Liebeskummer macht Micky M. zu schaffen
Taxifahrermord Freundin und Schwester des Angeklagten sagen im Gericht aus
von Rainer Dehmer
Oldenburg - Liebeskummer und Versagensängste haben Micky M. in den Wochen vor den ihm zu Last gelegten Messerangriffen auf Taxifahrer offenbar massiv belastet. Weil er anscheinend nicht mehr weiter wusste, wollte er sich im Spätsommer 2009 das Leben nehmen. Das berichteten am Donnerstag vor dem Landgericht die Freundin (21) und die Schwester (29) des wegen Mordes angeklagten 20-Jährigen aus Lemwerder (Kreis Wesermarsch). Sie bezogen sich auf einen handschriftlich verfassten Abschiedsbrief.
Trennung und Versöhnung
Nach Schilderung der 21-Jährigen war die Beziehung zwischen M. und ihr mit Höhen und Tiefen verbunden. Es habe Trennungen und Versöhnungen gegeben. Die Situation verschärfte sich, als die junge Frau im August 2009 eine Ausbildung zur Verkäuferin begann. „Wir haben uns oft gestritten. Micky wollte immer zu Hause bleiben, aber ich wollte damals lieber feiern gehen“, sagte sie.
Mit Geschenken, für die er sich zum Teil Geld lieh, habe er versucht, seine Freundin zurückzugewinnen. Zum Bruch sei es wenige Tage vor den Messerangriffen gekommen, als die Freundin in Verdacht geraten war, Schmuck von M.’s Mutter gestohlen zu haben. Erst im Gefängnis hat sich das Paar wieder versöhnt.
Probleme in der Schule
Die Schwester des Angeklagten berichtete, dass ihr Bruder auch Probleme in seinem Ausbildungsbetrieb hatte. „Die haben ihn wie einen Sklaven behandelt“, so die 29-Jährige. Überdies musste Micky M. nach Aussage seines Berufsschullehrers (51) befürchten, an seiner Gesellenprüfung zu scheitern: „Er war kein Überflieger.“
Auf den Polizisten, der den 20-Jährigen nach seiner Festnahme verhörte, machte M. einen traurigen und depressiven Eindruck. „Er fühlte sich als Versager, weil er selten Lob von den Eltern bekam“, so der Oberkommissar (54). Seinen Angaben zufolge konnte der Angeklagte keine plausible Erklärung für seine Spuren an der Tatwaffe und der beim Tatort gefundenen Kleidung geben. Derweil möchte Verteidiger Rüdiger Bibow aber eine andere Spur verfolgt wissen. Aufklärungsbedarf sieht er bei einem anfangs in Verdacht geratenen Drogenabhängigen. Laut Polizei hat der Mann ein Alibi.
Urteil rechtskräftig
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- Der Verteidiger des Taxifahrer-Mörders aus dem Kreis Wesermarsch will Revision gegen die Jugendstrafe von zehn Jahren einlegen. „Wir machen das erstmal nur, um die Frist einzuhalten“, sagte der Anwalt Rüdiger Bibow am Dienstag.mehr
- Höchststrafe für den Messerstecher: Sechs Monate nach der tödlichen Attacke auf den Taxifahrer Erhard P. (58) an der Stadtgrenze und dem lebensgefährlichen Angriff auf eine Taxifahrerin (62) in Stuhr hat die Jugendkammer Micky M.mehr
- Wegen der Messerattacken auf zwei Taxifahrer ist ein 20-Jähriger am Donnerstag vom Landgericht Oldenburg zu zehn Jahren Jugendstrafe verurteilt worden. Das Gericht sah die Tatbestände des Mordes, der gefährlichen Körperverletzung und des schweren Raubes als erwiesen an.mehr
- – Der mutmaßliche Taxifahrer-Mörder Micky M. ist voll schuldfähig. Dieses Urteil traf die psychiatrische Sachverständige am Dienstag vor der Oldenburger Jugendkammer im Prozess gegen den 20-jährigen aus Lemwerder (Kreis Wesermarsch).mehr


