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Interview:
Schnulzen interessieren sie nicht

Im Interview: „Dornenkinder“

Zur Person: „Dornenkinder“heißt der sechste Roman von Rose Gerdts-Schiffler (geboren 1960). Das Bremer Ermittlerduo Navideh Petersen und Frank Steenhoff bekommt es diesmal mit der brutalen Realität der Armutsflüchtlinge zu tun. Maßstab der Autorin ist dabei wie gewohnt die Wirklichkeit.

Frage: Sind Sie als Pressesprecherin des Bremer Innensenators nicht ausgelastet, liebe Frau Gerdts-Schiffler, oder warum schreiben Sie in Ihrer Freizeit Kriminalromane?

Gerdts-Schiffler: (lacht) Im Gegenteil. Ich habe meine berufliche Tätigkeit noch ausgeweitet. Man muss also sehr diszipliniert sein. Ich lege genau fest, wann und wo ich wie viele Seiten schreibe, um den Abgabetermin einzuhalten.

Frage: Warum müssen es blutrünstige Krimis sein? Sie waren doch jahrelang Berichterstatterin über Strafprozesse. Hat man da nicht eher Lust auf seichte Liebesschnulzen?

Gerdts-Schiffler: Nein! Liebesschnulzen interessieren mich nicht. Jedenfalls nicht so, dass ich darüber schreiben möchte. Ich halte meine Geschichten übrigens nicht für blutrünstig. Ich versuche einfach die gesellschaftlichen Themen, die mich bewegen, spannend zu verpacken.

Frage: Dazu haben sie mal gesagt: Sachbücher liest niemand. Wieso glauben Sie, dass gesellschaftspolitische Themen wie Landminen, NS-Vergangenheit oder, wie im aktuellen Fall, Armutsflüchtlinge über eine Kriminalgeschichte mehr beim Leser bewirken?

Gerdts-Schiffler: Sachbücher erreichen meistens nur einen kleinen Kreis. Sehen Sie sich gut gemachte TV-Produktionen an. Da gibt es oft im Anschluss noch eine Diskussion. Damit ist das Thema plötzlich auf der Tagesordnung. Auch ich möchte als gelernte Journalistin Geschichten so spannend erzählen, dass die Leser dranbleiben. Spannung und Information miteinander zu verquicken, das ist mir wichtig.

Frage: Wie viel Realität und wie viel Fiktion steckt in Ihren Geschichten?

Gerdts-Schiffler: Ich suche mir jeweils Themen, die mich bewegen, mit denen ich mich mehr mit beschäftigen möchte. Denn ich lerne beim Schreiben selbst sehr viel über die Thematik. Das ist sozusagen meine eigene Fortbildung, die ich mir dadurch schenke. Weiterhin kenne ich als Journalistin natürlich die Abläufe. Daraus bediene ich mich. Das sind die realistischen Anteile in meinen Romanen. Die sind alle von Fachleuten gegengelesen. Der Rest ist Fiktion. Das Ermittlerduo ist übrigens auch nur an mir bekannte Personen angelehnt, aber es gibt keine hundertprozentige Entsprechung in der Wirklichkeit. Ich habe ebenfalls weder für die Ermittlerin noch für die stets auftauchende Journalistin Pate gestanden.

Frage: Warum legen Sie in Ihren Büchern Wert auf Bremer Lokalkolorit? Ortsunkundige können damit ja nichts anfangen.

Gerdts-Schiffler: Um so schreiben zu können, dass beim Leser ein innerer Film abläuft, brauche ich die Örtlichkeit. Ich muss wissen, wie die Stadt riecht, wie die Menschen sich bewegen. So intensiv kann ich das nur über Bremen schreiben. Aber ich verbinde die Geschichten ja oft auch mit anderen Ländern. Ich schreibe also keinen reinen Regionalkrimi.

Frage: Wir freuen uns auf die Lesung am Freitag aus „Dornenkinder“ in Lemwerder, aber wir fragen uns trotzdem, ob sie bereits an einem neuen Buch schreiben und welches Thema Sie diesmal aufgreifen werden.

Gerdts-Schiffler: Noch schreibe ich an keinem weiteren Buch. Ich denke noch über ein Thema nach. Aber wenn ich etwas schreibe, dann wird es um die Radikalisierung eines Menschen gehen, der in Richtung Salafismus abdriften wird. Das finde ich eine für mich noch nicht richtig erklärbare Entwicklung, die Menschen da nehmen. Das könnte Thema meines nächsten Buches werden. Aber zum Schreiben muss ich erstmal die Zeit finden...

„Dornenkinder“ heißt der sechste Roman von Rose Gerdts-Schiffler (geboren 1960). Das Bremer Ermittlerduo Navideh Petersen und Frank Steenhoff bekommt es diesmal mit der brutalen Realität der Armutsflüchtlinge zu tun. Maßstab der Autorin ist dabei wie gewohnt die Wirklichkeit.

Aus ihrem aktuellen Buch liest die Autorin, wie berichtet, an diesem Freitag, 8. Mai, ab 19.30 Uhr in der Begegnungsstätte in Lemwerder. Edenbütteler Straße 5. Der Eintritt kostet sieben Euro. Karten gibt es an der Abendkasse.

Mehr als 20 Jahre hat die Bremer Journalistin und Sozialwissenschaftlerin als Polizei- und Gerichtsreporterin gearbeitet. Im Frühjahr 2013 wechselte sie zur Bremer Innenbehörde. Hier ist sie seitdem als Pressesprecherin tätig.


  www.rose-gerdts-schiffler.de www.begu-lemwerder.de 
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