Rückkehr des Winters tut der Natur gut
Kälteeinbruch Landwirte und Förster freuen sich über eisige Temperaturen – Keine matschigen Böden
Ein Wintermärchen: Frost und Minus-Temperaturen haben die Brookbäke im Hasbruch zum Teil gefrieren lassen. Für Rainer Städing von den Niedersächsischen Landesforsten sind das die schönen Seiten des Winters. BILD: Mirja Zipfel 
von Mirja Zipfel
Ganderkesee - Lange sah es so aus, als ob sich der Winter in diesem Jahr eine Auszeit nehmen würde. Das milde Klima im Dezember und Januar hatte bei einigen Sträucherarten bereits erste Triebe und Knospen hervorgerufen: Der Frühling schien im Anmarsch. Doch jetzt hat sich die kalte Jahreszeit zurückgemeldet, mit allem, was dazugehört: Temperaturen weit im Minus- Bereich, vereisten Gewässern und zugefrorenen Böden.
Immun gegen Frost
Rainer Städing, Pressesprecher der Niedersächsischen Landesforsten Weser-Ems, kommt aus dem Schwärmen nicht heraus, als er sich am Donnerstagvormittag im Hasbruch in Bookholzberg umschaut: „Das Wetter ist Gold wert“, sagt er, „nach all dem vielen Regen, der die Böden im Revier aufgeweicht hat, können wir nun endlich die gefällten Baumstämme abtransportieren.“ Bislang habe man die großen und schweren Holzerntemaschinen nur sehr zurückhaltend eingesetzt, um die empfindlichen Böden im Naturschutzgebiet nicht zu beschädigen. „Wir wollen Bodenverdrückungen vermeiden“, erklärt der Experte. Nachdem es aber in den vergangenen Tagen so eisig kalt geworden und der Matsch gefroren ist, können die Forstarbeiten weitergehen.
Immun gegen die frostigen Temperaturen zeigen sich dagegen die Schädlinge: „Der Borkenkäfer ist mittlerweile dermaßen angepasst im Winter, da passiert gar nichts.“ Eine andere Erfahrung hat Jan-Bernd Meyerholz, Vorsitzender des Landvolkverbands Ganderkesee, gemacht: „Durch den Frost werden die Bakterien und das Ungeziefer auf den Feldern abgetötet.“ Das wiederum ist gut, weil dann weniger künstliche und chemische Zusatzstoffe versprüht werden müssen. Die milden Temperaturen der vergangenen Wochen hatten Wachstum und Verbreitung der Schädlinge gefördert, nun kann sich die Population von alleine regulieren. Für Meyerholz ist das aber nicht der einzige positive Aspekt des Winters: „Die kalte Luft sorgt für eine Zirkulation in den Ställen.“ Mensch und Tier können endlich wieder durchatmen. Letzteres hätte unter dem Mief – verursacht durch Wärme und Regen – ebenfalls gelitten: „Die saubere Luft wirkt sich wohltuend auf die Psyche aus“, weiß der Landvolk-Vorsitzende.
Gegenseitiges Wärmen
Allerdings wird dadurch nicht jeder Stallbewohner automatisch auch zum Frischluftfanatiker. „Schweine rücken zusammen, um sich gegenseitig zu wärmen.“ Sie mögen es mollig warm: Auf 25 Grad muss beispielsweise ein Ferkelstall, auf 16 ein Stall für ausgewachsene Schweine beheizt werden. Härter im Nehmen sind die Rinder: Ihnen macht die Kälte weniger zu schaffen. „Sofern sie windgeschützt stehen, können sie sich draußen aufhalten“, sagt Meyerholz. Wie für den Menschen gilt auch hier: Gegen einen Winterspaziergang bei Sonnenschein hat wohl kaum jemand etwas einzuwenden.
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