Tiere:
Minister schickt Antibiotika-Fahnder auf Bauernhöfe

Meyer will Einsatz von Medikamenten in fünf Jahren halbieren – Kritik vom Landvolk

Oldenburg/Hannover Die Kontrolleure stehen vor einem regelrechten Berg: Unfassbare 856 Tonnen Antibiotika wandern jedes Jahr in die Futtertröge in Niedersachsen. Davon 60 Prozent im Nordwesten und Süden. Die Landesregierung sagt diesem Arzneimittel-Missbrauch den Kampf an. Der Antibiotika-Einsatz soll in den kommenden fünf Jahren halbiert werden. 25 neue Kontrolleure beim Oldenburger Institut für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) überwachen den Prozess. Das beschloss das rot-grüne Kabinett am Dienstag.

Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) will vor allem an die Top-Verbraucher von Medikamenten ran. Experten nehmen jene 25 Prozent der Betriebe (ca. 5000 bis 70 000) besonders unter die Lupe, die den höchsten Medikamenten-Einsatz verantworten. Kontrolle und Beratung, lautet die Doppelstrategie. Ein Besuch von Laves kann bis zu 500 Euro kosten. Die eine Million Euro, die der Kampf gegen Antibiotika jährlich verschlingt, soll komplett aus Gebühren finanziert werden. Kleine Betriebe mit bis zu 20 Rindern, bis zu 250 Schweinen, bis 1000 Mastputen und bis 10 000 Masthühnern bleiben außen vor.

Wie dramatisch sich Antibiotika-Einsatz in der Massentierhaltung auf Menschen auswirkt, zeigen Risikostudien. So sterben jährlich in Deutschland 10 000 bis 20 000 Menschen, weil sie wegen multiresistenter Keime nicht mehr auf Antibiotika ansprechen. Der Landwirtschaftsminister fordert eindringlich, dass bei Tieren sogenannte „Reserve-Antibiotika“ nicht genutzt werden, sondern ausschließlich Menschen zur Verfügung stehen.

Der CDU-Agrarexperte Helmut Dammann-Tamke nennt die Antibiotika-Pläne „reine Profilierungssucht“ von Meyer. Das Landvolk betont, dass Antibiotika nur höchst verantwortungsvoll zum Einsatz kämen. „Sie müssen zur Behandlung kranker Tiere weiter eingesetzt werden dürfen, um Leiden und Schmerzen der Tiere zu verhindern“, betont Landvolk-Präsident Werner Hilse.

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18.02.2015
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