Techniksysteme:
In der Garage am Großunternehmen gebastelt

Ganderkeseer Meyer Technik mit drei starken Standbeinen – Preis für Jet-Schutzzaun

Ganderkesee Bei Harald Meyer stimmt das Klischee: Er hat mit seiner Firma in einer Garage in Brettorf (Kreis Oldenburg) angefangen. Und für seinen ersten großen Auftrag – Elektroarbeiten in einer Schule in Oldenburg – geschummelt; statt zwei Angestellten gab er, um an den Auftrag zu kommen, neun an. Die Schummelei flog auf, Meyer bekam den Auftrag trotzdem, und heute, 37 Jahre später, macht die Unternehmensgruppe Meyer Technik mit rund 175 Mitarbeitern und seit 1992 mit Hauptsitz in Ganderkesee etwa 20 Millionen Euro Umsatz.

Automation, Anlagentechnik, Gebäudetechnik und Energietechnik, das sind die vier Bereiche der Unternehmensgruppe. Große Namen stehen auf der Referenzliste: Nestlé, Kraft Foods, die Deutsche Bahn, Allianz, Aldi oder Airbus. Ein Airbus-Auftrag hat Meyer Technik kürzlich Schlagzeilen gebracht. Für den Flugzeugbauer in Ham-burg-Finkenwerder wurde ein virtuelles Einzäunungs-System für abgestellte Flugzeuge entwickelt. „Mehrere Firmen hatten das vorher nicht hinbekommen“, erzählt Uwe Drees, Geschäftsführer der Meyer-Technik-Firma G&M Automation. Rund eineinhalb Jahre haben die Ganderkeseer dann dran „gebastelt“, mehrmals wurden von Airbus neue Anforderungen gestellt.

„Planeguard 100“ heißt das System, von dem inzwischen fünf an Airbus verkauft wurden. „Plane steht für Flugzeug aber bedeutet im Englischen ja auch Ebene“, erklärt Drees – und zeigt damit weitere Einsatzmöglichkeiten auf. Gesichert werden gegen Diebstahl oder Beschädigung können damit z.B. auch Baustellen, Messestände, Windkraft- bzw. Photovoltaikanlagen oder gar teure Autos und Boote.

„Das transportable kabellose System besteht aus vier Säulen mit Videokameras, die einen virtuellen Zaun mit bis zu 100 Meter Seitenlänge um das zu Schützende bilden – immerhin soll damit ja auch ein A 380 eingezäunt werden können. Wird die Barriere aus Infrarotstrahlen durchbrochen, löst dies akustischen Alarm aus und es gibt eine Sprachnachricht auf ein Handy“, beschreibt Drees die Funktionsweise. Zum Zutritt berechtigte Personen können die Barriere mit einer Fernbedienung oder einer speziellen Chipkarte freischalten. „Eine große Herausforderung war die Mobilität des Systems und eine sparsame Energieversorgung. Denn die Anlage läuft über Batterien“, so Drees.

Gewürdigt wurde das System nicht nur von Airbus. Kürzlich gab es für Meyer Technik u.a. hierfür den Mittelstandspreis der Volks- und Raiffeisenbanken in Weser-Ems. Und eine weitere Anfrage gibt es auch: Von der Lufthansa für ihre Werft in Hamburg. „Den Auftrag könnten wir wohl noch ausführen; aber für mehr fehlen uns derzeit einfach die Fachkräfte“, sagt Firmenchef Harald Meyer. „Fertige Ingenieure sind überhaupt nicht zu bekommen.“ Man bilde daher Elektroniker und Gebäudetechniker kräftig selbst aus, ergänzt Lukas Bäcker, Assistent der Geschäftsleitung. Außerdem gebe es eine enge Zusammenarbeit mit den Hochschulen in Oldenburg, Wilhelmshaven und Bremen.

Schon einmal machte Meyer Technik auch international Furore. Als eher kleiner Mittelständler stattete er 2001/2002 beim Bau der vierten Röhre des Hamburger Elbtunnels diese mit Brandschutzeinrichtungen aus. Den Einstieg in das Brandschutzgeschäft Ende der 80er Jahre und den sich daran anschließenden Aufbau einer Unternehmensgruppe nennt Harald Meyer als ein Highlight seiner Unternehmerlaufbahn. Der Ausgleich in der Gruppe half schließlich auch, die Krise im Maschinenbau im Jahr 2009 zu überstehen.

Als Hauptziel für die nächsten Jahre nennt Meyer, „nach-haltig und kontinuierlich zu wachsen“. Dabei werde es immer wichtiger, die richtige Personalpolitik zu betreiben. „Wir müssen als Arbeitgeber attraktiv und interessant sein“, erklärt der gelernte Elektroinstallateur, der selbst auf dem zweiten Bildungsweg Elektrotechnik und Betriebswirtschaft studierte. Die Anforderungen ans Personal würden immer größer – durch Arbeitsverdichtung bei den Projekten und die neuen Kommunikationsmittel. Meyer beteiligt seine Geschäftsführer an den Einzelfirmen. „Wird ein Verantwortlicher an der Firma beteiligt, ist das eine ganz andere Motivation.“ Für die Gesamtbelegschaft gibt es ein betriebliches Gesundheitsmanagement. „Wir dürfen die Leute nicht verheizen. Gerade in einem von der Technik beherrschten Unternehmen ist der menschliche Faktor enorm wichtig.“

Das betrifft auch den Unternehmensgründer Harald Meyer selbst. Er ist inzwischen 64 Jahre alt und will „nicht mit 80 noch im Betrieb sitzen“. Die Zukunft der Firma hat er geregelt und gesichert. 2017 soll Schluss sein.

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