Kapitalmärkte:
Auch 2016 lauern Chancen für Anleger

Fünf Institute aus Region prognostizieren Entwicklung von Dax, Euro und Zinsen

Wie üblich gehen die Meinungen auseinander. Für 2015 fällt die Bilanz sehr unterschiedlich aus. Mancher hatte bei den Zinsen die Wende erwartet. Sie blieb jedoch aus.

Oldenburg Noch etwas Potenzial bei deutschen Aktien gemessen am Deutschen Aktienindex Dax, endlich wieder leicht steigende Zinsen und Uneinigkeit bei der Entwicklung des Eurokurses – das ist zusammengefasst die Prognose von Kapitalmarktexperten nordwestdeutscher Kreditinstitute für Ende 2016 (siehe Grafik).

Aktien

Globales Wachstum, steigende Unternehmensgewinne und ein Anlagenotstand – das sind die Faktoren, mit denen Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank (BLB), weiter steigende Aktienkurse begründet. Dem stimmt auch Sven Litke zu, Leiter des Bereichs Vermögensmanagement bei der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO). Außerdem würden die Notenbanken viel Liquidität in die Märkte pumpen.

Mit einem „einstelligen Gewinnwachstum“ begründet auch Daniel Steigmann, Filialdirektor der Deutschen Bank in Oldenburg, die gleiche Dax-Einschätzung. Carsten Brömstrup, Gruppenleiter Anlagestrategie/Wertpapiere bei der Oldenburgischen Landesbank AG (OLB), sieht in den billigen Rohstoffpreisen ein Konjunkturprogramm, das dem Dax einen Schub geben sollte. Das sieht zwar auch Harald Lesch so, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft der Volks- und Raiffeisenbanken Weser-Ems. Große Sprünge beim Dax nach oben erwartet er deswegen aber nicht.

Euro

Beim Euro gehen die Prognosen getrennte Wege. Hellmeyer, Brömstrup und Litke erwarten einen steigenden Eurokurs, Lesch und Steigmann einen fallenden – der Deutsche-Bank-Filialdirektor sogar weit unter die Parität von einem Dollar pro Euro und begründet dies mit fortgesetzt „starken Kapitalströmen aus der Eurozone in die USA“. Der BLB-Chefanalyst Hellmeyer hingegen setzt auf einen stärkeren Euro, „weil die US-Wirtschaft keine nachhaltige Zinswende in den USA verträgt“.

OLB-Experte Brömstrup hinterlegt seine Euro-Prognose damit, dass sich „die Konjunktur im Euroland robuster zeigen wird als viele heute denken“ und die US-Notenbank „keinen übermächtigen Dollar zulassen wird“. LzO-Vermögensmanager Litke setzt zwar auf eine „behutsame, berechenbare Straffung der US-Geldpolitik“, aber auch auf eine „zunehmende Gesundung der US-Wirtschaft“ – macht unter dem Strich für ihn einen leicht steigenden Eurokurs.

Zinsen

„Früher war mehr Zins“, wandelt Brömstrup von der OLB einen Loriot-Spruch ab. „Auch 2016 werden die Sparer in die Röhre schauen“, ist er sich sicher und erwartet nur ein ganz leicht höheres Zinsniveau, denn „Herr Draghi steht mit seiner Geldkanone Gewehr bei Fuß, wenn nötig“. Nur wenig optimistischer ist Litke von der LzO und rechnet 2016 mit einer „begrenzten Erholung“ bei den Zinsen.

Auf mehr setzen Genossenschaftsbanken, Deutsche Bank und BLB. Lesch sieht die deutschen Zinsen im Zuge der höheren US-Rendite steigen. Steigmann und Hellmeyer erwarten für 2016 steigende Inflationsraten im Euro-Raum, und dies werde sich treibend auf die Renditen von Staatsanleihen auswirken. Der BLB-Chefanalyst geht sogar von einer Verdoppelung der langfristigen Zinsen 2016 aus.

Bilanz 2015

Die Prognose-Bilanz der heimischen Kapitalmarktexperten für 2015 fällt ziemlich gemischt aus. Beim Dax lagen fast alle mit ihrer Prognose weiter leicht steigender Aktienkurse richtig – außer Harald Lesch, der eher einen Stillstand erwartet hatte. Den deutlichen Rückgang des Eurokurses hatte keiner auf der Rechnung; Hellmeyer war sogar von einem Anstieg ausgegangen.

Dafür traf der BLB-Analyst bei den unverändert niedrigen Zinsen ins Schwarze. Alle anderen Experten hatten – zum wiederholten Mal – die Zinswende beschworen. Vergebens!

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02.01.2016
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