Gesunder Geist in fittem Körper
KONGRESS Forscher sagen der Zukunft Faszinierendes und Beunruhigendes voraus
VON BJÖRN LANGE
Oldenburg - Glaubt man den Zukunftsforschern namhafter Unternehmen, ist die Zukunft viel näher als man meint. Bei einer Fachtagung präsentieren sie derzeit in Oldenburg, der „Stadt der Wissenschaft 2009“, ihre Theorien. Faszinierend, aber mitunter auch beunruhigend wirken die Ideen der Referenten.
Eine zentrale These der Tagung ist, dass „elektronische Assistenten“ in den kommenden Jahren zunehmend das Leben verändern werden. Elektronische Assistenten – das sind Geräte, die ihrem Nutzer das Leben leichter machen sollen. So könnte zum Beispiel das Handy den Weg zu den gewünschten Produkten im Supermarkt weisen oder eine TV-Fernbedienung ohne Tasten dem Zuschauer mit Hilfe intelligenter Software immer das gewünschte Programm zeigen.
Fortschrittlich und zukunftweisend, meinen die einen. Von einer „multioptionalen Orientierungslosigkeit“ oder „Angebotsanarchie“ sprechen die anderen. Befürworter und Kritiker stehen sich insbesondere auch beim Thema „Functional Food“ gegenüber, also Nahrungsmitteln mit Zusatzfunktionen, die die menschliche Haut straffen oder den Konsumenten insgesamt fitter machen sollen.
Die Befürworter der „funktionalen Nahrung“ argumentieren, dass Menschen bereits seit Jahrtausenden versuchen, ihren Körper zu optimieren. Beim Frisör, beim Schönheitschirurgen, beim Sport oder mit dem EnergieDrink. Das Ziel: Der Körper soll weniger anfällig und das Gehirn leistungsfähiger werden. Eine Untersuchung des Bundesministeriums für Ernährung prognostiziert, dass schon im Jahr 2015 die Hälfte aller Lebensmittel „Functional Food“ sein wird.
Die Medizinierung des Essens ist ein Milliardengeschäft, wissen die Experten. Längst arbeitet die Lebensmittelindustrie an Bier, das angeblich jünger macht, und an Joghurt, der die Gehirnleistung steigern soll. Und zwar durch Zugabe von Medikamenten, die zurzeit Demenzkranken helfen.
Was in Deutschland noch diskutiert wird, wird in den USA bereits praktiziert. Eine aktuelle Studie zeigt, dass etwa 25 Prozent der amerikanischen College-Studenten Medikamente zur Leistungssteigerung des Gehirns nehmen. Norbert Hingst, Unternehmensentwickler des Oldenburger Klinikums, sieht diese Entwicklung mit Sorge: „Aus medizinischer Sicht ist es bedenklich, weil Zusatzstoffe zugeführt werden, die der Körper nicht braucht.“
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