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NWZonline.de Region Wesermarsch Wirtschaft

Zum Schlafen notfalls in den Keller

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Nervtötender Spuk In Der Innenstadt:
Protzauto-Szene raubt Nordenhamern den Schlaf

Nordenham Der behördliche Fachbegriff lautet „Profilierungsfahrer“. Damit sind zumeist junge Männer gemeint, die ihr Selbstwertgefühl von den Pferdestärken, den Beschleunigungswerten und der Auspuffgröße ihres Autos ableiten. Man könnte sie auch einfach als Angeber bezeichnen, die gerne auf dicke Hose machen. Zu einem beliebten Revier dieser Protz-Szene hat sich die Nordenhamer Innenstadt im Bereich zwischen Bahnhof und Friedeburg entwickelt. Dagegen regt sich jetzt Widerstand aus der genervten Anwohnerschaft.

Helmut Bohmbach, der seit 2001 im östlichen Abschnitt der Bahnhofstraße lebt, will den Lärm und die Gefährdung durch Raser nicht mehr klaglos hinnehmen. Der 56-jährige Elektromaschinenbauer hat sich hilfesuchend an die Stadt Nordenham und an die Polizei gewandt. Er hofft, dass die Behörden durchgreifen und dem Spuk ein Ende bereiten.

Neu ist das Problem laut Helmut Bohmbach zwar nicht, aber es hat in letzter Zeit zugenommen. Er ahnt auch, woran das liegen könnte: „An den niedrigen Spritpreisen.“

Drei Stunden im Kreis

Besonders schlimm geht es an den Wochenenden zu später Stunde zwischen 23 und 3 Uhr auf der Cruiser-Piste zu. Helmut Bohmbach hat beobachtet, dass manche Autoprotze dann bis zu drei Stunden in der Innenstadt im Kreis fahren. Ihre beliebtesten Reviere sind die Karrees in der City-Süd zwischen Müllerstraße, Peterstraße, Herbertstraße und Hansingstraße. Ebenfalls beliebt sind Abstecher in die Marktstraße und in die Deichgräfenstraße – mit Zwischenstopp zum Reifentest auf dem Wesertor-Paktplatz. Oftmals dehnen die Fahrer ihre Touren aber auch bis zur Atenser Allee aus. Dann nutzen sie die Bahnhofstraße als Sprintstrecke, auf der sie etappenweise Vollgas geben. „80 Stundenkilometer erreichen die bestimmt“, glaubt Helmut Bohmbach.

c

kommentar

Appelle reichen nicht

Krach nervt nicht nur, sondern ist gesundheitsschädlich. Das gilt spätestens dann, wenn lärmgeplagte Menschen nicht mehr in den Schlaf kommen.

Daher hat die Forderung der Innenstadtanwohner nach Abhilfe gegen die nächtlichen Endlosschleifen, mit denen sich sogenannte „Profilierungsfahrer“ lautstark um Aufmerksamkeit bemühen, zweifellos ihre Berechtigung. Auch die Unfallgefahr durch diese Raser ist beträchtlich und zwingt zu Gegenmaßnahmen.

Die große Frage ist aber, wie eine Lösung mit nachhaltiger Wirkung zu erreichen ist. Eine Dauerpräsenz der Polizei kommt allein aus Personalgründen nicht in Betracht. Und der Effekt vereinzelter Kontrollen dürfte schnell verpufft sein.

Die zuständigen Behörden sollten daher prüfen, ob es nicht doch bauliche oder technische Möglichkeiten gibt, um die Innenstadt vor rücksichtslosen PS-Protzen zu schützen. Mit Appellen an die Vernunft ist es jedenfalls nicht getan.

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Vor allem die Lärmbelästigung macht ihm zu schaffen. Üblerweise stehen die nächtlichen Karree-Fahrer auf fette Auspuffanlagen, die möglichst viel Radau machen und damit für hohe Aufmerksamkeitsbilanzen sorgen. Die wummernden Tieftöne – auch Infraschall genannt – haben Helmut Bohmbach schon in unzähligen Nächten um den Schlaf gebracht.

„Die Töne lassen die Fensterschreiben vibrieren und dringen durch bis zu 30 Zentimeter dicke Wände“, sagt der Bahnhofstraßenanwohner, „damit kann man Schwerhörige und Taube aufwecken.“ Deshalb hat Helmut Bohmbach mittlerweile seinen Lebensrhythmus umgestellt. Weil er freitags und sonnabends keine Nachtruhe mehr findet, geht er an diesen Tagen schon um 17 Uhr ins Bett und steht um 23 Uhr wieder auf. Für den Notfall hat er sich zudem eine Schlafgelegenheit im Keller eingerichtet.

Helmut Bohmbach schätzt den harten Kern der Nordenhamer Cruiser-Szene auf etwa 20 Fahrer. „Unter diesen 20 Leuten, die ihren Spaß haben, leiden 2000 Innenstadtbewohner“, sagt er. Um das Ärgernis in den Griff zu bekommen, fordert der Nordenhamer eine verstärkte Polizeipräsenz und gezielte Tempokontrollen. Auch ein fest installierter, aber nicht sichtbarer Blitzer in einer Ampelanlage könnte seiner Meinung nach helfen.

Polizei will kontrollieren

Die Stadt Nordenham hat nach den Worten von Bürgermeister Carsten Seyfarth wenig Möglichkeiten, zur Lösung des Problems beizutragen. Er verweist darauf, dass die Polizei für die Verkehrsüberwachung zuständig ist. Die Nordenhamer Ordnungshüter wollen sich jetzt der Sache annehmen. Das hat der Leiter des Einsatz- und Streifendienstes, Helmut Strowitzki, am Freitag gegenüber der NWZ  zugesagt. In der von Helmut Bohmbach geschilderten Dramatik sei der Polizei das Problem bisher nicht bekannt gewesen. In den nächsten Wochen sollen Geschwindigkeitsmessungen vorgenommen und dann auf deren Grundlage das weitere Vorgehen festgelegt werden.

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