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NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft

Geld an fremden Geldautomaten oft teuer

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Banken Im Nordwesten:
Geld an fremden Automaten kann richtig teuer werden

Oldenburg Der Oldenburger aus dem Stadtteil Eversten staunte nicht schlecht: Erstmals wollte der Commerzbank-Kunde sich im neuen Jahr mit seiner Girocard (EC-Karte) Bargeld am Automaten holen – wie üblich nicht bei der eigenen Bank, denn die hat in der Nähe der Wohnung keinen Automaten, sondern bei der Oldenburgischen Landesbank (OLB), quasi um die Ecke. Doch dann poppte eine unerwartete Information am Display auf: Für die Transaktion sollten 3,95 Euro fällig werden. Der Commerzbank-Kunde zuckte zurück und rechnete. „Das bedeutet quasi vier Prozent auf die hundert Euro, die ich ziehen wollte“, klagt er. Der 57-Jährige ist ein Sparfuchs – und brach den Vorgang ab.

Dieses Erlebnis am OLB-Automaten wirft ein Schlaglicht auf die Verhältnisse am Markt: Geldabheben vom ohnehin durch Null-Zinsen und Teuerungsrate (aktuell 1,7 Prozent) dezimierten Konto kann teuer sein – wenn man das nicht bei der eigenen Bank macht und auch nicht innerhalb einer Bankengruppe, deren Institute den jeweiligen Kunden der anderen am Automaten nichts abzwacken (wie etwa Sparkassen oder Volks- und Raiffeisenbanken). Oder wenn es jenseits der Bankengruppen keine Einzelvereinbarungen von Instituten gibt.

Was 2017 speziell im Nordwesten neu ist: Neben vereinzelten Fremdgebührenanhebungen im Genossenschaftssektor hat die OLB ihre Vereinbarung zur kostenlosen gegenseitigen Barabhebung per Girocard am Automaten mit der Commerzbank aufgelöst. Bereits im Juni sei das erfolgt, mit Wirkung zum Jahresende 2016, erläuterte OLB-Sprecher Timo Cyriacks auf Anfrage. Gleiches gelte für die Hypo-Vereinsbank (Konzern Unicredit) nebst Töchtern. Deshalb wurden für den Commerzbank-Kunden aus Oldenburg-Eversten am OLB-Automaten jetzt auf einmal Gebühren angezeigt.

Der OLB-Sprecher erklärte den Schritt mit „größerer Effizienz“ durch eine „Vereinheitlichung des Abrechnungsmodus“. Denn nur für Commerzbank und HVB habe es zuletzt noch einen „anderen Abrechnungsmodus als für alle anderen“ gegeben. Mit Deutscher Bank und Postbank sei der alte Status ohne Fremdgebühren schon 2014 aufgehoben worden. Seit 1. Januar habe man „nun einen einheitlichen Modus für alle Nicht-OLB-Kunden mit der Gebühr von 3,95 Euro“. Dieser sei bei vielen anderen Banken ja auch „marktüblich“.

Die jüngste Trennung erscheint auch unter anderen Gesichtspunkten nachvollziehbar – unschwer ist eine Schieflage zu erkennen. Der Vorteil der Vereinbarung lag klar bei der Commerzbank, die trotz ihrer wenigen eigenen Filialen über die OLB zu einem kostenlosen regionalen Automatennetz kam. Gleiches gilt für die HVB und ihre kleinen Töchter. Die teilverstaatlichte Commerzbank ist am Markt auch aggressiv mit einem – sonst nur noch seltenen – gebührenfreien Girokonto unterwegs. Das nervt andere im Geldsektor.

Ganz nebenbei wird bei der aktuellen Gebührenentwicklung klar: Die privaten Banken sind sich längst nicht mehr einig. Deren Bündnis zur gegenseitig kostenlosen Automatennutzung bzw. mit einheitlich moderaten 1,95 Euro für Fremdkunden (seit 2011) hat sich quasi in Luft aufgelöst – ohne viel Aufhebens in der Öffentlichkeit. Die Kündigung von Vereinbarungen wie jetzt in Oldenburg sei „kein Einzelfall“, bestätigt man beim Bundesverband deutscher Banken, vermutlich mit einem Seufzer auf den Lippen.

Die Szenerie ist also unübersichtlicher geworden. Deshalb raten Verbraucherschützer: Automaten des eigenen Instituts nutzen. Oder sich informieren, welche anderen Institute „Verbündete“ sind, die keine Gebühr erheben. Oder sich erkundigen, ob die eigene Bank Gebühren, die am Automaten einer anderen Bank anfallen, erstattet. So macht es die OLB etwa, wenn ihre Kunden an Automaten von Commerzbank, Hypo-Vereinsbank, Deutsche Bank und Postbank mit Gebühren tätig wurden.

Wer auf solche Punkte nicht achtet, der wird leicht mal zur Kasse gebeten. Nach Angaben der FMH Finanzberatung in der „Wirtschaftswoche“ wurden 2016 etwa bei der Kreissparkasse Gotha 6 Euro Gebühr für institutsfremde Kunden an Geldautomaten gesichtet. Die großen, bundesweiten Privatbanken liegen demnach bei knapp unter vier Euro, Schlusslichter sind die wenigen Automaten der ING/Diba und PSD (1,95 Euro).

Besonders teure Automaten auch von Spezialanbietern, so ist etwa aus Berlin zu hören, befinden sich gern an „Hotspots“ des Tourismus, des Ausgehens oder auch des Spätverkaufs im Einzelhandel. Man sollte einfach aufmerksam hinschauen. Wenn man an zu teure Fremdautomaten gerät, kann man den Vorgang nämlich immer noch abbrechen, sagen Hans-Günter Rostalski von der Landessparkasse zu Oldenburg (LzO) und Harald Lesch von der Arbeitsgemeinschaft der Volksbanken und Raiffeisenbanken in Weser-Ems (AGVR). Die LzO berechnet für Kunden fremder Banken 3,50 Euro, bei den Genossenschaften, die die Gebühren individuell festlegen, geht es „im Durchschnitt“ um etwa 2,95 bis vier Euro. Ein Aspekt kann die Konkurrenzlage sein. Nur „einige wenige Banken“ hätten zum Jahreswechsel die Gebühren für Fremdkunden angehoben, hieß es.

Ein Trend zur Bargeldbeschaffung gewinnt übrigens gerade im Einzelhandel an Schwung: Erste Ketten (u.a. Rewe) bieten die Möglichkeit, sich beim Bezahlen per Girocard auch noch „Cash“ vom Konto auszahlen zu lassen. Dann gibt man zwar Geld aus, bringt aber letztlich mehr mit nach Hause.

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