Selbstverteidigung:
Im Ernstfall gibt es keine Fairness

Im Aktiv-Zentrum lernen die Teilnehmer wirksame Abwehrmethoden

Nach den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln stellen sich viele Frauen die Frage: Wie reagieren, wenn die Situation tatsächlich eskaliert? Ein Kurs in Selbstverteidigung kann helfen.

Nordenham Wie kann ich mich zur Wehr setzen, wenn ich plötzlich angegriffen oder belästigt werden sollte? Diese Frage habe ich mir gestellt, als im Fernsehen die Berichte über die Zwischenfälle während der Silvesternacht in Köln liefen. Bei dem Besuch eines Selbstverteidigungskurses im Nordenhamer Aktiv-Zentrum an der Marktstraße habe ich sehr schnell gemerkt, dass ich in einer wirklichen Gefahrensituation ziemlich chancenlos wäre.

„Escrima Concepts“

Zugegebenermaßen bin ich davon ausgegangen, dass ich in dem Kurs „Escrima Concepts“ ruckzuck ein paar Griffe lernen würde, mit denen ich mich im Ernstfall verteidigen könnte. Allerdings wurde mir schon bald bewusst, dass es mit einigen schnell erlernten Übungen keinesfalls getan ist.

Detlef Hoyer, der Inhaber des Aktiv-Zentrums, erklärte mir als erstes, dass Escrima Concepts keine „gewöhnliche“ Kampfsportart ist. Sondern das System beruht auf einer philippinischen Kriegskunst und wird nur an wenigen Schulen in Deutschland angeboten.

Wie wohl alle Frauen hoffe ich zwar, dass ich nie in eine Situation kommen werde, in der ich mich gegen körperliche Angriffe verteidigen muss. Aber ausschließen lässt sich das nicht.

Ich merke schnell, dass sich dieser Kurs von anderen Kampfsportarten unterscheidet. Es gibt keine Regeln und auch keine Fairness. Somit sind die Übungen sehr nah an der Realität.

Es ist schon ungewöhnlich, bei dem Training mit einem Mann zu kämpfen, der stärker, größer und kräftiger ist als ich. Doch im wirklichen Leben kann ich mir meine Gegner ja auch nicht aussuchen. Für Detlef Hoyer ist es wichtig, dass die Übungen sehr realitätsnah sind.

Später erfahre ich in dem Kurs, wie sich Holzstäbe und alltägliche Gegenstände wie Kugelschreiber, Schlüsselanhänger und Flaschenöffner bei der Verteidigung einsetzen lassen. Dabei merke ich aber auch, dass man dieses System nicht in ein paar Stunden lernen kann. Mir fällt es schwer, den Blick für die einfachsten, aber effektivsten Schläge und Tritte zu haben.

Vor der Trainingsstunde hätte ich in vielen Situationen ganz anders reagiert, weil es eben auch weniger vorteilhafte Körperreflexe gibt. Weil die Übungen individuell gestaltet werden, kann jeder sie erlernen. „Es sind auch keine körperlichen Grundvoraussetzungen erforderlich“, erzählt Detlef Hoyer.

Ich freue mich darüber, dass ich von den Kursteilnehmern freundlich und aufgeschlossen aufgenommen werde. Auch wenn es eine feste Gruppe ist, habe ich nie das Gefühl, dass ich nicht dazugehöre.

Selbstbewusst auftreten

„Es ist wichtig, dass Frauen sich mit der Selbstverteidigung auseinandersetzten“, sagt Nadine Wieland. Sie trainiert seit zwei Jahren Escrima Concepts und ist davon begeistert. Nadine Wieland erzählt mir, dass der Kurs einem viel Selbstbewusstsein gibt und man „eine ganz andere Präsenz“ erhält. Die Sportlerin trainiert auch die Kinder und Jugendlichen zwischen 6 und 16 Jahren.

Meiner Meinung nach sollten sich viel mehr Frauen in einen solchen Kurs trauen. Meine letzte Stunde bei Detlef Hoyer ist es definitiv nicht gewesen.

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Selbstverteidigung
Im Ernstfall gibt es keine Fairness
Nach den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln stellen sich viele Frauen die Frage: Wie reagieren, wenn die Situation tatsächlich eskaliert? Ein Kurs in Selbstverteidigung kann helfen.
http://www.nwzonline.de/wesermarsch/lokalsport/im-ernstfall-gibt-es-keine-fairness_a_6,0,3879432474.html
04.02.2016
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