Bau In Bremerhaven:
Chemie-Unternehmen Kronos klagt gegen Schwerlasthafen

Kronos will den Bau des Hafens nicht verhindern. Das Unternehmen befürchtet aber, auf Mehrkosten für die Schlickbeseitigung sitzen bleiben. Könnte es wie bei der Weservertiefung zu einem Vergleich kommen?

Blexen/Bremerhaven Ebenso wie bereits der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) hat auch Kronos Titan in Blexen Klage eingereicht gegen den Planfeststellungsbeschluss zum Bau des Schwerlasthafens OTB in Bremerhaven.

Entschädigung

Das bestätigte auf Anfrage der NWZ  am Dienstag Werkleiter Peter Aengeneyndt. Kronos Titan (zurzeit 360 Mitarbeiter) wolle den Bau des Schwerlasthafens aber nicht verhindern, sondern Ansprüche auf Entschädigungen sichern. „Wir befürchten, dass mehr Sedimente anfallen werden und wir deshalb größeren Aufwand haben werden, unsere Pier freizuhalten. Auf solchen Kosten wollen wir nicht sitzenbleiben“, erläuterte der Werkleiter im Gespräch mit der NWZ .

Über die Anlegestelle des Kronos-Werkes an der Weser für Binnen- und Küstenmotorschiffe und eine Brücke mit Förderband wird das Chemie-Unternehmen mit Rohstoffen versorgt.

Kronos Titan produziert in Blexen jährlich etwa 75 000 Tonnen Titandioxid als Pulver. Dieses Weißpigment wird Farben und Lacken beigemischt.

Jährlich landen etwa 50 bis 60 Schiffe pro Schiffsladung 3000 bis 3500 Tonnen Erz an. Hinzu kommen jährlich etwa 300 Schiffe mit jeweils 500 Tonnen Schwefelsäure.

Kronos befürchtet während des Betriebes des auf der anderen Weserseite geplanten Schwerlasthafens eine zunehmende Verschlickung beim Anleger, weil sich das Fahrwasser der Außenweser möglicherweise weiter nach Osten verlagern wird.

Zudem entnimmt das Werk bei der Pier täglich 25 000 Kubikmeter Weserwasser. Damit werden das Eindampfen der Schwefelsäure und Prozesse bei der Herstellung von Titandioxid abgekühlt.

Ein- bis zweimal jährlich lässt Kronos die bereits jetzt anfallenden erheblichen Mengen Schlick von einem Spülschiff entfernen. Das kostet bis zu 100 000 Euro jährlich. Die Schlickpartikel im Weserwasser sind ein weiterer Kostenfaktor. Denn das Unternehmen muss sie beseitigen, bevor das in den Prozesskreislauf des Werkes eingeleitete Wasser wieder in die Weser zurückgeleitet wird.

Vergleich im Jahr 2012

Aus den gleichen Gründen wie jetzt gegen den Schwerlasthafen hatte Kronos Titan Klage erhoben gegen die geplante erneute Weservertiefung. Nach einem Vergleich mit der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung hatte Kronos im Juni 2012 die Klage gegen die Weservertiefung zurückgezogen. Im Gegenzug hatte das Chemie-Unternehmen eine bessere Beweissicherung erreicht.

Demnach wird ein Peilschiff auf Kosten der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung regelmäßig den Schlickanfall vor dem Kronos-Anleger messen. Falls mehr Schlick als bisher auftritt, muss der Bund die Kosten für weitere Einsätze des Spülschiffes tragen.

Ist ein ähnlicher Vergleich wie bei der geplanten Weservertiefung auch bezüglich der Klage gegen den Schwerlasthafen möglich? Werkleiter Peter Aengeneyndt hält diese Frage nach einem Kompromiss für verfrüht. „Zunächst wollen wir erst unsere Ansprüche sichern.“

Das Land Bremen will den Offshore-Terminal Bremerhaven (OTB) am Weserufer bis 2018 realisieren. Die Kosten sind auf 180 Millionen Euro veranschlagt. Hier sollen Windkraftanlagen für Parks auf See verschifft werden. Bremerhaven erhofft sich vom OTB einen Schub für die Windkraftbranche und viele neue Arbeitsplätze.

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06.01.2016
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