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NWZonline.de Region Wesermarsch

Idefix kämpft noch immer um sein Leben

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Ausgelegte Giftköder:
Rodenkircher Hundefreunde in Angst

Rodenkirchen Unter Hundefreunden in Rodenkirchen geht die Angst um: Sie fürchten, dass der am vergangenen Wochenende ausgelegte Giftköder für Hunde nicht der einzige war. Die Hundefreundin Maria Niehus aus der Heinrich-Albertz-Straße hat von sieben Fällen in den vergangenen Wochen gehört.

Ein Hund gestorben

Ein Hund sei an einem der Giftköder gestorben, sagt sie, alle anderen hätten überlebt. Bei dem verstorbenen Tier handele sich um den Labrador/Golden-Retriever-Mischling Chico, der eine gute Woche vor dem Giftköder-Fund an der Molkereistraße (die NWZ  berichtete am Montag) beim Gassigehen etwas Unbekanntes gefressen hatte. „Leider ist die Todesursache nicht mehr zu beweisen, weil der Hund schon begraben ist“, sagt Maria Niehus, die selbst eine Dalmatiner-Pointer-Mischlingshündin hat.

Und das ist das Problem: Es gibt viele Gerüchte und Ängste, aber kaum Beweise. Bislang ist keiner der Giftköder beim Veterinäramt in Brake abgegeben worden. Alle Hundebesitzer brachten ihren vierbeinigen Freund, wenn er unterwegs ein Fleisch- oder Wurststückchen gefressen hatte und dann Anzeichen einer Krankheit zeigte, schnellstmöglich zum Tierarzt, wo er das unbekannte Häppchen erbrach und sich dann wieder erholte.

Dr. Norbert Heising, der Leiter des Veterinäramtes Jade-Weser in Wilhelmshaven, zu dem auch die Braker Regionalstelle gehört, sagt, derartige Untersuchungen seien sehr aufwendig, weil nicht klar sei, nach welchem Gift überhaupt gesucht werde.

Cumarin nachgewiesen

Das lässt die Hundefreunde nicht ruhen, und seit Freitag hat Ilona Helwig-Boyksen eine Spur. Die Braker Tierärztin Dr. Ursula Gäßlein hat bei einem Hund eine Cumarin-Vergiftung festgestellt und dies der Besitzerin auch schriftlich bescheinigt. Cumarin ist ein Rattengift, das zu inneren Blutungen führt. Mit dieser Bescheinigung will sie zum Veterinäramt gehen, das weitere Köder, die noch gefunden werden, daraufhin untersuchen könnte.

Für ihren eigenen Jack-Russel-Yorkshire-Terrier Idefix ist es schon zu spät. Denn der einst äußerst lebhafte kleine Hund hat sich schon vor fünf Wochen vergiftet – vermutlich bei einem Ausflug am Bahndamm. Ilona Helwig-Boyksen hatte es zunächst gar nicht bemerkt. Doch dann wurde der Hund immer apathischer und nahm erschreckend an Umfang zu – „wie ein Luftballon“, sagt die 48-Jährige. Am Ostermontag brachte sie Idefix zu einem Tierarzt, der eine Vergiftung diagnostizierte. Einen Tag später fuhr sie den Hund in die Tierärztliche Klinik für Kleintiere in Oldenburg. Die hat zwar ein eigenes Labor, das konnte aber die Art der Vergiftung nicht mehr feststellen, weil schon zu viel Zeit vergangen war.

Die Tierärzte legten den Hund an den Tropf und punktierten ihn Tag und Nacht alle 30 Minuten, damit das Wasser, das sich in seinem Bauchraum bildete, abfließen konnte. Das Wasser wiederum bildete sich, weil das Gift die Organe geschädigt hatte, vor allem die für die Entwässerung zuständige Niere. Auch Magen, Darm und Milz seien betroffen gewesen. Die Zahl der roten Blutkörperchen sei auf unter zehn Prozent gesunken, die Produktion von Eiweiß und Protein fast zum Erliegen gekommen. Die Behandlungen haben schon mehr als 1000 Euro gekostet.

Am Donnerstag nach Ostern nahm Ilona Helwig-Boyksen den kleinen Hund mit nach Hause, um sich von ihm zu verabschieden. Doch das Tier nimmt die Medikamente – drei verschiedene Tabletten – gut an und hat sich wieder erholt. Allerdings darf es die Tabletten nur noch zwei Wochen lang nehmen, und wenn sich die Eiweiß- und Protein-Produktion bis dahin nicht erholt hat, muss Idefix eingeschläfert werden.

Strafanzeige erstatten

Jetzt sammelt Ilona Helwig-Boyksen Betroffene für eine gemeinsame Strafanzeige. Bisher fühlt sie sich von der Polizei nicht ernstgenommen; anderen Hundebesitzern geht es ähnlich.

Auch Maria Niehus will sich nicht in die Opferrolle fügen. Die 62-Jährige bittet alle Hundehalter, sie unter Telefon 04732/1755 anzurufen, wenn sie in der Angelegenheit Neues erfahren.

Maria Niehus hofft, dass bald eines der verdächtigen Fleischstückchen beim Veterinäramt eingereicht werden kann. Schließlich, sagt sie, bedrohten sie nicht nur Hunde und Katzen, sondern auch kleine Kinder, die immer wieder etwas vom Boden auflesen und in den Mund stecken.

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