„Gehe ungern als Verliererin vom Platz“
Interview Angie Geschke fordert vom VfL am Sonntag gegen den Frankfurter HC Leistungssteigerung
Schrill und angriffslustig: Für die neuen Autogrammkarten der Handballerinnen des VfL Oldenburg brachte sich Angie Geschke (26) in „Kriegsbemalung“ BILD: Helmerichs 
von Otto-Ulrich Bals
FRAGE: Sie haben am 6. November 2011 zuletzt ein Heimspiel in der EWE-Arena bestritten. Wissen Sie überhaupt noch, wie die Halle aussieht?
ANGIE GESCHKE: (lacht ganz herzhaft) Ja, aus dem Fernsehen. Ich glaube, dort habe ich einmal ein Basketballspiel gesehen. Aber Sie haben recht: Die lange Unterbrechung kommt mir auch vor wie die alljährliche Sommerpause.
FRAGE: Und? Wissen Sie noch, gegen wen Ihr VfL vor fast drei Monaten zuletzt in Oldenburg gespielt hat?
GESCHKE: Eigentlich nicht. Trier?
FRAGE: Falsch geraten. Es war Blomberg-Lippe!
GESCHKE: Auch gut.
FRAGE: Gilt „Auch gut“ auch für den nächsten Gegner Frankfurter HC, wenn Sie mit Ihrer Mannschaft an diesem Sonntag endlich wieder einmal in der Oldenburger EWE-Arena spielen?
GESCHKE: Also ich bin ganz optimistisch, dass wir dieses Spiel gewinnen. Aber natürlich dürfen wir nicht hochnäsig an diese Aufgabe herangehen. Nach der Niederlage in Leipzig müssen wir jetzt in jedem Spiel um jeden Punkt fighten, wenn wir die Runde auf einem der ersten vier Plätze beenden wollen. Unser Ziel ist und bleibt das Erreichen der Playoff-Runde.
FRAGE: Was macht die Aufgabe gegen Frankfurt so brisant?
GESCHKE: Frankfurt und wir verfügen über den gleichen Punktestand. Da ist ein Sieg gegen einen Mitkonkurrenten um einen Playoff-Startplatz schon wichtig. Hinzu kommt, dass der FHC schwer einzuschätzen ist. Die Mannschaft ist vergleichbar mit unserer. Auch wir kämpfen immer wieder mit Leistungsschwankungen. Wenn alle Frankfurterinnen am Sonntag einen guten Tag erwischen, wird es also richtig schwer.
FRAGE: Sie haben zuletzt in der Handball-Bundesliga in Leipzig 25:28 verloren. Was nehmen Sie und Ihre Mannschaft aus dieser Partie mit für das Spiel gegen den FHC?
GESCHKE: Ich fand, wir haben in Leipzig gut gekämpft. Und auch unsere Deckung war in Ordnung. Das Angriffsspiel hat mir nicht gefallen. Unser Trainer Leszek Krowicki hatte es ja bereits gesagt: Wir waren zu unbeweglich, auch fehlte phasenweise der nötige Biss. Hier müssen wir uns alle fragen: Was können wir besser machen? Ich jedenfalls gehe nur ungern als Verliererin mit dem großen L auf der Stirn vom Platz. Und nur wenn wir die Fehler wirklich abstellen, kommen wir weiter – und können uns gegen Leipzig vielleicht noch einmal in den Playoffs revanchieren.
FRAGE: Der Blick ist nach vorne gerichtet. Gilt das auch für Ihre persönlichen Ambitionen, sprich: Können Sie sich bei weiter guten Leistungen eine Rückkehr in die deutsche Nationalmannschaft vorstellen?
GESCHKE: Also, noch habe ich keinen Anruf vom Bundestrainer erhalten. Aber klar: Es würde mich schon reizen, wieder für Deutschland zu spielen. Aber vorerst beschäftige ich mich nicht mit dem Gedanken. Mein Studium jedenfalls habe ich beendet, Zeit dazu hätte ich also.
FRAGE: Heißt das zugleich, dass Sie Ihre Zukunft in Oldenburg planen? Ihr Vertrag läuft am Saisonende aus.
GESCHKE: Ich würde schon gerne bleiben und mit unserem Trainer Leszek Krowicki, dem Verein und der Mannschaft weiter arbeiten. Aber dazu müssten halt einige Dinge besprochen werden. Aber nicht das, was Sie denken. Es geht nicht immer nur um das liebe Geld. Denn ich muss mich als Frau ja auch fragen, wo ich bleibe, wenn es mit dem Handball mal vorbei ist.
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