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Stahlharte Zeiten für Schrotthändler

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Rohstoffpreise Im Keller:
Stahlharte Zeiten für Schrotthändler

Essingen Die Firma Scholz war bis vor kurzem eigentlich das, was man unter einem traditionsreichen „Hidden Champion“ aus Schwaben versteht. Mehr als 140 Jahre alt. In der fünften Generation familiengeführt. Einer der wichtigsten Player in seiner Branche. 5000 Mitarbeiter weltweit, Milliardenumsätze. Dass der Konzern nicht allzu bekannt ist, mag an der Natur des Geschäfts liegen: Scholz verdient sein Geld mit Schrott. Die Essinger zerlegen Autos, verwerten Millionen Tonnen Stahl, Aluminium und Kupfer. Sie beliefern Hunderte Stahlwerke, Gießereien und Schmelzwerke rund um den Globus. Nun stehen sie am Rande der Insolvenz.

Der enorme Preisdruck bei den Rohstoffen macht auch der Verwertungsbranche zu schaffen. China bietet derzeit billigen Stahl zu Dumpingpreisen in Europa an, um Überkapazitäten abzubauen. Hinzu kommt nach Angaben des Branchenverbands BDSV ein dramatischer Verfall der Eisenerzpreise: Dadurch ist die Produktion von neuem Stahl sehr günstig; der Einsatz von Schrotten rechnet sich immer weniger.

Dabei ist die Stahlrecycling-Branche alles andere als unwichtig: Sie erwirtschaftet Milliardenumsätze und beschäftigte 2015 nach BDSV-Angaben in Deutschland 37 000 Menschen. Doch der Stahlschrottmarkt bricht ein, 2015 ging die Nachfrage um 7,5 Prozent auf 25,6 Millionen Tonnen zurück. Der Branchenverband geht von heimischen Überkapazitäten von rund 20 Prozent aus. Der Preis für einzelne Schrottsorten sei allein 2015 um bis zu 40 Prozent gefallen. Und etwa jeder dritte Mitgliedsbetrieb plane zudem, im laufenden Jahr Personal abzubauen.

Scholz gehört zu den größten Recyclern, die Firma aus dem Ostalbkreis ist schnell expandiert. Dann geriet der Schrott- und Stahlmarkt unter Druck. Die Essinger bauten um, schlossen Schrottplätze, stießen Verlustbringer ab. „Scholz hat in der Restrukturierung seit 2013 viel erreicht, aber die weltweite Krise am Stahl- und Schrottmarkt kommt dem Unternehmen nicht entgegen und erschwert diesen Prozess“, teilt der Konzern mit. Erst Ende Februar verkaufte Scholz die Battle Tank Dismantling GmbH Koch, den Panzerverschrotter in Rockensußra (Thüringen), an den Panzer-Hersteller Krauss-Maffei Wegmann.

2012 machte Scholz noch 400 000 Euro Gewinn. 2014 verzeichnete der Metallrecycler einen Verlust von 123 Millionen Euro. Scholz sitzt nun auf einem Schuldenberg von rund 850 Millionen Euro. Damit ist der Schrottverwerter einer der großen Sanierungsfälle in Deutschland. Auch Toyota Tshusho, der Handelsarm des japanischen Toyotakonzerns, der knapp 40 Prozent hält, will kein frisches Kapital mehr geben.

Auch dem Berliner Abfallverwertungskonzern Alba macht der Preisverfall auf dem Stahlmarkt zu schaffen. Das Ergebnis unterm Strich lag 2014 bei minus 40 Millionen Euro. „Wir haben relativ schnell reagiert und das Engagement im Stahl- und Schrottbereich reduziert“, sagt Sprecher Henning Krumrey. Alba wolle nun die Verarbeitung von Stahlschrott mit der Abfallentsorgung verknüpfen, Wertstoffe weiterverarbeiten. „Schrott einzusammeln und weiterzureichen ist zu wenig, um im Markt erfolgreich zu sein.“

Der Schrottverwerter Scholz braucht erstmal dringend frisches Geld. Um rasch an einen Schuldenschnitt zu kommen, haben die Schwaben ihren Geschäftssitz nach London verlegt. In Großbritannien haben Unternehmen die Möglichkeit, sich ohne ein Insolvenzverfahren mit den Gläubigern zu einigen - außergerichtlich, im Schnellverfahren. Die Gläubiger sollen auf einen Teil ihrer Kredite verzichten. Die operative Steuerung bleibt in Essingen.

Nun hat das Unternehmen vorerst Zeit gewonnen. Die Banken gewährten einen Überbrückungskredit von 50 Millionen Euro. Und die für März fällige Zinszahlung für die - 82,5 Millionen Euro schwere, mit 8,5 Prozent verzinste - Anleihe wurde bis Ende Mai gestundet. Zwar legten Vertrauensmänner der Gläubiger vor wenigen Tagen rechtliche Schritte gegen die Zinsstundung ein, dies werde aber die Verhandlungen nicht beeinflussen, sagt ein Scholz-Sprecher. Der Kurs der Anleihe ist massiv eingebrochen, lag zwischenzeitlich auf Pennystock-Niveau. Wie wahrscheinlich also ist eine Insolvenz? Der Konzern wollte dazu keine Stellung abgeben.

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