Raues Meer stoppt Suchtrupps
Seekatastrophe Fünftes deutsches Opfer identifiziert – Abpumparbeiten verschoben
Schlechtes Wetter mit schwerer See behindert die Arbeiten an der havarierten „Costa Concordia“. BILD: dpa 
von Hanns-Jochen Kaffsack
Rom - Mehr als zwei Wochen nach dem Schiffsunglück in Italien haben die Helfer ein fünftes Todesopfer aus Deutschland identifiziert. Es handelt sich um eine Frau aus Baden-Württemberg, wie das Landeskriminalamt am Sonntag bestätigte. Neben der Frau aus Baden-Württemberg sind bislang deutsche Opfer aus Bayern, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Hessen identifiziert. 16 Menschen, darunter sieben Deutsche, werden noch vermisst.
Am Sonnabend bargen Taucher aus dem Wrack der „Costa Concordia“ als 17. Opfer die Leiche einer Frau. Es handle sich um ein peruanisches Crewmitglied, teilten die Behörden mit. Sie trug die Borduniform, jedoch keine Schwimmweste. Die Suche nach weiteren Opfern wurde am Sonntag unterbrochen, weil sich das Schiff bewegte.
Schlechtes Wetter und raue See machten auch dem Öl-Bergungskommando an dem havarierten Schiff am Wochenende zu schaffen. Das Abpumpen, das eigentlich für Sonnabend vorgesehen war, musste verschoben werden. Die niederländische Firma Smit stellte die letzten Vorbereitungen für das Herausholen von 2300 Tonnen Treibstoff aus dem Kreuzfahrtschiff aus Sicherheitsgründen ein. Voraussichtlich bis Mittwoch werde man warten müssen, bevor das Abpumpen des gefährlichen Schweröls beginnen könne, hieß es am Sonntag. Nach dem Abpumpen soll das Schiff geborgen werden. Es abzutransportieren werde sieben bis zehn Monate dauern, erklärte Franco Gabrielli, Leiter des italienischen Krisenstabes.
Kontrollinstrumente hätten gezeigt, dass sich die „Costa Concordia“ innerhalb von sechs Stunden um vier Zentimeter in der Nacht zu Sonntag bewegt habe, teilte Gabrielli außerdem mit. Er hatte mehrfach betont, dass sich das 290 Meter lange Schiff zwar leicht bewege, es jedoch stabil auf einem Felsen liege. Auch die jüngste Bewegung sei nicht außergewöhnlich, das Schiff werde weiter ständig kontrolliert.
Die juristischen Aktivitäten wegen einer Entschädigung der Passagiere kommen voran. Die italienische Verbraucherorganisation Codacons teilte am Wochenende mit, in Miami (US-Bundesstaat Florida) gemeinsam mit zwei US-Kanzleien eine Sammelklage eingereicht zu haben. Für die ersten sechs dort vertretenen Passagiere gehe es um Entschädigungsforderungen von insgesamt 460 Millionen US-Dollar. Auch ausländische Passagiere der „Costa Concordia“ könnten sich der Sammelklage anschließen.
Codacons hatte die von der Reederei Costa Crociere angebotene Entschädigung von 11 000 Euro für unverletzte Passagiere als „Almosen“ abgetan. Ein Komitee geschädigter sizilianischer „Concordia“-Passagiere nannte die angebotene Summe „lächerlich“.
@ Ein Spezial: http://www.NWZonline.de/unglueck-costa-concordia
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