Gymnasium:
Im Umgang mit Pubertierenden authentisch bleiben

Erziehungsberater Dr. Jan Uwe-Rogge gibt Eltern hilfreiche Tipps – Vortrag mit viel Humor

Lemwerder „Geschichten behält man, Tipps vergisst man“ sagt Dr. Jan Uwe Rogge und beginnt seinen Vortrag zum Thema „Umgang mit Kindern in der Pubertät“ mit der Geschichte vom Hummer, welcher als einziges Tier eine Pubertät durchlebe: Sein Fleisch wächst, doch der Panzer nicht, daher stößt der Hummer den Panzer ab und zieht sich schutzlos in eine dunkle Höhle am Meeresgrund zurück. Dort bleibt er die nächsten Jahre, verborgen im Dunkel. Sein Fleisch wächst – und erst, als auch ein neuer Panzer gewachsen ist, kommt der Hummer schließlich wieder aus seiner Höhle hervor.

Aus Anlass des zehnjährigen Bestehens des Gymnasiums Lemwerder hatte der Förderverein zusammen mit dem Koordinator Arne Warnken diese Veranstaltung mit dem erfolgreichen Autor organisiert. Die Pausenhalle war bis auf den letzten Platz besetzt mit Müttern und Vätern, die, wie sich im Laufe der Veranstaltung herausstellte, eines gemeinsam hatten: das „Fegefeuer“ war ihnen nicht unbekannt.

Muttis Lieblingswörter

In den nächsten zwei Stunden präsentierte Rogge sein Anliegen mit viel Witz und Humor und zündete ein Feuerwerk an Pointen. Egal, ob es um „Lieblingswörter von Müttern Pubertierender“ ging, um den „pädagogischen Konjunktiv“ oder den Unterschied zwischen „gelebtem“ und „gelabertem“ Leben: In vielen Alltagsszenen fanden sich die meisten nur allzu gut wieder – ein Lacher reihte sich an den nächsten.

Doch zwischen all den Lachern schien immer wieder durch: das Anliegen dahinter ist ein ernstzunehmendes. Augenzwinkernd rät der Autor Müttern, sich als „gemeinste Mutter von Lemwerder“ zu outen und im Umgang mit den Pubertierenden auch mal aufbegehrend und authentisch zu sein statt immer „pädagogisch wertvoll“.

Rogge erinnerte daran, dass Erziehung nur in Beziehung gelingt, dass Pubertierende, die sich selbst „schei... in dieser Zeit“ finden und trotzdem gemocht werden wollen, Halt und Orientierung suchen und ihre Eltern für sie „blinkende Leuchttürme sein“ müssen: „Die Pubertierenden entscheiden, ob sie kommen. Doch blinken müssen Sie.“

Die wichtigste Aufgabe der Pubertät, so Rogge, sei schließlich die Umgestaltung des kindlichen Körpers in einen erwachsenen Körper. Die Lacher wiederum auf seiner Seite hatte er, als er nach einer kurzen Pause unvermittelt ins Publikum rief: „Da sind Mutationen angesagt!“

Sich selbst als Eltern zu hinterfragen und mit Humor zu sehen: dazu regte Rogge an, wenn er die Zeit zwischen dem 35. und 50. Lebensjahr als „dritte Pubertät“ bezeichnet und die pubertären häuslichen Konflikte als Aufeinanderprallen von „2. und 3. Pubertät“. Er weckte Begeisterung für die nachfolgende Generation und vermittelte den geplagten Eltern ein Stück Unbeschwertheit in einer schwierigen Situation.

Aus Fluss wird Bach

Kinder in der Zeit der Pubertät auf ihrer Reise zu begleiten, resümierte Rogge, habe nichts mit Erziehung zu tun, sondern mit Begleitung. Dabei empfahl er den Eltern Demut und das Wissen darüber, dass das Ergebnis von Erziehung, wie er es selbst formulierte, „wirkungsunsicher“ ist. Doch „irgendwann“, schloss der Redner zuversichtlich, „wird aus dem reißenden Fluss ein ruhiger Bach.“

Die Veranstaltung beendete die Vorsitzende des Fördervereins, Gudrun Stolte. Sie bedankte sich beim Referenten herzlich für einen „grandiosen Abend“ und verabschiedete den Redner unter lang anhaltendem Applaus.

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16.01.2016
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