• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Markt
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • LocaFox
  • Shop
  • Events
  • Tickets
  • nordbuzz
  • FuPa
  • Werben
  • Kontakt
NWZonline.de Nachrichten Wirtschaft Weser-Ems

Wenn die Worte stecken bleiben

NWZonline {{SHARING.setTitle("Stottern – Wenn die Worte stecken bleiben")}}

Selbsthilfe Im Nordwesten:
Stottern – Wenn die Worte stecken bleiben

Oldenburg/Vechta Da liegt ein kleiner Junge im Krankenhaus, wochenlang, er ist erst fünf Jahre alt. Seine Mama darf nicht zu ihm, er darf nicht zu seiner Mama. Durch eine Glasscheibe kann er sie sehen, wenn sie zu Besuch kommt. Er weint so viel.

Als Konrad endlich wieder nach Hause darf, stottert er.

In der Familie sprechen sie nicht darüber. Wenn Konrad zum Bäcker geht, schreiben ihm die Eltern einen Zettel. Konrad legt ihn wortlos auf den Verkaufstresen. Manchmal schreibt er den Zettel auch selbst. Hauptsache, er muss nicht sprechen.

Ein Marathonlauf

50 Jahre später stottert Konrad immer noch. Aber er spricht darüber. Am liebsten mit den anderen Stotterern in der Selbsthilfegruppe.

„Stottern“, sagt Konrad, „fühlt sich an, als würde man alle Buchstaben in einen großen Topf werfen und kräftig umrühren“.

„Stottern ist wie ein Defekt in der Sprachausgabe“, sagt Manfred (58). „Der Computer läuft tadellos, aber der Lautsprecher funktioniert nicht.“

„Stottern ist, als ob einem die Buchstaben im Halse stecken bleiben“, sagt Heike (59).

„Ich habe mal gesehen, wie ein Therapeut Kindern das Stottern erklärt hat“, sagt Tobias (30). „Er umfasste den Arm des Kindes mit einer Hand und sagte: ,Du redest drauflos. Aber wenn ich zudrücke, musst du aufhören zu reden.‘ Das fand ich eine gute Beschreibung: Jemand drückt – und man muss warten, bis der Druck nachlässt.“

„Stottern ist wie ein Marathonlauf“, sagt Ralf (44).

Stotterer sind still. Sie verstecken sich. Vor allem, wenn sie jung sind. „Wenn irgendwo ein Telefon klingelte, war ich weg“, sagt Konrad. Vermeidungsstrategie nennt man so etwas.

„Sprich langsam!“, ermahnten ihn die Erwachsenen. Oder: „Du brauchst doch keine Angst vor mir zu haben!“ Konrad vermied es, mit ihnen zu sprechen.

Vermeidung war auch sein Zettel auf dem Verkaufstresen. Oder Manfreds Spontankäufe: Er konnte nicht „drei Roggenbrötchen und zwei Croissants“ sagen? Dann kaufte er eben fünf Hörnchen. Und die Eltern wunderten sich über die falsche Tüte.

800 000 Stotterer gibt es in Deutschland, das ist ein Prozent der Bevölkerung. Warum sie stottern, ist nicht ganz klar. Man geht davon aus, dass das Stottern zu 70 bis 80 Prozent genetisch angelegt sei. Aber es kann auch einen Auslöser geben. Ein traumatisches Erlebnis, vielleicht eine Mutter hinter der Krankenhaus-Glasscheibe.

„Wissenschaftlich nachgewiesen ist das natürlich nicht“, sagt Konrad.

Der erste Schultag, die Erstklässler sollen ihren Namen sagen. Manfred sagt nichts, ihm steckt das M im Halse fest. Lachen die anderen Kinder etwa? Ist der Lehrer unangenehm berührt? Manfred schämt sich. Fortan schweigt er lieber, die Lehrer lassen ihn in Ruhe. Seine Zeugnisse sind schlecht. Nach der Schule beginnt er eine Lehre als Werkzeugmacher, „da muss man nicht so viel reden“.

Manche Menschen glauben, Stotterer seien dumm. Falsch, sagen Experten wie der Göttinger Neurologe Prof. Dr. Martin Sommer: „Vereinfacht gesagt, funktioniert das Zusammenspiel von rechter und linker Gehirnhälfte anders als bei flüssig sprechenden Menschen.“

Aber wer weiß das schon, wenn sein Gegenüber nichts sagt?

„Ich konnte nie erzählen, wie es mir ging“, sagt Konrad. „Es gab ja damals keine Kommunikation über E-Mail.“

„Man ist verdammt dazu, seine Gefühle für sich zu behalten“, sagt Ralf.

Gute und schlechte Tage

Heike wollte so gern Kindergärtnerin werden. Sie durfte nicht, weil sie stotterte. Sie wurde Apothekenhelferin.

Der Apotheker kannte eine Therapie gegen Stottern. Heike musste mit zwei Kieselsteinen unter der Zunge sprechen.

Das Stottern blieb. Aber es verschwand: Heikes Selbstwertgefühl.

Kieselsteine. Logopädie. Ergotherapie. Atemübungen. Autogenes Training. Es gibt kaum etwas, das die fünf Stotterer nicht ausprobiert haben.

Stottern gilt als unheilbar, zumindest bei Erwachsenen. Aber es gibt Techniken, mit denen sich die Blocks kontrollieren lassen. Block – so nennen es die Stotterer, wenn die Worte stecken bleiben.

Tobias sollte neulich ein Fernsehinterview geben, es ging um seine Arbeit als Physiker. Ein Stotterer vor laufender Kamera? Er dachte lange darüber nach. Er gab das Interview, „es lief gut“.

Konrad, der früher vor jedem Telefon Reißaus nahm, telefoniert heute täglich. Er arbeitet als Elektroingenieur.

Manfred ist heute EDV-Dozent.

„Ich habe das ganz gut im Griff jetzt“, sagt Manfred. „Aber es ist mit sehr viel Aufwand verbunden.“

„Es ist super anstrengend“, sagt auch Ralf, er ist Sozialpädagoge.

„Manchmal konzentriere ich mich so sehr am Satzanfang, den Redefluss aufrecht zu erhalten, dass ich nicht mehr weiß, wie ich den Satz beenden muss“, sagt Tobias.

„Es gibt gute und weniger gute Tage“, sagt Konrad. Heute ist ein weniger guter Tag. Ein Reporter ist zu Besuch, es ist schon spät, die Zeit wird knapp. Schon stockt ihm die Sprache.

Reden ist so anstrengend, dass Stotterer Redepausen brauchen. Tobias stottert zum Beispiel in jeder Mittagpause. Wenn er vormittags viel geredet hat, braucht er das. „Meine Kollegen kennen das schon.“

Stottern ist ein Marathonlauf? Nicht stottern fühlt sich doppelt so weit an!

Heike richtet sich auf. „Wenn ich will, kann ich auch symptomfrei sprechen“, sagt sie. Sie macht es vor. „Aber dann bin ich mir fremd. Mit zunehmendem Alter wurde der Kontrollzwang so erdrückend, dass ich es nicht mehr aushalten konnte. Ich bekam Kopfschmerzen davon, Verspannungen, Depressionen.“ Jetzt stottert sie immer und überall. „Das bin ich“, sagt sie und lacht.

Das bin ich – vielleicht ist das das Wichtigste. Das Stottern annehmen. Sich akzeptieren. Ich bin nicht dumm! Ich bin wertvoll! „Das ist ein langer, steiniger Weg“, sagt Heike. Buchstäblich.

„Wir wollen mehr Zeit!“

Diese Telefonkonferenzen täglich! „Ganz glücklich bin ich damit natürlich nicht“, gibt Konrad zu. „Aber worauf soll ich warten? Dass das Stottern endlich weggeht? Ich meine, ich bin 55: Das geht vielleicht nie weg!“

Er könnte vielleicht darauf warten, dass sich die Gesellschaft endlich ändert.

„Mehr Toleranz“, wünscht sich Ralf, der Sozialpädagoge.

„Mehr Zeit“, wünscht sich Heike. „Wie in dem Stottererwitz: Hast du mal eine Viertelstunde Zeit? Ich hab’ dir fünf Minuten was zu sagen.“

„Wir brauchen eine andere Gesprächskultur“, schlägt Manfred vor.

Er weiß auch, wie so eine Gesprächskultur aussehen könnte: so wie die hier in der Selbsthilfe. Niemand unterbricht, vervollständigt Sätze, fällt anderen ins Wort.

Stotterer sind die besten Zuhörer der Welt, „wir haben das ja auch ein ganzes Leben lang geübt“. Alle lachen.


NWZ TV    zeigt einen Beitrag unter   www.nwzplay.de 
Berlin
Sarah Connor freut sich über Baby Nummer vier

Sängerin Aus Delmenhorst
Sarah Connor freut sich über Baby Nummer vier

Mama und Papa sind „unendlich dankbar und überglücklich“, postet Connor auf Facebook. Der vierte Spross heißt Jax Llewyn.

Osnabrück
Unbekannte beschädigen auf Flucht drei Streifenwagen

Verfolgungsjagd Nahe Osnabrück
Unbekannte beschädigen auf Flucht drei Streifenwagen

Doe Polizei wollte einen Wagen kontrollieren. Dieser raste allerdings mit bis zu 150 Stundenkilometern davon.

Oldenburg
Hilfe, wie finde ich einen Tanzpartner?

Inga Tanzt Durch Oldenburg
Hilfe, wie finde ich einen Tanzpartner?

Auf der Suche nach dem perfekten Tanzkurs hat NWZ-Redakteurin Inga Wolter immer wieder von einem Problem gehört: wie schwierig es ist, einen Tanzpartner zu finden. In einem Serien-Spezial lesen Sie, wie man in Oldenburg und umzu den passenden Partner zum Walzen, Twisten und Abrocken finden kann.

Wittmund
63-Jähriger  bei Unfall mit Zug schwer verletzt

Kreis Wittmund
63-Jähriger bei Unfall mit Zug schwer verletzt

Wieder hat es an einem Bahnübergang gekracht. Wie es zu dem Unfall gekommen ist, konnte die Polizei noch nicht sagen. Erst vor ein paar Tagen gab es einen ähnlichen Vorfall in Cloppenburg.

Schauspieler aus Cloppenburg zurzeit fast wöchentlich im TV

Interview Mit Markus Gertken
Schauspieler aus Cloppenburg zurzeit fast wöchentlich im TV

Heute lebt er in Berlin, aber seine Liebe zur Schauspielerei entdeckte Markus Gertken im Oldenburger Münsterland. An diesem Sonnabend ist er im ZDF zu sehen. Gertken hat NWZ-Redakteur Carsten Mensing erzählt, was ihn heute noch in die alte Heimat zieht.

Oldenburg
Zukunftsängste spielen   längst mit

Handball-Damen Des Vfl Oldenburg
Zukunftsängste spielen längst mit

„Es wird viel gemunkelt“, erklärt VfL-Spielerin Kim Birke. Dem Bundesliga-Standort Oldenburg droht 2018 das Aus, denn der Rückzug des Sponsors reißt große Lücken.

Oldenburg
Kunstpreis geht an Gerrit Frohne-Brinkmann

Junge Künstler Der Region
Kunstpreis geht an Gerrit Frohne-Brinkmann

Den Preis der Kulturstiftung der Öffentlichen Versicherungen Oldenburg erhält der Friesoyther in der Sparte Skulptur und Installation. Die Auszeichnung ist mit 8000 Euro dotiert.

Vom Leiden der Männer

Tabuthema Männergesundheit
Vom Leiden der Männer

Selbstüberschätzung und überholte Rollenbilder machen Männer krank. Ändern müssten sich gesellschaftliche Normen, sagt der Psychologe Thomas Altgeld im Gespräch mit NWZ-Redakteurin Lea Bernsmann. Aber nicht immer ist kranken Männern zu helfen.

Surwold/Ganderkesee
Schiff kracht gegen Brücke –  Mann aus Ganderkesee stirbt

Tödlicher Unfall Im Emsland
Schiff kracht gegen Brücke – Mann aus Ganderkesee stirbt

Das Führerhaus ist bei dem Unglück bei Surwold abgerissen worden. Ein Besatzungsmitglied steuerte das schwer beschädigte Schiff in einen Hafen. Der 60 Jahre alte Schiffsführer wurde so schwer verletzt, dass er im Krankenhaus starb.