10.12.2011

Auslandreise
Niedersachsen-Treffen im Oman

Bundespräsident Wulff besucht von Emsländer geführtes Betonwerk

Das Unternehmen Europoles, das Christof Nottbeck aus Lingen leitet, wurde als eines der fünf besten im Land ausgezeichnet. Der frühere Zehn-Mann-Betrieb ist heute einer der Weltmarktführer.
Gunars Reichenbachs, Zurzeit Oman

MUSCAT „Vorsicht, gleich geht’s los“, sagt Christof Nottbeck. Der 35-Jährige zieht Bundespräsident Christian Wulff ein Stück zurück. Ein Zement-Steine-Gemisch fällt in eine lange Form, Maschinen drehen sich mit rasendem Tempo. „Schleuderbeton“ für Licht- und Strommasten, heißt das Verfahren. Wulff staunt, wie hier gearbeitet wird. Hier – das ist mitten in der Wüste von Oman. Im Einsatz: deutsche Hochtechnologie. Und der Geschäftsführer kommt aus Lingen im Emsland. Zwei Niedersachsen unter sich.

„Ich bin beeindruckt“, sagt Wulff den Skeptikern, die sich wunderten, warum der Bundespräsident auf seiner Golfstaaten-Reise Zeit findet, ausgerechnet das Betonwerk „Europoles“ bei Nizwa zu besuchen. Die Deutschen sind so tüchtig, dass Sultan Qabus bin Said Taimur Al Said das deutsch-omanische Gemeinschaftsunternehmen 2010 zu einem der fünf besten im Land ausgezeichnet hat. „Wir wollen den Preis auch dieses Jahr gewinnen“, sagt ein sichtbar stolzer Emsländer unter dem Porträt des Herrschers. Dieser lächelt.

Wieso macht ein studierter Wirtschaftsingenieur aus Lingen ausgerechnet Karriere in einer Gegend, wo im Sommer locker 50 Grad Hitze auf dem Thermometer stehen? „Wir fühlen uns ausgesprochen wohl“, sagt Nottbeck im Gespräch mit dieser Zeitung. Vor einem Jahr zog der Ingenieur mit seiner Familie – dazu gehören zwei Töchter – nach Oman. „Die Jüngste wurde vor drei Wochen in Omans Hauptstadt Muscat geboren“, erzählt Nottbeck, der „bedauert“, dass sein Nachwuchs „nicht Omanin werden kann“. Eine Geburt im Land reicht dem Sultan noch nicht.

Ins Ausland zieht’s den Emsländer, der sein Abitur am Gregorianum in Lingen machte, schon früh: Er wird Austauschschüler in Australien. Nach dem Studium stehen die Stationen Spanien (Aufbau eines Auslandswerkes), Oman, Polen und wieder Oman in der Vita. Zwischendurch macht Nottbeck Station im bayerischen Stammwerk Neumarkt. Heute gehört Nottbecks Belegschaft, die 2007 mit 10 Mann anfing und jetzt 700 Mitarbeiter umfasst, zu einem weltweiten Marktführer. Die Vorarbeiter, zur Hälfte Omanis, werden in Deutschland ausgebildet. Dann bringen diese Arbeiter ihren Kollegen, vor allem Nepalesen und Inder, deutsche Sorgfalt bei. Man ist international.

Zwischen 1800 und 3000 Euro kostet ein Betonmast je nach Länge. Viel Geld für Zement, Steine und Eisen. „Aber wir haben einen unschlagbaren Vorteil“, rechnet der Emsländer vor: „Holzmasten können in der Hitze brennen wie eine Fackel – wegen der Kriechströme in den Stromleitungen“. Beton nicht. Deshalb sind die Europoles-Produkte so begehrt. Jeder Stromausfall kostet den Oman viel Geld. Da bezahlt man gerne etwas mehr für sichere deutsche Technik.

Und demnächst werden die Rechnungen noch ein wenig teurer. Europoles will ins Geschäft mit großen Überlandmasten einsteigen. Für den Emsländer Nottbeck stehen die Zeichen in Oman nicht nur in der Familie auf kräftiges Wachstum.

Bundespräsident Christian Wulff sieht in einer Bildungspartnerschaft und dem Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen Chancen für eine Stabilisierung in Nahost und der arabischen Welt. Mit dem omanischen Sultan Qabus sei er sich einig, die bilateralen Beziehungen zu vertiefen. Beim Besuch eines deutsch-omanischen Gemeinschaftsunternehmens warb Wulff am Freitag während seines knapp dreitägigen Besuches in Oman für deutsche Investitionen in dem Wüstenstaat.

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