Kleiner Buchstabe erinnert an große Zeit
Fußball Matthias Alberding rettete 1998 in Donnerschwee das „f“ des alten VfB-Emblems
Souvenir: Matthias Alberding mit dem „f“ zurück in der“ – oder zumindest den Fragmenten, die vom Stadion übrig sind BILD: Helmerichs 
von Kevin Osterfeld
Oldenburg - „Es ist schon ein komisches Gefühl, jetzt hier mit dem ,f’ unter dem Arm über den Parkplatz zu laufen“, sagt Matthias Alberding, während er über das Areal marschiert, auf dem früher das Stadion an der Donnerschweer Straße stand. Einige Meter unter ihm befand sich Jahre lang das Spielfeld, auf dem sich die Fußballer des VfB Oldenburg viele heiße Duelle mit großen Gegnern lieferten, bevor der Verein 1992 die Heimspielstätte aufgeben musste. Als große Teile des Stadions Ende der 90er Jahre abgerissen wurden, sicherte sich Alberding ein ganz besonderes Souvenir für seine persönliche Schatzkiste: das „f“ des VfB-Emblems über dem Haupteingang.
„Hölle des Nordens“
Mehr als zehn Jahre, nachdem Alberding als „Mauerspecht“ aktiv war und den kleinen Buchstaben mit großer Geschichte vor dem Abrissbagger gerettet hat, ist er mit dem „f“ zurückgekehrt. „Dort war die Gegentribüne mit dem Haus dahinter – an dem hing eine VfB-Fahne, und Menschen sahen sich vom Fenster aus das Spiel an“, erinnert sich der heute 33-Jährige an seine Zeit in der „Hölle des Nordens“. So wurde der Hexenkessel, an dessen Stelle nun das Stadtteilzentrum Donnerschwee mit zahlreichen Discountmärkten steht, früher ehrfurchtsvoll von den Gegnern genannt.
Als kleiner Junge hatte Alberding, der in Oldenburg geboren wurde, aber seit 2009 auf Borkum lebt, im Jahr 1988 sein erstes VfB-Spiel live im Stadion gesehen. „Das war gegen den VfL Wolfsburg – das Spiel endete 1:1“, weiß er noch genau. „Ich bin immer durch den Haupteingang und dann hinüber zur Gegentribüne gegangen. Ich erinnere mich noch an die gute Stimmung und die tollen Fangesänge“, sagt Alberding. Er war Dauergast an der Donnerschweer Straße, „als sich unter Trainer Wolfgang Sidka der Erfolg einstellte – in der glorreichen Zeit des Aufstieges in die Zweite Bundesliga 1990“.
Hammer – Meißel – Säge
Nach dem Zweitliga-Saisonabschluss 1991 musste der VfB aufgrund finanzieller Schwierigkeiten die alte Heimat verkaufen und ins Marschwegstadion umziehen. Am Tag bevor im August 1998 die Abrissbagger anrollten, radelte Alberding nach Feierabend mit dem Fahrrad zum heruntergekommenen Stadion. „Es waren viele Fans da, die sich einen Backstein aus der alten Mauer als Erinnerungsstück an die erfolgreiche Zeit sicherten“, erzählt er: „Ich kletterte aufs Eingangstor, die Mauer mit dem darauf befestigten Schriftzug war umgestürzt. Ich habe mich gewundert, dass der Verein es nicht abmontiert hatte, bevor die Bagger anrückten.“
Nachdem er sich zu Hause mit Werkzeug ausgestattet hatte, fuhr Alberding mit seinem Bruder als Unterstützung im Auto der Eltern erneut an die Donnerschweer Straße und wollte das Emblem aus der Verankerung lösen. „Das ,V’ war schwer von der Halterung zu lösen – beim ,B’ war durch das Umstürzen der untere Bogen weggebrochen“, sagt Alberding und ergänzt: „Somit habe ich begonnen beim ,f’ mit Hammer und Meißel den Beton am untersten Ende der Befestigung abzuschlagen.“
Nach mehr als 30 Minuten, in denen vor allem auch kräftig mit der Eisensäge gewerkelt werden musste, war es vollbracht, zumindest ein Drittel des Emblems vor den Abrissbaggern gerettet.
Liebe zum VfB geblieben
Heute steht das Souvenir mit einem von Alberding selbst gebauten Fuß aus Beton im Wohnzimmer des 33-Jährigen auf Borkum. „Im Laufe der Zeit ist das ,f’ für mich alltäglich geworden. Erst als ein Freund aus Oldenburg zu Besuch kam und mich verwundert darauf ansprach, fiel mir die Geschichte wieder ein“, sagt Alberding, der als Bereichsleiter für Marketing und Events auf der ostfriesischen Insel arbeitet.
Seine Liebe zum VfB ist trotz der Entfernung immer noch da. In dieser Saison hat er sich zum Beispiel das Oberliga-Derby beim BV Cloppenburg angesehen. „Als ich zum Kramermarkt hier war“, erzählt Alberding, bevor er das „f“ in den Kofferraum seines Autos legt, an dessen Heckscheibe natürlich ein VfB-Logo klebt. Dann fährt er vom Parkplatz – mitten über die damalige Gegentribüne.
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