03.08.2012

Fußball
Brake bastelt an „Sensation“ Klassenerhalt

Landesliga-Saison 2012/2013 beginnt Sonntag mit Auswärtsspiel gegen BW Hollage

Noch steht nicht fest, ob der SVB die Saison in der Landesliga beenden darf. Die Mannschaft ist vor allem in der Breite verstärkt worden.
Wolfgang Grave

BRAKE Diesmal ist alles anders. Wenn die Fußballer des SV Brake irgendwann auf die Vorbereitung zur Saison 2012/2013 zurückblicken werden, werden sie wohl nicht über das intensive Training, Testspiele oder Muskelschmerzen sprechen. Vielmehr werden sie wahrscheinlich darüber sinnieren, dass sie sich zum ersten und wohl einzigen Mal auf eine Spielzeit vorbereitet haben, ohne zu wissen, in welcher Liga sie überhaupt antreten werden.

Ob sie in der Landesliga oder in der Bezirksliga spielen werden, steht immer noch nicht fest. Der Ausgang des Rechtsstreits zwischen dem SV Brake und dem TSV Oldenburg ist offen.

Zumindest an diesem Wochenende darf der SV Brake in der Landesliga spielen. Um 15 Uhr gastiert das Team von Trainer Michael Rickers bei Blau Weiß Hollage. Das teilte der Vorsitzende des Spielausschusses des Fußball-Bezirks Weser-Ems, Werner Busse, am Mittwochabend mit. Zwar habe der TSV inzwischen Revision gegen das Verbandssportgerichtsurteil, das den SV Brake als Landesligisten ausweist, eingelegt, doch die Partie werde „wie angesetzt durchgeführt“, schreibt Busse.

Sollte „der TSV Oldenburg als Sieger aus dem Verfahren hervorgehen, werden die bis zur Entscheidung ausgetragenen Spiele annulliert und der Spielplan wird entsprechend geändert“, so Busse weiter. Übersetzt heißt das: Wenn die Braker Pech haben sollten, könnten sie innerhalb von einer Saison Pflichtspiele in zwei verschiedenen Ligen absolvieren.

Und weil Brakes Trainer Michael Rickers pflichtbewusst ist, hat er brav ausgearbeitet, welche Vorgaben er seiner Mannschaft für die neue Saison gibt. Müsse sein Team in der Bezirksliga antreten, peile er einen der ersten fünf Plätze an. „Da habe ich die Messlatte bewusst hochgelegt“, sagt Rickers. Angesichts der unfassbar guten Rückrunde seiner Mannschaft in der vergangenen Saison ist das nachzuvollziehen.

Riesige Herausforderung

Dürfe seine Team die Landesliga-Saison durchspielen, hat der Coach – der eigentlich aufhören wollte, für den dann aber kein adäquater Nachfolger gefunden wurde – gleich drei Ziele festgelegt. Oberste Priorität hat der Klassenerhalt. „Das ist schon eine riesige Herausforderung. Obwohl ich fest daran glaube, dass wir nicht absteigen, wäre das eine Sensation“, sagt Rickers.

Doch der Trainer schaut nicht nur auf Punkte. Er strebt zudem nach sportlicher Kontinuität – unabhängig davon, in welcher Liga seine Elf spielt. „Ich will die Mannschaft festigen“, sagt er und hat auch vor einem sportlichen Spagatschritt keine Angst. „Jeder Spieler soll Landesliga-Erfahrung sammeln“, sagt Rickers.

Und damit hat er sich selbst ein großes Ziel gesteckt. Schließlich ist der Aufstieg in die Landesliga verbunden mit dem ersten größeren Schritt in Richtung Leistungsfußball. Doch dessen sind sich beim SV Brake alle bewusst. Schließlich zählten die Kreisstädter vor dem Abstieg in die Bezirksliga fast schon zum Inventar der Landesliga. 

Und deshalb hat Rickers die Intensität im Training noch einmal nach oben geschraubt. „Die Landesliga ist nun einmal viel schneller und dynamischer als die Bezirksliga. Da ist ordentlich Pfeffer drin.“ Deshalb, sagt der Coach, müsse man extrem laufstark sein.

Einige Neuzugänge werden sich an das deutlich höhere Tempo erst gewöhnen müssen. Das gilt insbesondere für Eike Lampe und Torben Mau, die aus der eigenen A-Jugend hochgezogen worden sind, sowie für Torben Renken, Dominik Juhrs, Julian Lachnitt und Rene Schwarze, die vom Kreisligisten 1.FC Nordenham gekommen sind. Aber Rickers wäre nicht Rickers, wenn er nicht überzeugt wäre, dass sie es packen können.

Schweres Erbe

Und noch einer muss eine knifflige Aufgabe lösen: Torwart Patrick Lahrmann (vormals TV Esenshamm) tritt das schwere Erbe von Mike Strahlmann an, der seine Laufbahn beendet hat. Abwehrspieler Bjarne Wiesehan (vormals A-Jugend VfL Oldenburg) und Miguel Trocha (vormals TuS Heidkrug) könnten der Mannschaft dagegen sofort neue Impulse geben.

Rickers sagt, dass der Verein auf der Suche nach neuen Spielern bewusst darauf geachtet habe, die Mannschaft in der Breite zu verstärken. „Die Neuen sind zwar keine Oberliga-Kracher, aber sie sind sehr gut. Sie passen positionell und charakterlich hervorragend.“ Und wenn Spieler wie Arthur Hoffmann und Nico Petrillo sie führen, könnte die Akklimatisierung früh erfolgen. Und außerdem hat der eine oder andere Spieler des alten Kaders schon ein paar Landesliga-Spiele auf dem Buckel.

Die Philosophie des Trainers, die dieses Team umsetzen soll, ist die des Vorjahres. „Wenn die Null steht, nimmt man immer was mit“, sagt Rickers und spielt damit auf die Rückrunde der vergangenen Saison an, in der Brake lediglich neun Gegentore kassiert hat. So feilte der Coach in der Vorbereitung vor allem an seiner Defensive – ganz so, als wolle er einen hohen Wall vor einer ohnehin kaum zu durchbrechenden Betonwand errichten.

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