FRIESOYTHE, 3. Oktober 2009


Friesoyther Wissen in Europa gefragt

BIOGAS WESER-EMS Mehr als 150 Anlagen hat das Unternehmen bereits gebaut – Nachfrage hält an


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Seltener Einblick: Die Chefs von Biogas Weser-Ems, Johannes Gehlenborg (links) und Klaus Hanneken, zeigen das Modell vom Innenleben einer Biogasanlage. BILD: ULRIKE GERARDS Bild vergrößern

DIE NACHFRAGE NACH BIOGASANLAGEN IST UNGEBROCHEN. DAS UNTERNEHMEN STELLT NUN WEITERE MITARBEITER EIN.

VON ULRIKE GERARDS

Friesoythe - Diplom-Ingenieur Johannes Gehlenborg hebt die Augenbrauen, und seine Augen weiten sich vor Überraschung, als er vom Taschenrechner aufsieht: „Das ist eine ganze Menge!“ Durchschnittlich 45 000 Haushalte können mit Energie versorgt werden durch die mehr als 150 Biogasanlagen, die seine Firma Biogas Weser-Ems (Friesoythe) in den neun Jahren ihres Bestehens gebaut hat. Das überrascht selbst den Geschäftsführer.

Rasante Entwicklung

Dabei fing das Geschäft Mitte der 90er Jahre zunächst langsam an. Drei Landwirte wendeten sich an das Ingenieurbüro von Johannes Gehlenborg in Wardenburg, weil sie eine Biogas-Anlage bauen wollten. „Ich habe mich mal schlau gemacht und gesagt: Lasst mich die Planungen übernehmen“, erinnert sich Gehlenborg. Für die baulichen Fragen holte er sich Diplom-Ingenieur Klaus Hanneken ins Boot. Ab dem Jahr 2000 boomte der Bau von Biogas-Anlagen, und Klaus Hanneken und Johannes Gehlenborg gründeten die Firma Biogas Weser-Ems GmbH & Co. KG. Dass sie so früh im Geschäft waren, zahlt sich heute aus. „Wir gehören zu den fünf stärksten Betrieben in Deutschland“, sagt Johannes Gehlenborg.

Zur rasanten Entwicklung hat die Lage in der Region Weser-Ems beigetragen. Die großen Betriebe hatten damit begonnen, fetthaltige Reststoffe in Biogasanlagen zu entsorgen und in Energie umzuwandeln. Das so entsorgte Substrat gelangt als nährstoffreicher Dünger wieder auf den Acker. Mittlerweile werden meist nachwachsende Rohstoffe für die Energieproduktion verwendet. „Viele ältere Anlagen werden auf nachwachsende Rohstoffe umgestellt“, sagt Klaus Hanneken.

Biogas Weser-Ems beschäftigt mehr als 70 Mitarbeiter. „Und wir stellen gerade neue Mitarbeiter ein“, berichtet Gehlenborg. Das Wissen der Firma wird auch über Deutschlands Grenzen hinaus eingesetzt. Es gibt Kooperationen mit Werken in Polen, Italien, Spanien und Ungarn.

Das Unternehmen, das am Zeppelinring im Industriegebiet in Friesoythe angesiedelt ist, arbeitet mit zahlreichen Unternehmen der Region zusammen.

Diese Subunternehmer übernehmen Komponenten des Anlagenbaus wie zum Beispiel die Heizungstechnik, Elektrotechnik oder die Betonarbeiten. Die Teile werden direkt zur Baustelle angeliefert und montiert. Nach der Inbetriebnahme bietet das Unternehmen seinen Kunden einen umfassenden Service an, zu dem auch Wartungs- und Reparaturarbeiten sowie die technische und prozessbiologische Betreuung gehören.

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Die Auftragslage ist zurzeit sehr gut, allerdings macht sich die Wirtschaftskrise auch in der Biogas-Branche bemerkbar. „Die Banken werden immer vorsichtiger“, erklärt Klaus Hanneken. Daher wird die Finanzierung für viele Landwirte schwieriger. Darüber hinaus hakt es manchmal auch bei den Genehmigungen.

Politik ist gefragt

Aber Gehlenborg sieht für die Technik Biogas auch in Zukunft einen Markt. Allerdings muss dafür die Wärmenutzung verbessert werden. „Über 60 Prozent der Energie verpufft, wenn die Wärme nicht genutzt wird“, erklärt der Diplom-Ingenieur. Dabei sei wichtig, dass die Wärme auch von den Produzenten ins Netz eingespeist werde, um damit weitere Verbraucher zu versorgen. „Nur so entsteht eine Wertschöpfung“, sagt Gehlenborg.

Damit das gelingt, müsse die Aufbereitung des Gases vorangetrieben werden, und auch die Politik sei gefragt, findet Johannes Gehlenborg: „Wir brauchen ein Gas-Einspeisegesetz. Da reichen die bestehenden Gesetze nicht aus.“ Die Höhe der Vergütung für Strom ist bereits durch ein Gesetz (EEG) geregelt.

www.biogas-weser-ems.de




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