Diabetes-Hund Aus Brake:
Welpe riecht die große Gefahr

Seit Jahren leidet Michael Wilhelm unter Diabetes Typ 1. Die Unterzuckerung merkt der 41-Jährige allerdings immer schlechter. Das kann tödlich enden. Der Welpe Bolle soll ihm nun helfen – mit einer speziellen Ausbildung.

Brake Wie riecht die Jacke? Was ist in der Tasche? Wo sind die Schuhe gewesen? Wenn Hund Bolle Besucher begrüßt, weiß er genau, was der Gast zuvor gemacht hat. Mit seiner Nase erschnüffelt er mit großem Vergnügen alle möglichen Gerüche. Genau diese Eigenschaft hat ihn auch zu seinen Besitzern geführt. Daniela und Michael Wilhelm haben nämlich eine ganz besondere Ausbildung für ihren Golden Retriever Rüden im Blick. Bolle soll zum Diabetes-Hund ausgebildet werden.

Immer mehr Diabetiker

Mehr als sechs Millionen Menschen in Deutschland werden wegen Diabetes behandelt, Tendenz steigend. Diabetes kann zu Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Nierenerkrankungen führen – und auch tödlich enden.

Die Autoimmunerkrankung Diabetes Typ 1 tritt oft in jungen Jahren auf. Die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse werden vom eigenen Immunsystem zerstört, der Körper kann ein Leben lang gar kein Insulin produzieren.

Vor 15 Jahren ist bei seinem Herrchen Michael Wilhelm die Krankheit diagnostiziert worden. Er leidet unter Diabetes – Typ 1. „Mit den Jahren habe ich immer schlechter gemerkt, dass ich unterzuckere“, erklärt der 41-Jährige. Doch eine Unterzuckerung ist gefährlich. „Wenn ich zum Beispiel nachts unterzuckere und nicht aufwache, kann das sogar tödlich enden“, erklärt Wilhelm.

Bei einer Messe sind er und seine Frau Daniela dann auf die Diabetes-Hunde aufmerksam geworden. „Die Ausbildungsstätten waren zu weit weg. Daher haben wir die Idee zunächst nicht weiter verfolgt“, sagt Daniela Wilhelm. Als dann aber Bekannte von einer Trainerin in der Gegend erzählten, waren die beiden wieder Feuer und Flamme. „Ich hatte selbst einen Hund und fand die Idee schön, wieder einen im Haus zu haben“, sagt die 37-Jährige.

So machten sich die beiden auf die Suche und wurden bei einer Züchterin in Friedeburg fündig. „Wir haben ihr erzählt, was wir vor haben und sie hat einen Hund für uns ausgesucht“, erzählt Wilhelm.

Denn Bolle muss nicht nur viel mit der Nase arbeiten, er sollte auch einen ruhigen und ausgeglichenen Charakter haben. Schließlich muss Bolle Michael Wilhelm auch ins Büro begleiten. Als Heimleiter des Christophorus-Hauses in Brake brauchte Michael Wilhelm einen Hund, der auch mit den Bewohner gut klar kommt. „Darin ist Bolle aber perfekt“, erzählt Wilhelm. Der vier Monate alte Welpe dreht schon jetzt regelmäßig seine Runden durch die Eingangshalle und begrüßt die Bewohner und Besucher des Hauses.

Üben muss er allerdings noch, was seine Ausbildung betrifft. „Wir stehen noch ganz am Anfang“, erklärt Michael Wilhelm. Nach gut einem Jahr soll Bolle, sobald er die Unterzuckerung seines Herrchens riecht, ihn anstupsen. „Bei unserer Trainerin ist der Hund schon so weit, dass er ihr auch das Blutzuckermessgerät und eine Flasche Apfelsaft bringt“, erklärt Daniela Wilhelm. „Als wir das einmal miterleben durften, war es für uns ein absoluter Gänsehaut-Moment.“

Das kann Bolle noch nicht. Derzeit tupft sich Michael Wilhelm bei einer Unterzuckerung den Schweiß ab und deponiert das Tuch in einem luftdichten Becher. Diese Geruchsprobe­ wird zum Üben benutzt. Bolle verknüpft den Geruch mit etwas Positivem und lernt, wenn er auf diesen Geruch aufmerksam macht, bekommt er eine Belohnung.

Länger als eine Viertel­stunde Training hält Bolle allerdings­ nicht aus. „Er muss sich ja die ganze Zeit konzentrieren­. Das schlaucht“, meint Daniela Wilhelm. Danach schläft er viel um das Gelernte zu verarbeiten.

Auch wenn dem kleinen Welpen die Arbeit mit der Geruchsprobe­ Spaß macht, wollen es die beiden nicht übertreiben. „Wichtig ist, dass Bolle auch Hund bleibt“, sagt Daniela Wilhelm.

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Nikola Nording

Redaktion Brake
Tel.: 0441 9988 2302
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30.12.2015
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