OLDENBURG, 24. Oktober 2009


Tiere lieben einen Rauschebart

THEATERSOLO „Herr Darwin“ in der Kulturetage – Viel Applaus


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Freund aller Tiere: Herr Darwin alias Uwe Bergeest macht die Natur zum Wissenschaftsfeld. PROBENBILD: JÖRG HEMMEN Bild vergrößern

UWE BERGEEST GLÄNZTE IN DER ROLLE DES CHARLES DARWIN. MARK SPITZAUER FÜHRTE REGIE.

VON RABEA SPIRALKE

Oldenburg - Was hat Charles Robert Darwin mit einem heruntergekommenen, verrückten, alkoholabhängigen Obdachlosen zu tun, der sein ganzes Hab und Gut in ein paar Tüten herumträgt, wild auf Tiere schießt und dann von der Polizei verhört wird? Eine ganze Menge, wie das Theatersolo „Herr Darwin“ von Mark Spitzauer am Premierenabend zeigte. Am Donnerstag fiel der Vorhang für die dritte und letzte Produktion des Theater K für die Stadt der Wissenschaft.

Uwe Bergeest brillierte in der Rolle des Charles Darwin, gekleidet in verschlissenem Mantel, roter Wollmütze und mit langem, zerzauselten Bart. Während des ca. 70-minütigen Solos erzählte Darwin viel: Von der Entstehung des Menschen aus den Primaten („Zum Affen machen“), besonders viel von Finken („Wer nicht schießt, wird nicht treffen, und wer nicht trifft, kann nicht wissen“), von Gott („Ist Gott stärker als die Wissenschaft?“), von seinen Büchern und insbesondere auch von Amerika („Yes We Can-skis“). Auch der Ost-West-Konflikt wird von Schildkröte George auf den Galapagos-Inseln auf die Schippe genommen.

Bergeest zeigt auf der Bühne der Kulturetage die ganze Breite seines Könnens: Mimik und Gestik ziehen den Zuschauer in den Bann. Hochkonzentriert füllt er die Rolle des tänzelnden, singenden, traurigen und nachdenklichen Darwins. Wichtig auch: „Kapitän Fitzroy“, der „britannische Admiralsarsch“, der Darwin dank seines hohen Promillegehalts hilft, sich in sein eigenes Delirium zu flüchten. In diesen Schnaps-träumen reist er nach Galapagos oder Brasilien.

Die Szenerie wechselt immer wieder: Mal sitzt Darwin im Verhörraum, dann ist er auf Reisen, mutiert zum Affen, wieder zum Menschen und macht sich schließlich mit dem Ghettoblaster im Arm auf nach Amerika.

Doch auch die ernsten, kritischen Gedanken des Agnostikers kommen an: Mit Aussagen wie „Wir sind die Krone der Schöpfung – so ein Unsinn“ oder „Was mir Angst macht, ist mein Tod und der Tod meiner Überlegungen“ endet das Stück und lässt den Zuschauer mit den eigenen, mit vielen Informationen gefütterten Gedanken zurück.

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