VECHTA, 16. August 2011


„Schwarze Zeit ist zu Ende“

Stoppelmarkt Erstmals darf mit Jürgen Trittin ein Grünen-Politiker Festrede halten


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Mit Interesse erwartet: Jürgen Trittin (rechts), Festredner beim traditionellen Stoppelmarktmontagsempfang der Stadt Vechta in „Kühling’s Niedersachsenhalle“ BILD: Christoph Floren  Bild vergrößern

Im Vorfeld hatte es Kritik wegen der Einladung an den Grünen-Bundestagsfraktionschef gegeben. Dieser erntete für seinen kämpferischen Auftritt neben Beifall auch Pfiffe.

von Christoph Kiefer

Vechta - Hat Vechtas Bürgermeister den Spitzenmann der Grünen aus enttäuschter Liebe eingeladen? Legte Uwe Bartels seiner Stadt mit Trittin ein Kuckucksei ins Nest, weil niemand den 65-jährigen Rathauschef gebeten hatte, wenigstens für eine Übergangszeit nochmals zu kandidieren? Oder war es „Dankbarkeit gegenüber den Grünen“, die mit ihrer Bioenergie-Politik den Landwirten gezeigt haben, „wie man aus Scheiße Geld macht“?

Die Erklärungen – halb spaßhaft, halb ernsthaft – waren weither geholt, um das Ereignis („die schwarze Zeit ist zu Ende“) zu erklären. Noch niemals in der Geschichte des Markts, wie Trittin stolz ausführte, hatte ein Politiker der Grünen Gelegenheit, beim traditionellen Frühschoppen zu den mehr als 1000 geladenen Gästen zu sprechen.




Politische Angriffe
Trittin nutzte diese Chance für eine halbe Stunde nicht nur, um seinen Ruf als guter Rhetoriker zu festigen. Er präsentierte sich auch als Staatsmann, der sein Image als provokanter Sturkopf abschütteln will. An Angriffen gegen den politischen Gegner sparte er deswegen nicht. Trittin hielt eine über weite Teile parteipolitische Rede mit scharfen Attacken. Die schwarz-gelbe Landesregierung sei überfällig. Die Vorwürfe gegen die Doktorarbeit von Kultusminister Althusmann boten ebenso Angriffspunkte wie Umweltminister Heinrich Sander, der vor einigen Jahren mit dem Einsatz einer Kettensäge in einem Naturschutzgebiet Schlagzeilen gemacht hatte. Verunglückt war Trittins Ministerpräsidenten-Schelte: Wenn „ein Schwuler in Münster Schützenkönig“ werde, könne David McAllister als Hauptmann mit zwei Staatsangehörigkeiten die Feuerwehr von Bederkesa führen. Dass er die niedersächsische Kommunalwahl vom 11. auf den 5. September vordatierte, fiel nicht nur Kommunalpolitikern auf. Obwohl Trittin die Berliner Koalition nach Kräften kritisierte („Traumkoalition oder Gurkentruppe?“) , waren Anspielungen auf eine mögliche Partnerschaft mit der CDU unüberhörbar. In Bayern sei ein ganzer CSU-Ortsvorstand übergetreten. „Ich habe mich darauf vorbereitet“, flachste Trittin. Seine Mitarbeiter hätten genügend Beitrittsformulare zur Hand.


„Freigabe des Hanf-Anbaus“
Beifall erntete Trittin immer dort, wo er humorvoll erzählte oder sich selbst auf die Schippe nahm. Es gebe guten Grund, den Göttinger Bundestagsabgeordneten einzuladen, da ja eine Außenstelle der Uni Göttingen in Vechta liege. Heute gebe es keine Gülle mehr, nur noch „Substrat“; „das haben Sie den Grünen zu verdanken“. Trittins Botschaft lautete: Deutschland wird von Grünen regiert. Formal hätten CDU und FDP die Macht, doch die Politik sei die der Grünen: Atomausstieg und Schulreform seien ihre klassischen Positionen. Jetzt stehe noch die alte Forderung von Hans-Christian Ströbele aus – die Legalisierung des Hanf-Anbaus.

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