Olympia:
Segler hängt sich auch an Land voll rein

Oldenburger Tobias Schadewaldt gelingt Spagat zwischen beruflicher Karriere und Spitzensport

Der 28-Jährige hat den Olympia-Zyklus bis 2016 gestartet. Sein Arbeitstag beträgt inklusive Training derzeit 14 Stunden.

Oldenburg Der Schlips ist perfekt geknotet, das Hemd penibel gebügelt, und der dunkle Anzug passt wie angegossen. Zu dem adretten Geschäftsmann will einzig der sehr feste Händedruck so gar nicht passen. Dieser signalisiert sofort: Der Mann kann richtig zupacken.

Der selbstbewusste Griff gehört dem Oldenburger Segler Tobias Schadewaldt. Er ist gemeinsam mit seinem Vorschoter Hannes Baumann seit gut zwei Wochen die Num­mer 1 der Weltrangliste in der Bootsklasse 49er. „So mitten im Winter, außerhalb der europäischen Segelsaison, kommt diese Neuigkeit genau richtig als Motivationsspritze für den nächsten olympischen Zyklus“, freut sich der 28-Jährige: „Es ist die Bestätigung, dass sich stete Leistungen auszahlen.“

Bachelor in BWL

Auf dem Wasser trifft man den gebürtigen Wilhelmshavener derzeit allerdings nur sehr selten. Momentan ist der 1,77 Meter große Olympia-11. von London an Land voll in seinem Element: „Parallel zu den Vorbereitungen auf Rio 2016 will ich in den kommenden zwei Jahren meine berufliche Karriere intensivieren.“

Nummer 1 der Welt

Tobias Schadewaldt wurde am 20. September 1984 in Wilhelmshaven geboren. Er arbeitet und wohnt in Oldenburg. Mit seinem Partner Hannes Baumann ist er in der Bootsklasse 49er die Nummer 1 der Weltrangliste. Bei Olympia in London belegten sie Platz elf.

Schadewaldt, der 2008 an der Oldenburger Carl-von-Ossietzky-Universität den Bachelor-Abschluss im Studiengang Betriebswirtschaftslehre (BWL) für Spitzensportler gemacht hat, arbeitet als Trainee beim Energieversorger EWE – eine Doppelbelastung, die ihn sehr beansprucht.

Bevor er seinen Arbeitsplatz einnimmt, hat Schade­waldt bereits seine erste Trainingseinheit absolviert. Nach dem Aufstehen um 6 Uhr war er an diesem dunklen, kalten Februarmorgen bereits eine Stunden joggen – Ausdauertraining, damit die Kondition im Winter nicht verloren geht.

Sein Arbeitstag beträgt inklusive Training bis zu 14 Stunden. „Das war schon eine Umstellung“, sagt er. Doch sein Lächeln beweist, dass er das gerne macht. „Das Training ist für mich keine Belastung, es macht mir immer Spaß“, sagt er und betont: „Ich brauche den Ausgleich zum Arbeitsalltag.“

Schadewaldts Spezialgebiet ist das Nachhaltigkeitsmanagement, in dem er an der Uni Lüneburg 2010 den Abschluss Master of Business Administration (MBA) erworben hat. „Ich beschäftige mich mit erneuerbaren Energien, mit Wind und Wasser, und wie man diese optimal nutzen kann.“ Als Segler ist er dafür bestens geeignet: „Denn in diesem Sport setzen wir uns schließlich mit der Kraft der Natur immer wieder aufs Neue auseinander.“

Sportgerät entwickelt

Mittlerweile ist es draußen wieder dunkel geworden. Schad­e­waldt hat den Anzug gegen T-Shirt und kurze Sporthose getauscht. Er lehnt sich auf einem kleinen Holzgestell rücklings bis in die Waagerechte angestrengt nach hinten. Man kann die Bauchmuskeln förmlich knirschen hören. Beim Krafttraining fließt der Schweiß in Strömen.

Segeln im Freien ist in dieser Jahreszeit nicht möglich. Deshalb übt Schadewaldt in einem kleinen Fitness-Studio im Oldenburger Stadtteil Ofenerdiek an einer eigens entwickelten Boot-Attrappe die seglerischen Handgriffe. Er hängt sich mächtig in die Seile und simuliert an Land, wie er den Körper am besten über die Kante hinauslehnen kann, um auf See das Gewicht optimal auszugleichen.

Im März geht es wieder intensiv auf das Wasser. Vor Mallorca steht dann ein viertägiges Trainingslager mit der Nationalmannschaft an. Der erste Wettkampf ist für April geplant, die Höhepunkte sind die Kieler Woche, die Schade­waldt bereits dreimal gewonnen hat, und die Weltmeisterschaften in Marseille (49er) sowie im Oman (Laser).

Olympia-Quali 2014

„Mit diesen Starts will ich meine Wettkampfhärte erhalten“, sagt Schadewaldt. Richtig ernst im Hinblick auf Olympia 2016 in Brasilien wird es erst im nächsten Jahr, wenn es bei der WM um einen der 20 zu vergebenden Nationenplätze geht. 2015 steht die nationale Ausscheidung an.

Dann will Schadewald im Beruf schon Fuß gefasst haben. Doch bis dahin muss er noch viele Male den kälteschützenden Neoprenanzug mit korrekt geknotetem Schlips und steif gebügeltem Hemd tauschen.


     www.schadewaldt-baumann.de 

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