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Oldenburger Basketball-Legenden:
Die Mutter aller Baskets

Oldenburg In einer stickigen Turnhalle versammeln sich zehn junge Männer. Sie stecken in kurzen Hosen, die gerade so den Po bedecken. Platz für Zuschauer gibt es kaum, einige stehen im Geräteraum zwischen Sportutensilien, blicken an Turnstangen und Mattenwagen vorbei auf das Spielfeld. So ähnlich dürfte es ausgesehen haben, als vor 50 Jahren der Bundesliga-Basketball in Oldenburg seine ersten Schritte nahm. Der OTB zählte 1966/67 zu den 20 Gründungsmitgliedern der damals in Nord- und Südstaffel geteilten Liga.

Von der ersten Stunde an mit dabei war Klaus Kertscher. Der heute 69-Jährige spielte beim MTV Wolfenbüttel, als die Bundesliga noch in ihren Kinderschuhen steckte. Heute betreut Kertscher die schulische und berufliche Ausbildung des Nachwuchses der EWE Baskets Oldenburg. „Aus der Taufe gehoben wurde der Basketball in Oldenburg durch zwei 17-jährige Gymnasiasten. Gert Harms und Jost Möller brachten den Lederball aus der Schule in den Verein und gründeten 1954 beim OTB die erste Basketball-Abteilung der Stadt“, weiß der ehemalige Bundesliga-Spieler.

Zu dieser Zeit trat eine Figur auf, welche die Entwicklung des Oldenburger Basketballs auf Jahrzehnte hinaus prägen sollte: Hans-Dieter Niedlich, genannt „Nudel“. Der Sportstudent brachte sich – ohne dass es hier qualifizierte Trainer gab – den Sport autodidaktisch bei. „Sein Wissen hatte er lediglich aus Büchern aus der Bibliothek“, berichtet Kertscher. Niedlich war mit seiner schmächtigen Statur und einer Körpergröße von etwa 1,80 Metern nicht der typische Basketballer.

Trotzdem erlebten die Oldenburger, angeführt von dem späteren 56-maligen Nationalspieler, einen Quantensprung. Er führte das Team als Spielertrainer innerhalb von fünf Jahren in die deutsche Spitzenklasse. Nach Niedlichs Abgang nach Hamburg erlebte der OTB jedoch zunächst eine mehrjährige Durststrecke – verbunden mit dem Bundesliga-Abstieg 1971.

Erst fünf Jahre später ergab sich für den am Boden liegenden Oldenburger Basketball ein Glücksfall. „In Westerstede fand ein renommiertes Osterturnier statt, bei dem auch ein US-amerikanisches Team antrat. Dabei verliebte sich ein früherer NBA-Akteur, der in Deutschland spielte, in eine junge Oldenburgerin“, erinnert sich Kertscher. Der Geschäftsmann Gerold Lange bekam Wind davon und bot dem US-Amerikaner namens Ralph Ogden eine Lehrstelle in seinem Betrieb an.

Mit dem Ausnahmesportler ging es wieder bergauf. Jahrelang spielte der OTB, angeführt von Ogden und Holger Smit, an der Spitze der 2. Bundesliga. 1985 und 1987 gelang der Aufstieg in die höchste Spielklasse, allerdings stiegen die Oldenburger jeweils direkt wieder ab.

Den Grundstein für die aktuellen Erfolge legte erst die Kooperation mit der TSG Westerstede im Jahr 1995. Zwei Jahre lang trat die Mannschaft als BC Oldenburg/Westerstede an – und der Ammerländer Unternehmer Hermann Schüller, der zuvor selbst in der Bundesliga bei Bayern München gespielt hatte, stieß in die Vereinsführung vor.

„Das war wohl der wichtigste Schritt für den OTB. Schüller und Lange erkannten das nicht genutzte Potenzial und brachten den Verein in die Spur“, meint Kertscher. Angeführt von „den beiden Lichtgestalten“ gelang 2000 mit Spielern wie Pavel Becka und André Bade der erneute Aufstieg in die erste Bundesliga. Ein Jahr später stieg der Energiekonzern EWE als Haupt- und Namenssponsor ein und „katapultierte die Oldenburger damit in eine neue Dimension“, sagt Kertscher.

Statt in engen Turnhallen wurde fortan mit einem Millionenetat in hochmodernen Arenen gespielt. Mit dem deutschen Meistertitel 2009 und dem Gewinn des deutschen Pokals 2015 erreichten die EWE Baskets die vorläufigen Höhepunkte einer langen Basketball-Geschichte.

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