Handballerinnen werden zur Putzkolonne
Spielabbruch I Bundesligaspiel des VfL Oldenburg endet nach 14 Minuten – Spiegelglatter Hallenboden
Erfolglose Putzaktion: Mit vereinten Kräften versuchten die Oldenburger Spielerinnen – im Bild Angie Geschke (links) und Wiebke Kethorn –, den Bodenbelag in der EWE-Arena bespielbar zu machen. BILD: Thorsten Helmerichs 
von Otto-Ulrich Bals
Oldenburg - Ratlose Gesichter bei den Verantwortlichen, verärgerte Leistungssportler und eine hart durchgreifende Spielleitende Stelle: Nach den beiden Spielabbrüchen am Wochenende wurde die Oldenburger EWE-Arena von der Männer- wie Frauen-Bundesliga vorerst für den Spielbetrieb gesperrt.
Der spiegelglatte Hallenboden hatte weder am Sonnabend die ordnungsgemäße Durchführung der Zweitligapartie HSG Varel gegen den Wilhelmshavener HV noch am Sonntag die des Bundesligaspiels der Oldenburger Frauen gegen die SG Bietigheim zugelassen.
„Ich kann es beim besten Willen nicht sagen, wie dies passieren konnte“, erklärte Wilhelm Skyba, Technischer Leiter der Arena. „Wir werden umfangreiche Untersuchungen vornehmen – das ist doch klar.“ Offenbar sorgte ein aufgetragenes Reinigungsmittel für die ungewohnte Glätte auf dem Spielfeld.
Skyba und sein Team waren nach dem ersten Abbruch vom Sonnabendabend nicht untätig gewesen, hatten den Boden in der Nacht zum Sonntag intensiv nachgepflegt. Oldenburgs Trainer Leszek Krowicki selbst hatte den Belag auf seine Spieltauglichkeit am Sonntagmorgen nochmals überprüft.
Nach Aussage von Skyba wird die Halle seit 2005 in gleicher Form gereinigt. Probleme dieser Art waren bislang noch nicht aufgetreten.
Die Bundesliga-Saisonpremiere der Handballerinnen des VfL Oldenburg am Sonntagnachmittag vor 812 Zuschauern hatte keine 15 Minuten gedauert. Wegen Unbespielbarkeit des Bodens brachen die Schiedsrichter Nils Blümel und Jörg Loppaschewski die Partie gegen die SG Bietigheim nach nur 14 Minuten und drei Sekunden ab. Der glatte Untergrund ließ kein reguläres Handballspiel zu. Zu diesem Zeitpunkt führten die spielbestimmenden VfL-Frauen mit 8:4.
Die Begegnung war keine fünf Minuten alt, da war sie bereits für 17 Minuten unterbrochen worden. Aufgrund der hohen Rutschgefahr wurde der Kunststoffbelag in der EWE-Arena noch einmal vom Hallenpersonal wie auch mehrheitlich von den VfL-Frauen an den verschiedensten Stellen bearbeitet. Es half nichts: Der Untergrund blieb ein gesundheitlicher Risikofaktor für die Sportlerinnen, die immer wieder auf dem glatten Boden ausrutschten.
„Der Abbruch der Partie ist absolut vernünftig“, erklärte Peter Görgen, VfL-Bundesliga-Geschäftsführer. Während Oldenburgs Trainer Krowicki sich nun „eine sportliche Lösung“ wünscht – sprich ein Wiederholungsspiel –, könnte sich Kollege Hagen Gunzenhauser eine Wertung der Partie zu Gunsten der SG Bietigheim vorstellen.
Die Spielleitende Stelle der Frauen-Bundesliga HBF hat nun über die weiteren Konsequenzen zu entscheiden. Dabei ist die Wiederholung der Partie ebenso möglich wie die Wertung für Bietigheim. Dazu Spielleiterin Erika Petersen: „Ich werde den Bericht der Schiedsrichter abwarten. Danach kann ich erst entscheiden.“ In jedem Fall wurde die EWE-Arena von Petersen vorerst für den Bundesliga-Spielbetrieb gesperrt.
Nachdem bereits die VfL-Spielerinnen Sabrina Neuendorf, Angie Geschke und Lydia Jakubisova zu Spielbeginn ins Schleudern geraten waren, alarmierte die gefährliche Rutschpartie der Bietigheimerin Jenny Karolius die Schiris, die die Partie daraufhin endgültig abbrachen.
„Was hier passiert ist, ist eine Frechheit. Hier wurde fahrlässig mit unserer Gesundheit umgegangen“, meinte Angie Geschke, die wie ihre Mitspielerinnen vergeblich versucht hatten, mit einer Putzaktion noch zu retten, was zu retten war.
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