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Helfer mit heißem Kaffee versorgt

Durch den Schulausfall wurde die Familie Mehrens auf die Sturmflut aufmerksam. Die Großeltern wohnten am gebrochenen Deich.

BRAKE Hildegard Schnier saß am Morgen allein im Klassenzimmer. Das war schon ein Grund, sich zu wundern. Kurz nach ihr kamen noch ein paar ihrer Mitschüler. „Wir fragten uns natürlich, wo unsere Klassenkameraden waren“, sagt Hildegard Schnier. Damals hieß sie noch Mehrens mit Nachnamen. Endlich kam ein Lehrer, aber nicht, um Unterricht zu geben. Mit großen Buchstaben schrieb er das Wort Sturmflut an die Tafel. Er erklärte den Kindern kurz, womit sie es zu tun hätten und schickte sie direkt wieder nach Hause.

Radio war ausgeschaltet

Im Radio hatte es eine Durchsage gegeben, dass der Unterricht wegen der Sturmflut ausfallen würde, doch bei Familie Mehrens durfte das Radio am Morgen nicht angeschaltet werden. „Mein Vater war Berufsmusiker und kam erst spät in der Nacht nach Hause. Da war bei uns am Morgen äußerste Ruhe angesagt“, erzählt Hildegard Schnier.

Als sie von der Schule kam, wollten ihre Eltern erstmal gar nicht glauben, was Hildegard da berichtete. „Ein Telefon hatten wir damals nicht, deswegen fuhren wir sofort los zu unseren Großeltern“, berichtet sie. Die Großeltern wohnten an der Stedinger Landstraße in Käseburg. Genau vor ihrem Haus war der Deich bereits gebrochen. „Im Keller stand das Wasser schon bis zur Decke“, sagt die heute 61-Jährige.

Verpflegung für Helfer

Im Laufe des Vormittags rückten die ersten Lastwagen an und brachten Sand und Säcke. Unterstützung für die Anwohner, die ihre Häuser retten wollten, kam bald aus der Braker Kaserne. Die Helfer schippten den Sand in Säcke und brachten ihn zum Loch im Deich. Aber auch für Hildegard, ihre Mutter und die Oma gab es viel zu tun: Die Großmutter brühte Kaffee auf und brachte ihn zu den Helfern. Etwas später steuerte der ortsansässige Lebensmittelladen Brot, Butter, Käse und Wurst dazu. In der Küche schmierten die Frauen emsig Brote für die fleißigen Männer, die sich sichtlich darüber freuten, wie Schnier berichtet. „Diese Aktion lenkte auch ein bisschen von der Angst ab, die wir alle hatten.“

In der Nacht habe die Familie sehr unruhig geschlafen, berichtet Schnier. Eine Springflut war vorausgesagt worden und im Fernsehen waren erste Bilder aus Hamburg zu sehen. „Das hat uns erschüttert. Zum Glück blieb uns die angekündigte Springflut erspart.“

 @ Ein Spezial unter http://www.NWZonline.de/50-jahre-sturmflut

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17.02.2012
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