahn 35 Kilometer vor Gelsenkirchen. In offenen Autos fahren die Schalker durch die Dortmunder Innenstadt, werden von einer Menschenmenge umjubelt und tragen sich als erste Fußballmannschaft ins Goldene Buch der Stadt ein. „Es herrschte eine tiefe Sympathie zwischen beiden Clubs“, sagt der ehemalige BVB-Sprecher und jetzige Archivar, Gerd Kolbe.

Tiefe Sympathie? Eine Änderung trat in den 60er-Jahren ein. Anfangs war es bissig: Wie am 6. September 1969, als Hansi Pirkner Schalke in Dortmund 1:0 in Führung schoss, und die Dortmunder Ordner sich gegen die jubelnden Gästefans nicht anders zu helfen wussten, als die Hunde einzusetzen. Statt aber die Fans zurückzudrängen, bissen die Vierbeiner Schalkes Spieler Friedel Rausch und Gerd Neuser. Später wurde das Verhältnis gar feindselig.

Jetzt, vor der 137. Auflage des Klassikers an diesem Freitag (20.30 Uhr), ist die Abneigung so groß, dass die Fans nicht einmal den Namen des Gegners aussprechen: Die Schalker nennen den BVB „Lüdenscheid-Nord“, Schwarz-Gelb kontert mit „Herne-West“. „Es gab natürlich eine Konkurrenzsituation zwischen den Clubs. Aber erst in den 70er-Jahren begann sich die Fan-Szene zu radikalisieren“, sagt Kolbe.

Dabei hatten die Vereine in Freundschaftszeiten fest zusammengehalten. Zum Beispiel zwischen 1934 und 1943, als Schalke einen Austragungsort für seine Vorrundenspiele um die Meisterschaft suchte und das Dortmunder Stadion Rote Erde fand. „Der BVB hat dann für Schalke die Spiele organisiert“, so Kolbe.

Oder Anfang der 30er-Jahre, als Borussia ohne Erfolg und Trainer dastand. „Da wurde Stürmer August Lenz – der erste BVB-Nationalspieler – vom Club beauftragt, mit den Schalkern zu reden, mit denen er sich angefreundet hatte. Er sollte sie fragen, wie man endlich wieder erstklassig werden könnte.“ Ergebnis: Erst Schalke-Idol Ernst Kuzorra und dann sein Schwager und Ex-Schalke-Stürmer Fritz Thelen übernahmen die Dortmunder Trainerbank und führten den BVB in die erste Liga, die damals Gauliga Westfalen hieß. „Schalke war also der Steigbügelhalter für den Aufstieg des BVB.“ Im November 1943 gab es dann nach vielen „Packungen“ den ersten Sieg über den Rivalen – Lenz schoss das 1:0-Siegtor.

Einst spielte die Borussia sogar in den selben Farben wie Schalke – erst 1913 wechselte die Trikotfarbe von blau-weiß zu schwarz-gelb. Geblieben ist über die Jahre die Vorfreude auf die beiden Duelle pro Jahr: „Die Derbys sind das Schönste, was es gibt“, sagt BVB-Nationalspieler Kevin Großkreutz. Schon deshalb wünscht man sich zwar viel Böses – aber auf keinen Fall den Abstieg: „Die Blauen bleiben drin“, sagt Großkreutz. „Ich möchte zweimal im Jahr dieses Derby spielen.“

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