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Polizist Aus Vechta Auf Lesbos:
Dieser Auslandseinsatz geht tief unter die Haut

Vechta/Lesbos Es sind Erlebnisse, die ihn nachhaltig geprägt haben – Bilder, die ihn so schnell nicht mehr loslassen. Zwei Monate lang hat der Polizeibeamte Ulrich Suhr aus Vechta auf der griechischen Insel Lesbos hautnah mit Flüchtlingen gearbeitet – und dabei menschliche Tragödien, Leid und totale Erschöpfung, aber auch große Dankbarkeit, Herzlichkeit und vor allem Tapferkeit erlebt.

Der 53-jährige Kriminalhauptkommissar war vom 3. Januar bis zum 2. März als Fingerabdruck- und Screeningexperte auf der griechischen Insel in der nördlichen Ägäis im Einsatz. „Ich beschäftige mich schon lange sehr intensiv mit der Flüchtlingssituation. Ich wollte einfach helfen und mir vor Ort selbst ein Bild machen. Es war sehr eindrucksvoll und bewegend, welche Risiken und Gefahren die Flüchtlinge auf sich genommen haben, um den noch schlimmeren Kriegserfahrungen zu entkommen“, schildert Suhr, der sich für die Aufgabe beworben hatte.

Er war damit der erste niedersächsische Polizeibeamte überhaupt, der im Rahmen eines Auslandseinsatzes für Frontex (Europäische Agentur zur Organisation der kooperativen Überwachung der Außengrenzen der EU-Staaten) als Gastbeamter zur griechischen Küstenwache entsandt wurde. Normalerweise werden Bundespolizisten zu solchen Einsätzen herangezogen. Mit dem Ausland hat Suhr bereits Erfahrung. Für die UN war der 53-jährige Vechtaer bereits zweimal im Kosovo. Für die EU verbrachte er 18 Monate in Bosnien-Herzegowina, u.a. als Gastdozent für Kriminaltechnik.

Unter improvisierten Bedingungen waren Suhr und seine europäischen Polizeikollegen in dem Aufnahmelager auf Lesbos dafür zuständig, sogenannte „Gefährder“ zu identifizieren, gefälschte Reise- bzw. Personaldokumente zu erkennen sowie die Staatsangehörigkeit zu klären. Bedrohliche Situationen habe es nicht gegeben, so der 53-Jährige. Jeder „Ausweislose“ wurde einer genauen Überprüfung (Screening) mithilfe von landes-, orts- und fachkundigen Übersetzern unterzogen. Auffällige Personen und Ausweise wurden der griechischen Polizei zur weiteren Entscheidung übergeben. „Mit anfänglich eher fragwürdigem Erfolg“, kritisiert der Präventionsexperte.

Acht Stunden täglich – ohne große Pause – arbeitete der Vechtaer im Dreischichtdienst in dem aus Containern bestehenden Aufnahmelager. Die 1500 bis 2500 täglich ankommenden Flüchtlinge – mehrheitlich Syrer, die aus der Türkei per Boot übers Mittelmeer nach Lesbos kamen – stellten die Beamten vor große Herausforderungen. „Es war eine sehr kräftezehrende Arbeit. Wir wurden mit vielen menschlichen Tragödien konfrontiert. Insbesondere bei der Begegnung mit Überlebenden gesunkener Boote“, erzählt Suhr. „Trotz meiner fast 35-jährigen Erfahrung als Polizeibeamter waren es insbesondere diese Momente, die mir tief unter die Haut gingen.“ In einer Nachtschicht sei ihm eine syrische Mutter mit einem sechs- und siebenjährigen Kind begegnet, die bei der Überfahrt ihren Mann verloren hatte.

In langen Schlangen standen die Flüchtlinge in dem Containerdorf an, um zur Passkontrolle und Identifikationsstelle zu gelangen. „Mich hat es sehr beeindruckt, mit welcher Disziplin die Flüchtlinge und Migranten die oft stundenlange Prozedur des Wartens trotz der widrigsten Wetterbedingungen ohne Beschwerden ertragen haben“, betont der 53-Jährige. Schon ein Lächeln der Beamten habe den sehr dankbaren Flüchtlingen viel bedeutet.

Im Januar mussten die europäischen Gastbeamten bei ihrer Arbeit noch erhebliche logistische Defizite überwinden, berichtet Suhr. So stand beispielsweise das Computersystem anfangs nur in griechischer Sprache zur Verfügung. Doch im Februar konnten auch durch den Besuch von Delegationen und Kommissionen der EU sowie des niedersächsischen Innenministers Boris Pistorius und Landespolizeipräsidenten Uwe Binias viele Unwägbarkeiten verbessert werden.

„Ich würde es wieder machen. Für mich war es eine sehr interessante Erfahrung“, sagt Ulrich Suhr über seinen Frontex-Auslandseinsatz. „Ich bin davon überzeugt, dass wir in Deutschland und Europa den Flüchtlingsstrom meistern können, wenn wir konsequent handeln und eine Willkommenskultur leben, anstatt Probleme im politischen Diskurs zu zerreden.“

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