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Schweinebauern Im Nordwesten:
Die Suche nach einem Weg in die Zukunft

Osnabrück Niedersachsen ist stolz darauf, Agrarland Nummer eins in Deutschland zu sein. Dazu gehört, dass mit 8,8 Millionen Stück Vieh die meisten Schweine Deutschlands in Niedersachsen leben. Die Landwirte leiden aber seit geraumer Zeit unter niedrigen Preisen - und unter einer kritischen Öffentlichkeit, die über Massentierhaltung sowie Luft- und Wasserbelastung die Nase rümpft. Dass es vielen Betrieben nicht gut geht, zeigt die Statistik: Wenn auch die Zahl der Tiere in Niedersachsen in den vergangenen zehn Jahren annähernd gleich geblieben ist, die Zahl der Betriebe ging von 16 000 im Jahr 2005 auf 6700 im vergangenen Jahr zurück.

Was also tun? Am Dienstag trifft sich die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) in Osnabrück zur jährlichen Versammlung . Mit Spannung warten die Landwirte auf den Vortrag des niedersächsischen Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD): „Schweinehaltung in Niedersachsen - ein starkes Stück Agrarwirtschaft“ ist die Rede überschrieben.

Fest steht: Die wirtschaftliche Lage der deutschen Schweinebauern ist schlecht. Das Russland-Embargo hat einen wichtigen Auslandsmarkt blockiert, gleichzeitig kommt aus Spanien günstiges Fleisch nach Deutschland. Nach ISN-Berechnungen kostet die Mast eines Schweins den konventionellen Landwirt 150 Euro, bringt aber nur 119 Euro Erlös. Pro Tier macht der Durchschnittsbetrieb also 31 Euro Verlust.

Die Landwirte wüssten daher nicht, ob sie auch in einigen Jahren so wirtschaften können wie bisher - und ob sich Investitionen in Ställe noch lohnen, sagt ISN-Geschäftsführer Torsten Staack. Die Bauern hätten auch den Eindruck, dass ihr traditionelles Geschäftsmodell von politischen Programmen in Frage gestellt werde.

Dabei haben die Schweinehalter inzwischen einen Weg gefunden, mit Niedersachsens grünem Agrarminister Christian Meyer auszukommen. Antibiotikaeinsatz, Verzicht aufs Ringelschwanzkupieren: Die Themen sind schwierig, die Umsetzung kompliziert. Aber: Beide Seiten reden miteinander, haben sich auf gemeinsame Eckpunkte geeinigt. „Es herrscht Transparenz, und nicht Ideologie“, sagt Staack.

Dennoch leiden die Betriebe nach Staacks Eindruck unter bürokratischen Hürden - so würden Umbauten von Ställen behördlicherseits behindert. Strohhaltung sei zwar von der Politik gewünscht, werde aber nicht genehmigt, weil es dafür keine zertifizierte Filtertechnik gebe. Hürden gebe es auch für Betriebe, die von konventioneller auf Öko-Haltung umstellen wollen.

Dabei denkt so mancher konventionelle Schweinehalter inzwischen über die Umstellung auf Bio nach. Denn während der durchschnittliche Schlachtpreis für konventionell gehaltene Schweine im vergangenen Jahr bei 1,38 Euro pro Kilo Schlachtgewicht lag, liegt er bei Bio-Schweinen aktuell wegen der starken Nachfrage bei mehr als 3,60 Euro. Aber dem höheren Erlös stehen auch rund doppelt so hohe Produktionskosten gegenüber.

Das Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen in Visselhövede registriere wachsendes Interesse konventioneller Schweinehalter, sagt Berater Ulrich Ebert. Aber: Der Markt ist klein. Der Anteil der Schweine, die ökologisch erzeugt werden, liege bei rund einem halben Prozent. „Es ist eine Nische, und nur eine Alternative für wenige Schweinehalter“, sagt Ebert.

Außerdem ist die Umstellung mit hohen Hürden verbunden, nicht nur die Ställe müssen umgebaut werden. Die Landwirte stiegen in ein für sie komplett neues System ein, müssten sich von den Ferkelerzeugern über Futterlieferanten bis zum Fleischabsatz neue Marktpartner suchen. Auch die Bewirtschaftung der Ackerflächen müsse auf die Richtlinien der Ökobauverbände wie Bioland oder Demeter umgestellt werden. „Wenn der Betrieb durch eine schlechte Marktlage zusätzlich wirtschaftlich geschwächt ist, fällt eine solche umfangreiche Investition nicht leicht“, sagt Ebert.

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