Medizin Im Oldenburger Land:
Schlechte Aussichten für Kliniken

Die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser in Niedersachsen sind besorgniserregend. Mehr als die Hälfte steckt tief in den roten Zahlen. Das zeigt eine Umfrage. Die wird allerdings von der AOK stark bemängelt.

Oldenburger Land Mehr als die Hälfte der Krankenhäuser in Niedersachsen haben das Jahr 2014 mit einem existenzgefährdenden Geschäftsabschluss beendet. Das ist das Ergebnis der jetzt veröffentlichten Umfrage der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft (NKG) aus dem vergangenen Monat.

Für die ausstehenden Jahresabschlüsse 2015 wird eine weitere Verschlechterung befürchtet. „Die wirtschaftliche Situation der Krankenhäuser in Niedersachsen bleibt besorgniserregend“, warnt NKG-Vorsitzender Dr. Gerhard Tepe aus Vechta.

Geld aus der Landeskasse für die Kliniken

120 Millionen Euro gab es für die Krankenhäuser der Region im vergangenen Jahr aus Hannover.

Viele Kliniken im Oldenburger Land sind mit dem Geld unterstützt worden. So bekam das Nordwestkrankenhaus Sande (Kreis Friesland) 4,2 Millionen Euro, das Krankenhaus Johanneum in Wildeshausen (Kreis Oldenburg) für die Sanierung von Hochwasserschäden 2,1 Millionen Euro.

Das Pius-Hospital bekam für die Umstrukturierung des OPs 7,5 Millionen Euro, das Evangelische Krankenhaus Oldenburg erhielt für den Neubau des Funktionstraktes 5 Millionen Euro. Das St. Josefs-Hospital Cloppenburg erhielt 6 Millionen Euro.

Auch einige Kliniken im Oldenburger Land stehen mit dem Rücken zur Wand. „Ich teile die Einschätzung der NGK auch für die katholischen Krankenhäuser im Oldenburger Land“, sagt Dr. Martin Pohlmann vom Caritas–Verband. In manchen Häusern würden weiter Notlagentarife gelten – Mitarbeiter verzichten zur wirtschaftlichen Sicherung der Krankenhäuser auf Gehalt. Verbunden mit einer deutlich gestiegenen Arbeitsbelastung sei das jedoch „kaum zuzumuten“.

Für die gleichen medizinischen und pflegerischen Leistungen standen den niedersächsischen Krankenhäusern 2015 rund 70 Millionen Euro weniger zur Verfügung, als dies bei einer bundeseinheitlichen Bezahlung der Fall gewesen wäre, so Tepe.

Kritik an der Aussagefähigkeit der Befragung gibt es von der AOK Niedersachsen. „Eine Stimmungsabfrage im eigenen Lager bildet eher selten die objektiven Gegebenheiten ab“, sagt AOK-Sprecher Carsten Sievers im NWZ -Gespräch. Denn offenbar haben nicht alle Kliniken des Landes an der Befragung teilgenommen. Die niedersächsischen Kliniken würden von den Krankenkassen zudem in diesem Jahr rund 240 Millionen Euro mehr erhalten als in 2015 – insgesamt rund 6,4 Milliarden Euro.

Die Bemessungsgrundlage für die Abrechnung, der sogenannte Landesbasisfallwert, sei außerdem vor wenigen Wochen erst einvernehmlich zwischen der NKG und den Kassen ausgehandelt worden. „Der Zuschlag für die Kliniken fällt sogar höher aus, als ihre Personal- und Sachkosten gestiegen sind“, so Sievers.

Nachholbedarf sehe die AOK jedoch bei der Finanzierung von Renovierungs- und Bauarbeiten. Die liege in den Händen des Landes. „Diese Investitionskosten werden vom Land Niedersachsen allerdings nicht ausreichend gedeckt“, kritisiert Sievers. Erst im Dezember hätten Kassenverbände und Krankenhausgesellschaft das Land aufgefordert, „seinen Verpflichtungen für die Kliniken stärker nachzukommen“.

Krankenhausmanager beklagen, dass die Kliniken notwendige Investitionen in die Bausubstanz oftmals selbst erwirtschaften müssten.

Das Oldenburger Pius-Hospital wird entgegen des Landes-Trends wieder einen positiven Jahresabschluss vorlegen. Dafür gebe es jedoch nicht den einen Faktor, machte Klinik-Geschäftsführerin Elisabeth Sandbrink auf NWZ -Anfrage deutlich.

Als Gründe für den Erfolg des Hauses nannte Sandbrink unter anderem eine schonende Wachstumspolitik, die sich am realen Behandlungsbedarf orientiere sowie das Schaffen von medizinischen Alleinstellungsmerkmalen.

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Tobias Schwerdtfeger

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