Kernkraftwerk:
„Die Mannschaft will jetzt loslegen“

Eon fühlt sich gut vorbereitet auf den Rückbau – „Sicherer Einschluss nicht sicherer“

Die Rücklagen reichen mit Sicherheit. Das betont Dr. Guido Knott, der neue Chef von Eon-Kernkraft.

Kleinensiel Die Mannschaft des Kernkraftwerks Unterweser (KKU) fühlt sich auf den Rückbau gut vorbereitet und will jetzt loslegen. Das sagte der Anlagenleiter Gerd Reinstrom am Donnerstagvormittag im Gespräch mit der NWZ.

„Wir können Rückbau“, betonten auch Dr. Guido Knott, seit dem 1. Januar Vorsitzender der Geschäftsführung von Eon-Kernkraft, und Bernd Kaiser, der den Rückbau in den Eon-Kernkraftwerken Würgassen und Stade koordiniert hat und jetzt zum Anlagenleiter im Kraftwerk Grafenrheinfeld ausgebildet wird, das im vergangenen Frühsommer stillgelegt worden ist.

Anlass ihrer Stellungnahmen ist der Erörterungstermin für den von Eon beantragten direkten Rückbau des KKU, der am Dienstag, 23. Februar, in der Markthalle Rodenkirchen beginnen soll.

15 Jahre Arbeit

Der von Atomkraft-Gegnern ins Gespräch gebrachte sichere Einschluss sei keineswegs sicherer als ein direkter Rückbau, betonten die drei. Eon habe diese beiden Varianten sowie einen späteren Rückbau sorgfältig gegeneinander abgewogen und sei zu dem Ergebnis gekommen, dass der direkte Rückbau die beste Variante sei. Gerd Reinstrom rechnet für Anfang 2017 mit der Genehmigung, bald danach sollen die Arbeiten beginnen. Sie werden mindestens 10, vermutlich aber 12 bis 15 Jahre dauern.

Ein sicherer Einschluss könne nicht auf die Schnelle erfolgen, sondern müsse 5 bis 8 Jahre lang vorbereitet werden. Das sei halb so lang wie der gesamte direkte Rückbau. Darauf folge eine etwa 30-jährige Ruhephase, in der das Kraftwerk aber personell betreut werden müsse, und anschließend folge der Rückbau.

Dann gebe es aber niemanden mehr, der die Anlage wirklich kenne, betonte Gerd Reinstrom. Jetzt beschäftige das Kraftwerk noch zahlreiche Mitarbeiter, die sich in Jahrzehnten des Normalbetriebs ein hohes Erfahrungswissen angeeignet hätten. Mit diesem Wissen könnten sie die Mitarbeiter der Fremdfirmen, die den eigentlichen Rückbau leisten, steuern und überwachen. Zudem hätten die Mitarbeiter, von denen viele das 50. Lebensjahr schon überschritten haben, eine sichere Perspektive. Auch wenn der Zeitplan eingehalten werde, werden bis zum Abschluss des Rückbaus nicht mehr genug erfahrene Mitarbeiter an Bord sein, so dass neue Kräfte erforderlich seien.

Auf eine Frage der NWZ  widersprach Eon-Kernkaft-Chef Guido Knott klar der oft wiederholten Befürchtung, die Rückstellungen der Kraftwerksbetreiber reichten für den Rückbau nicht aus. Eon habe 17 Milliarden Euro zurückgelegt, und das sei vermutlich mehr als genug, sagte der 50-Jährige.

Tendenziell günstiger

Für jedes Kernkraftwerk wird etwa eine Milliarde Euro für den Rückbau einschließlich der Einlagerung der schwach- und mittelradioaktiven Reste in ein Zwischenlager kalkuliert; Transport zur und Unterbringung in einem Endlager könnten jetzt noch gar nicht kalkuliert werden.

Bernd Kaiser sagte, aufgrund der wachsenden Erfahrungen werde der Rückbau selbst bei größeren Anlagen tendenziell günstiger. So werde Würgassen vermutlich insgesamt mehr als eine Milliarde Euro kosten. Das Kernkraftwerk im Weserbergland war 1995 stillgelegt worden; der Rückbau hatte 1997 begonnen und steht jetzt kurz vor dem Abschluss. Obwohl die Anlage deutlich kleiner ist als die in Kleinensiel, dauerte der Rückbau länger, weil Erfahrungen fehlten.

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