Rückblick 2015:
Deutschland zeigt Kondition

Wirtschaft wächst – Schwacher Euro und Ölpreis – Rekord beim DAX – Mickrige Zinsen

Vielen blieb vor allem ein Skandal in Erinnerung: Volkswagen manipulierte die Abgas-Testwerte von Millionen Fahrzeugen.

Oldenburg Nicht schlecht! Während zahlreiche Staaten rund um den Globus wirtschaftlich schwächelten, ist Deutschland 2015 auf Wachstumskurs geblieben. Die Prognosen für das Jahr schwanken um 1,7 Prozent.

Das reicht, um das deutsche Jobwunder am Laufen zu halten. Die Erwerbstätigkeit stieg. Nie waren mehr Menschen in Deutschland beschäftigt als 2015. Die Arbeitslosenquote sank zuletzt auf eindrucksvolle 6,0 Prozent.

Dies scheint alle Argumente zu widerlegen, die vorgetragen wurden, als der Mindestlohn (8,50 Euro) eingeführt wurde. Das erste Jahr hat die gesetzliche Lohnuntergrenze – ein lange umstrittener Eingriff in den Markt – überstanden. Jetzt konzentriert sich die Diskussion eher auf die Frage: Wie wird der Betrag sinnvoll erhöht? Und sollte er auch für die Flüchtlinge gelten, die ins Land strömen und in wenigen Monaten am Markt erwartet werden?

Einige wichtige Indikatoren sprechen in diesen Tagen dafür, dass die Wirtschaftsdynamik 2016 gehalten werden kann. So sorgt der 2015 nochmals gesunkene Eurokurs dafür, dass deutsche Produkte in vielen Märkten rund um den Globus preislich wettbewerbsfähiger wurden. Auch der Ölpreis (und mit ihm Benzin und Diesel) haben langjährige Tiefstände erreicht – und wirken über Kostenentlastungen wie ein kleines Konjunkturprogramm. Außerdem waren die Tarifabschlüsse 2015 recht stattlich (Metall: plus 3,4 Prozent). Gekoppelt mit Frust über niedrige Sparzinsen und allgemeiner Zuversicht fließt nun mehr Geld in den Konsum. 2015 wurden die deutschen Verbraucher zu einem Treiber des Wirtschaftswachstums.

Das von der Europäischen Zentralbank (EZB) billig gehaltene Geld trieb auch die Kreditnachfrage voran. Deutschland erlebt einen Immobilienboom. Allerdings mehrten sich 2015 die Stimmen, die hier vor einer „Preis-Blase“ warnten.

Gleiches gilt für die von der Geldschwemme der EZB getriebene Börse. Der Deutsche Aktienindex (Dax) eilte zu Jahresbeginn von Rekord zu Rekord. 10 000 Punkte Mitte Januar, 11 000 Punkte Mitte Februar, 12 000 Punkte Mitte März – bis zum Allzeithoch von 12 374 Punkten am 10. April ging es stetig bergauf. Weder das politische Gezerre um den Pleitekandidaten Griechenland noch die Russland-Ukraine-Krise bremsten den Höhenflug.

Erst in den Schlussmonaten des Jahres schwächelte der Dax angesichts der Zinswende in den USA. Unterm Strich bleibt 2015 aber ein gutes Jahr in der Börsengeschichte, denn der Dax (Jahresschluss: 10 743 Punkte) war bei 9800 Punkten gestartet.

Sparer erzielten für ihre Anlagen dagegen oft Renditen im Prozentbereich von „Null komma...“ Die Notenbank EZB hat mit ihrer auf Konjunkturstimulierung ausgerichteten Politik die Zinsen im Euroraum quasi abgeschafft. Das schmerzt alle, die Altersvorsorge mit klassischen Spareinlagen oder Lebensversicherungen betreiben.

Als Argument der EZB für die mickrigen Zinsen hielt neben der in diversen Staaten flauen Konjunktur die niedrige Teuerungsrate her. Selbst in Deutschland sank die Inflationsrate 2015 zeitweilig unter die Null-Linie. Von Inflation also keine Spur – trotz der gigantischen Aufblähung der Geldmenge. Vor diesem Hintergrund kam der Goldpreis übers Jahr gesehen nicht von der Stelle (in Dollar).

Letztlich bleibt das Jahr 2015 vielen Beobachtern wohl vor allem wegen eines Riesen-Skandals in Erinnerung: Der Volkswagen-Konzern operierte im großen Stil mit falschen Abgas-Daten, er manipulierte Millionen Autos mit spezieller Software. Darüber stolperte auch Konzernchef Martin Winterkorn – bis dahin bestbezahlter Manager in Deutschland. Nun wird sogar um Arbeitsplätze gebangt.

Dabei hätte es doch so schön werden können. Noch 2014 fuhr VW einen Rekord-Betriebsgewinn (Ebit) von 12,7 Milliarden Euro ein, wie Anfang 2015 bekannt wurde.

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Sabrina Wendt

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http://www.nwzonline.de/wirtschaft/deutschland-zeigt-kondition_a_6,0,2182491639.html
31.12.2015
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