Bad Zwischenahn: Sandsäcke sichern „Insel Welsum“
Sturmtief Hoher Wasserstand und Wellengang bedrohen „Seehotel Fährhaus“
von Markus Minten
Bad Zwischenahn - Land unter droht dem Kurort zwar nicht. Einzelnen, direkt am Meer lebende Hausbesitzer steht das Wasser aber buchstäblich bis zum Hals. Donnerstagabend rückte die Freiwillige Feuerwehr aus, um den unter dem Wasserspiegel liegenden Frühstücksraum des „Seehotel Fährhaus“ mit Sandsäcken gegen die Wellen abzusichern.
Der höchste Pegelstand seit mehr als 20 Jahren im Zwischenahner Meer lässt aber nicht nur die Anrainer mit Sorge auf das Wasser und in den Himmel blicken. Auch Richard Eckhoff betrachtet die Situation genau: „Ich bin seit 23 Jahren dabei. Einen so hohen Pegelstand hatten wir seitdem nicht“, sagt der Geschäftsführer der Ammerländer Wasseracht. 5,67 Meter zeigte der offizielle Pegel am Kurpark Freitagnachmittag. Anfang der Woche seien es noch 5,53 Meter gewesen.
Noch mehr Sorge bereitet Eckhoff allerdings, dass der Pegel nicht fällt, obwohl mehr Wasser aus dem Meer abfließt, als nach dem Wasserwirtschaftsplan eigentlich vorgesehen ist. Über die Aue liefen derzeit rund sechs Kubikmeter pro Sekunde ab, vorgesehen seien maximal vier. Technisch möglich wären zwar acht Kubikmeter, dann allerdings könnte es flussabwärts zu erheblichen Hochwasserproblemen kommen. Erst Mittwoch sei die Klappe des Auewehrs noch einmal um zehn Zentimeter abgesenkt worden, der Abfluss somit erhöht worden. Und dennoch sei das Meer um zwei Zentimter gestiegen.
Anhaltender Regen
Das Problem seien die anhaltenden und heftigen Regenfälle der vergangenen Wochen, so Eckhoff. 201 Millimeter im Dezember und allein in den ersten fünf Januartagen weitere 65 Millimeter entsprächen rund einem Drittel der durchschnittlichen Jahresniederschlagsmenge. „Der Boden ist derart gesättigt, dass nahezu alles Wasser, das auf den Boden trifft, zum Abfluss kommt.“ Um die Vorfluter nicht zusätzlich zu belasten, habe die Wasseracht die landwirtschaftlichen Schöpfwerke weitgehend abgestellt. Derzeit helfe vor allem noch eins, so Eckhoff: „Daumen drücken, dass nicht noch mehr Regen kommt.“
„Wellen wie in Nordsee“
Zu einem, so der stellvertretende Ortsbrandmeister Martin Schreiber, „sehr zeitaufwendigen und Kräfte zehrenden Einsatz“ wurde die Freiwillige Feuerwehr Bad Zwischenahn Donnerstagabend gerufen. Am „Seehotel Fährhaus“ drohten der hohe Wasserstand und der Wellengang in den unter dem Wasserspiegel gelegenen Frühstücksraum zu laufen. Eigentümer Hans-Georg Brinkmeyer blieb keine andere Wahl, als die Feuerwehr zu rufen. „Das war richtig knapp“, so der Hotelier. „Die Wellen sahen aus wie in der Nordsee.“ So hoch gestanden habe das Wasser seit vielen Jahren nicht. „Vor 20, 25 Jahren, als wir das Wehr noch nicht hatten, haben wir jedes Jahr Sandsäcke geschleppt. Gott sei dank, gibt es die Feuerwehr.“
Ortsbrandmeister Kai Brandt hatte schnell alle Kräfte alarmiert, um das Gebäude mit Sandsäcken zu sichern. Der Sand wurde innerhalb kürzester Zeit vom Notdienst des Bauhofes zur Verfügung gestellt, die Sandsäcke holte die Feuerwehr aus der Technischen Zentrale in Elmendorf.
Im Ufergarten wurden die Säcke abgefüllt und mittels langer Kette auf die Rückseite des Hotels geschafft. „Dort haben wir einen Sandsackwall in unmittelbarer Nähe vor dem Gebäude aufgeschichtet“, berichtet Schreiber. Insgesamt wurden knapp 200 Sandsäcke befüllt und verbaut. Bis 23 Uhr waren 30 Feuerwehrleute im Einsatz. Insgesamt waren die ehrenamtlichen Helfer am Donnerstag – mit kurzen Unterbrechungen – somit zwischen 13.30 und 23 Uhr gefordert.
@ Mehr zum Orkantief „Andrea“ unter http://www.NWZonline.de/sturm
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