Oldenburg: Zeugen erkennen Angeklagten nicht wieder
Taxifahrer-Mord Gericht befasst sich mit Beobachtungen am Tattag – Tödlicher Messerstich ins Herz
Oldenburg - Der Täter stach nur ein einziges Mal zu – für Erhard P. war dieser Stich tödlich. Der 58-jährige Taxifahrer hatte keine Chance. „Das ist eine Verletzung, die man nicht überleben kann“, sagte der Rechtsmediziner Dr. Klaus-Peter Larsch am Mittwoch vor dem Landgericht.
Im Fall des erstochenen Taxifahrers befragte das Gericht am zweiten Prozesstag nicht nur den Rechtsmediziner, sondern auch mehrere Zeugen, die am Tattag Erhard P. und seinen letzten Fahrgast gesehen hatten. Den wegen Mordes angeklagten Micky M. aus Lemwerder (Kreis Wesermarsch) konnte allerdings keiner der Zeugen zweifelsfrei als Fahrgast identifizieren.
Auf dem „Weg zur Schwimmenden Insel“ neben der Elsflether Straße hatte eine Spaziergängerin am 25. September gegen 16.20 Uhr das Auto mit dem toten Taxifahrer entdeckt. Die 33-Jährige sagte in der Verhandlung: „Das Taxi stand mit laufendem Motor, das Licht war an und die Beifahrertür geöffnet.“ Der kurze Zeit später eintreffende Notarzt konnte nur noch den Tod des hinter dem Lenkrad zusammengesunkenen Erhard P. feststellen. „Auf dem Schoß des Mannes lag ein Messer“, schilderte der 34-jährige Mediziner seine Erinnerungen.
Kurz nach 15 Uhr hatte ein Ehepaar aus Schwanewede beobachtet, wie das Taxi auf den „Weg zur Schwimmenden Insel“ fuhr und anhielt. Als sich die beiden Spaziergänger dem Auto näherten, sei deren Hund durch die offene Beifahrertür ins Taxi gesprungen. Der 40-jährige Hundebesitzer holte sein Tier eiligst aus dem Wagen, dabei stand er neben dem ausgestiegenen Beifahrer. „Sein Gesicht war von mir weggedreht. Der junge Mann telefonierte in einer ausländischen Sprache“, sagte der Zeuge. Auf Nachfrage meinte er, dass es auch Plattdeutsch gewesen sein könnte. Nach Aussage des 40-Jährigen trug der Beifahrer einen roten Kapuzenpulli. Als ihm vom Richter das in Tatortnähe gefundene rote Sweatshirt mit den Spuren von Micky M. gezeigt wurde, meinte er: „Das könnte es gewesen sein.“
Einen Mann in roter Kleidung will auch eine 31-jährige Landwirtin gegen 15.20 Uhr neben dem Taxi gesehen haben. Weil sie mit ihrem Auto nicht vorbeifahren konnte, habe sie den Fahrer gebeten, ein Stück weiterzufahren. Das habe dieser auch getan. Den Beifahrer bezeichnete sie aufgrund seines kindlichen Aussehens als „Babyface“. „Mir kam es vor, als ob ich jemanden ertappt hätte“, sagte die Frau, die zunächst ein Liebespärchen vermutet habe.
Der Angeklagte mied jeglichen Blickkontakt mit den Zeugen. Während der Verhandlung starrte er mit gesenktem Kopf vor sich hin.
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