Streusalz und Schaufeln in Hülle und Fülle
Winter Händler bleiben wegen der milden Temperaturen auf ihren Vorräten sitzen – Ware nimmt kostbare Lagerfläche weg
Fehlt nur noch der Winter: Jan Schäfer, Marktleiter im BBM-Baumarkt, ist gut vorbereitet. BILD: M. Zipfel 
von Mirja Zipfel
Ganderkesee - Der Winter, der keiner ist, stellt Händler und Verbraucher vor neue Probleme: Wohin nur mit den Unmengen an Streusalz, die man in weiser Voraussicht auf eisige Temperaturen bereits im Spätsommer geordert hatte? „Das ist in der Tat ein Problem“, bestätigt Jan Schäfer, Marktleiter des BBM-Baumarktes in Ganderkesee. Weil die überschüssige Ware nicht an den Lieferanten zurückgegeben werden kann, muss sie im Baumarkt bleiben. Doch da steht eigentlich schon der Frühling in den Startlöchern. „Der Streusalzvorrat nimmt uns wichtige Lagerfläche“, sagt Schäfer. Überhaupt, so erzählt er, seien die Planungen für das Wintergeschäft eher vergleichbar mit einem „Lotteriespiel“: unbeständig und risikoreich. Als Verlierer sieht sich der Marktleiter indes nicht: „Ein Verlustgeschäft war es nicht für uns. Die Kunden gingen auf Nummer sicher und haben sich bereits im September und Oktober eingedeckt.“
Sie alle – ob Hersteller, Lieferanten, Händler oder Verbraucher – wollten aus den Versäumnissen des vergangenen Winters lernen. Nun sitzen sie auf bis zum Anschlag gefüllten Salzbergen, wie zum Beispiel Wieland Garms. Im September hatte der Inhaber eines Baustoffhandels in Schierbrok seine Bestellung aufgegeben. Pünktlich wurde sie auch geliefert, doch getan hat sich seitdem nicht viel. „Im November habe ich ein bisschen verkauft“, sagt Garms.
80 Tonnen Streusalz lagern bei ihm auf dem Hof und warten auf Abnehmer. „Ein finanzieller Schaden ist mir nicht entstanden, aber es ist schon sehr ärgerlich.“ Vor allem deshalb, weil Wieland Garms die Ware wie sein Kollege aus dem Baumarkt durch den Sommer schleppen muss.
Entspannter sieht die Situation beim Kommunalservice aus, der für den Winterdienst zuständig ist. 160 Tonnen Salz sind in den Silos untergebracht, mit denen die Straßen rund um Ganderkesee und Hude versorgt werden. „Circa 40 Tonnen haben wir bislang verbraucht“, erklärt Betriebsleiter Dietrich Fischbeck. Das sei nichts im Vergleich zu 2010/2011: „Damals war es mehr als das Zehnfache.“
Und auch, wenn man in dieser Saison vermutlich auf dem Berg sitzen bleibe – theoretisch kann der Winter ja noch kommen –, handele es sich um kein Minusgeschäft. Das kann Reifenhändler Ingo Guth ebenfalls ausschließen. Obwohl die aus Thermogummi hergestellten Reifen kaum strapaziert wurden, sind sie notwendig. „Im November kam es vereinzelt zu Engpässen, aber im Moment kriegen Sie alles“, sagt Guth.
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